Hängepartie im „Sträßchen”

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
antonbild
Ist ihr Standort gefährdet? Die Stadt will die Prostitution in der Antoniusstraße - quasi im Schatten von Dom und Rathaus - zumindest eindämmen und mittelfristig eventuell sogar ganz verbannen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Behalten die Bordelle ihren Platz im Herzen der City? Oder wird das Treiben im „Sträßchen”, wie die Öcher ihre Antoniusstraße gerne nennen, auf die grüne Wiese im Stadtrand ausgelagert? Diese Diskussion ist in Aachen beinahe so alt wie das besagte Gewerbe selbst und tritt fast ebenso lange auf der Stelle.

„Seit 50 Jahren heißt es hier doch schon, die Straße kommt weg”, sagt einer, der das wissen muss - und den die alte, aber stets neu aufflammende Debatte über Aachens Rotlichtstandort direkt betrifft.

Denn der Mann in den Sechzigern, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, betreibt seit Jahrzehnten in der Antoniusstraße sechs Häuser, in denen Prostituierte arbeiten. Und er will, dass das so bleibt - und sieht sich da im „Sträßchen” in einem Boot mit den meisten anderen Betreibern: „Keiner möchte hier weg.”

„Halbierung” angekündigt

Dass ein Bordell-Betreiber an die Öffentlichkeit geht, ist ungewöhnlich, hat aber Gründe. Da ist zum einen die Initiative der Stadt, die Rotlichtmeile per Ausdehnung der Sperrgebietszone zurückzudrängen. Im Sommer 2009 hatte der damalige OB Dr. Jürgen Linden diese „Halbierung” des Rotlichtviertels angekündigt und für 2011 in Aussicht gestellt. Angesichts der „Bel Etage”-Pläne am Büchel sei dieser Schritt schon aus Jugendschutzgründen geboten, hieß es seinerzeit.

Doch drohen der Stadt nun massive Klagen der Betroffenen, sollte sie diesen Plan umsetzen. Dies habe man Planungsdezernentin Gisela Nacken bei einem Gespräch, an dem etwa 15 „Kollegen” teilgenommen hätten, unmissverständlich mitgeteilt, sagt der Betreiber der sechs Häuser.

Die Dezernentin bestätigt das Gespräch und auch die Klageandrohung. Sie habe das Meinungsbild auf Seiten der Betreiber ausloten wollen, sagt Nacken. Und räumt ein, dass die Ausdehnung der Sperrzone ein „langwieriger Prozess” sei. „Die Gespräche mit der Bezirksregierung laufen”, sagt sie. „Für die Umsetzung kann man noch keinen Zeitpunkt nennen.”

Besagter Bordell-Betreiber geht aber auch an die Öffentlichkeit, weil er sich darüber ärgert, wie negativ die Zustände in der Antoniusstraße oft von Politik und Verwaltung dargestellt würden. Der Mann öffnet Türen, zeigt Zimmer, führt durch Küchen und Aufenthaltsräume und präsentiert ein Badezimmer, das gerade saniert wird. „Ich will zeigen, dass die Mädchen nicht in Verschlägen leben, keine unzumutbaren Bedingungen herrschen und für Hygiene und Sauberkeit gesorgt ist”, sagt er.

Im Übrigen würden auch die Beschäftigten lieber im „Sträßchen” arbeiten als in einem „kasernenähnlichen Eroscenter”, behauptet der Mann - was manche Prostituierte bestätigt. „Ich finde es angenehm hier”, sagt etwa eine Frau, die seit acht Jahren in Aachen tätig ist und zuvor im Kölner Eroscenter gearbeitet hat. Dort sei es schlechter gewesen, wegen der großen Konkurrenz schon aus wirtschaftlichen Gründen. Und was die Sicherheit angeht: „Wenn mir einer was tun will, kann er das auch in einem Eroscenter.”

In der Antoniusstraße dagegen sei die Kriminalität zurückgegangen, sagen die Betreiber - was Polizeisprecher Paul Kemen bestätigt. Deutlich sogar, um mehr als die Hälfte in fünf Jahren. In die Standortfrage einmischen mag sich die Polizei nicht: „Das ist Sache der Stadt.”

Wie es weitergeht? Besagter Bordellbetreiber würde gerne mit der Stadt „Hand in Hand” arbeiten. Sichtblenden an den Eingängen, ein besserer Straßenzustand, mehr Planungssicherheit - „dann würde hier auch mehr investiert werden”, sagt er.

In Politik und Verwaltung gibt es dagegen viele, die sich eine andere Nutzung viel besser vorstellen können in dieser „Filet-Lage”. Doch der Weg dorthin scheint weit. „Als Stadt kommen wir da nicht wirklich weiter”, sagt auch der neue OB Marcel Philipp. Vor Ort bleibt derweil erst einmal alles beim Alten: Im „Sträßchen” herrscht eine Hängepartie.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert