Häftling schlug zu, weil er Fäkalien im Essen vermutete

Von: Wolfgang Schumacher
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hantel stange symbol
Wuchtiges Schlagwerkzeug: Mit einer Hantelstange wollte ein Häftling der JVA Aachen einen Mitinsassen töten. Symbolbild: dpa

Aachen. Der Angeklagte sitzt in Haft, so wie es für die meisten Beschuldigten vor einem Schwurgericht üblich ist. Doch das Besondere ist, dass hier eine Straftat verhandelt wird, die in der Aachener Justizvollzugsanstalt (JVA) geschah.

Angeklagt ist der Vorfall vom 4. September 2011 als versuchter Mord an einem Mithäftling von Blerim L. (40), der aus Tirana in Albanien stammt und beinahe so gut wie kein Deutsch spricht. Er soll dem 31-jährigen Yusuf E. (31) eine massive Hantelstange auf dem Weg zur Freistunde über den Kopf gezogen habe, das Opfer ging dabei K.o. zu Boden, überlebte aber den Angriff. Im Krankenhaus musste er mehrfach an einer zehn Zentimeter langen Platzwunde am Hinterkopf genäht werden.

Blerim L. fühlte sich damals in den Gefängnismauern schlecht aufgehoben und wähnte, wie er am Montag vor der Kammer per Dolmetscher schilderte, er werde von mehreren anderen Häftlingen verfolgt, gemobbt und schwerstens provoziert. Da habe er sich, das gestand er vor Richter Gerd Nohl, in der Tat Respekt verschaffen wollen – und schlug mit einer Hantelstange zu. Warum er das getan habe und warum er die Stange, die übrigens ohne angeschraubte Hantelteller zum Einsatz kam, mit einem Tuch eingewickelt hatte, wollte das Gericht wissen.

Was der Angeklagte berichtete, hörte sich, milde gesagt, komisch an. Der bereits wegen einschlägiger Gewaltdelikte vorbestrafte L. gab an, gerade der damals auf seinem Flur als Hausarbeiter tätige Yusuf E. habe zugelassen oder sogar betrieben, dass man in seine im Flurkühlschrank befindlichen Lebensmittel übelriechende menschliche Ausscheidungen eingebracht habe. Als er am Tag davor eine offene Tetrapacktüte, so ließ L. von seinem Anwalt vortragen, mit pürrierten Tomaten herausnahm und mit dem Inhalt Essen kochen wollte, habe er das Ganze „gerochen“. Daraufhin wollte er die Sache ein für alle Male beenden – eben mit der jetzt verhandelten Tat. „Ich hatte aber nicht die Absicht, ihn zu töten“, ließ sich der 40-Jährige vor dem Schwurgericht ein.

Was Richter Nohl dann doch dazu veranlasste, mehrfach genauer und gezielt nachzufragen, warum er etwa das Handtuch um die Stange gewickelt hatte. In der Tat: Das Handtuch sei um die Stange gewickelt gewesen, damit das Ziel seiner Attacke nicht so schwer verletzt werde, ließ L. übersetzen. Das schilderte Yusuf E. völlig anders. Erstens sei er damals gar kein „Hausarbeiter“ mehr gewesen. Und die Schlüssel zu dem besagten Kühlschrank besäßen zweitens nur Wachbeamte der JVA, also gehe das gar nicht so, wie der Beklagte das beschrieben habe. Yusuf E. habe nur bemerkt an dem Morgen, wie er einen heftigen Schlag bekam und „dann noch mehr als sechs Schläge hinterher“, die er zum Teil mit dem Arm abgewehrt habe. Der Prozess geht Donnerstag weiter.

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