Haaren - Haarener Werkstatt der Lebenshilfe feiert 25. Geburtstag

Haarener Werkstatt der Lebenshilfe feiert 25. Geburtstag

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Zahlreiche Gratulanten: Vertreter aus Politik und Wirtschaft machten der Werkstatt ihre Aufwartung. Foto: Andreas Herrmann

Haaren. Zwar hat Architekt Karl Lindlau das Gebäude vor 25 Jahren auf Sand gebaut, doch hat der heute 85-Jährige keinerlei Bedenken, das „sein“ Haus auch das 50-jährige Jubiläum der „Lebenshilfe Aachen Werkstätten & Services GbmH“ im Stadtteil Haaren im besten Zustand erleben wird.

Hat er es doch in unmittelbarer Nähe zur Wurm mit 164 Pfählen zwölf Meter tief im Boden verankert. So dürfte das Haus noch so manche Veränderung mitmachen. 1992 hieß das Unternehmen, in dem heute 500 Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten, noch Werkstatt für Behinderte. Es wurde nach der Werkstatt am Neuenhoferweg gebaut, „um die Nachfrage an Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung für die nächsten Jahrzehnte erfüllen zu können“, wie Geschäftsführer Norbert Zimmermann bei der Jubiläumsfeier am Samstag erzählte.

„Sie reichen tatsächlich bis heute.“ Für die nächsten Jahre verfolgt Zimmermann die Vision eines Inklusionsparks am Hergelsmühlenweg, „in dem sich die Systeme weiter vermischen können. Die Unternehmen können dann bei uns produzieren“.

Im Moment gehen einige Lebenshilfe-Mitarbeiter eher in Partnerunternehmen und sorgen so für ein breites Wahrnehmen der Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderung. So wie Andrea Bongard, die in der Verpackung am Hergelsmühlenweg angefangen hat, schließlich lange Jahre in der dortigen Küche tätig war und heute in einem Partnerunternehmen arbeitet. „Arbeit ist eine schöne Aufgabe. Ich freue mich auf jeden Tag, an dem ich arbeiten kann“, sagte die Frauenbeauftragte und das Mitglied im Werkstattrat im Gespräch mit Petra Pauli, Moderatorin des Festtages und Pressesprecherin der Vereinigte Unternehmerverbände (VUV), in dem auch die Werkstatt Mitglied ist.

Denn als Unternehmen versteht sich die „Lebenshilfe Aachen Werkstätten & Services GmbH“ und wird als solches auch von Kunden wahrgenommen. Michael Mahr ist mit seiner Heizungsbaufirma Kunde erster Stunde, lässt unter anderem Lüftungsgitter und Kabelbäume am Hergelsmühlenweg bauen – allerdings nicht als Good-will-Aktion, wie er betonte. „Sie stehen im Wettbewerb mit anderen. Eine gute Leistung zu einem angemessenen Preis ist die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit. Wir verlassen uns auf die Qualität Ihrer Produkte“, rief er den Mitarbeitern zu und warb zugleich dafür, dass auch mehr Firmen Kontakt zur Lebenshilfe suchten.

In den Lebenshilfe-Werkstätten finden aber auch Menschen Arbeit, die einen sehr hohen Unterstützungsbedarf haben – immer sozialversicherungspflichtig angestellt und damit auch für das Wohl der Gesellschaft tätig, wie Zimmermann betonte. Auf den Wert von Stabilität und Struktur durch Arbeit machten Bernd Knauf, Vorsitzender des Elternrates, und Aufsichtsratsvorsitzender Professor Gerd Ascheid aufmerksam: „Hier kann mein Sohn sein und bleiben“, sagte Ascheid. Und Knauf ergänzte: „Es gibt Eltern ein gutes Gefühl, wenn sich der Sohn immer auf den Montag freut, weil er wieder zur Arbeit gehen kann.“

Mehr Präsenz von Menschen mit Behinderung im Stadtteil wünschte sich Bezirksbürgermeister Ferdinand Corsten: „Schön wäre es, wenn die Lebenshilfe-Mitarbeiter auch nach ihrer Arbeitszeit in Haaren blieben, weil sie hier wohnten. Deshalb wollen wir barrierefreien Wohnraum schaffen.“ Denn die Präsenz von Menschen mit Behinderung könne anderen viel beibringen. „Wenn ich Erdung brauche, schleiche ich mich hier in die Werkstatt“, gestand Corsten.

Danach wurde lautstark und fröhlich gefeiert – und das war kein Problem bei 164 Pfählen als Stabilitätsanker.

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