Haaren - Haaren: Streit um Kanalisierung eines Wasserlaufs

Haaren: Streit um Kanalisierung eines Wasserlaufs

Von: Stephan Mohne
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Noch plätschert der Bach am Haarberg durch die Gärten, doch jetzt soll er in die Kanalisation umgeleitet werden. Anwohner wehren sich und haben Rechtsanwalt Detlev Maschler (l.) eingeschaltet.

Haaren. In Haaren geht die Umwelt den Bach runter. Messwerten zufolge ist die Luftqualität an der extrem vom Verkehr frequentierten Alt-Haarener-Straße noch schlechter, als an jenen Hauptverkehrsachsen in der City, wegen denen bald die Umweltzone eingeführt wird.

Entsprechend heißt es in einer Verwaltungsvorlage im Dezember 2014 zum Umbau der Alt-Haarener-Straße, dass dort „keine gesunden Wohnbedingungen gegeben“ seien. Ausgerechnet in Haaren soll nun ein Bach hinuntergehen – aus seinem bisher teils offenen Verlauf in die Kanalisation. Doch da blasen Anwohner zum Protest – und haben einen Anwalt eingeschaltet.

Das Bächlein hat keinen Namen. Die Quelle des Wasserlaufs soll in der Nähe des Jüdischen Friedhofs oben auf dem Haarberg sein. Von da an geht es bergab Richtung Alt-Haarener-Straße und unter Wohnhäusern durch Rohre. Doch dann tritt das Gewässer wieder zutage. Es schlängelt sich über mehrere Grundstücke im Bereich Alt-Haarener-Straße/Am Haarberg. Am Kopf des Eibenwegs verschwindet der Bach wieder in Rohren. Der offene Teil des namenlosen Bächleins soll nun jedoch bereits in wenigen Tagen von der Bildfläche verschwinden. Der Bach soll stattdessen in neu verlegte Regenwasserrohre unter der Alt-Haarener-Straße geleitet werden. Das entsprechende Bauwerk dazu ist bereits angelegt. Von dort aus soll es dann im „Tal“ in den Haarbach gehen. Aber warum nur?

Bei der Suche nach der Antwort wird es kurios. Laut Stadt – sie ist als Untere Wasserbehörde zuständig für Gewässer – war der Bach bis 1972 ein Bach, als er noch gänzlich offen durch die Gegend floss. Danach sei er an einen Regenwasserkanal angeschlossen worden, der 1988 wiederum am Eibenweg mit einem Mischwasserkanal verbunden wurde. Die Rohrleitung und auch der noch offene Abschnitt seien somit „Teil der Ortsentwässerung und gehören zur städtischen Kanalisation“, heißt es in einer mit der für Kanäle zuständigen Stawag abgestimmten Stellungnahme. Da Niederschlagswasser rechtlich „als Abwasser bezeichnet wird, handelt es sich um eine städtische Abwasseranlage“. Laut Harald Beckers vom Presseamt gehe jede Bestrebung dahin, natürliches Wasser auch wieder einem natürlichen Gewässer und nicht der Kläranlage zuzuführen. Das geschehe hier. Zudem seien die heutigen Rohre sanierungsbedürftig. Für die Reparatur müssten laut Stadt im Falle eines Bachlaufs die Grundstückseigentümer aufkommen. „Das würde manchem Grundstückseigentümer gewiss nicht sonderlich gefallen“, so Beckers. Und: In den Gärten wurden im Laufe der Jahre Veränderungen wie etwa Steinterrassen vorgenommen, über die der Bach plätschert. Das behindere das Gewässer in seiner natürlichen Entwicklung. Ergo: Wäre es ein Bach, wäre die Behörde längst vorstellig geworden, um die Veränderungen abreißen zu lassen.

Gesagt hat man das bisher gleichwohl niemandem. Die Anwohner hätten sich dann in einigen Tagen gewundert, dass der Bach schlicht „verschwunden“ ist. Durch Zufall wurde Astrid Urgatz auf die Sache aufmerksam. Ihr Grundstück an der Alt-Haarener-Straße grenzt an den offenen Bachlauf. Sie mobilisierte die Nachbarn und UWG-Ratsherr Horst Schnitzler – und Rechtsanwalt Detlev Maschler. Allen gemein ist die Forderung, die „Tieferlegung“ des Baches zu stoppen. Im Auftrag der Anwohner wird Maschler einstweilige Verfügungen beim Amts- und beim Verwaltungsgericht beantragen, um die rasche Umsetzung der Bachtrockenlegung vorerst zu verhindern. Zumindest bis zur Klärung aller rechtlichen Fragen.

Einen krassen Widerspruch macht indes Dieter Formen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) aus: „Während vielerorts heutzutage die Devise ‚Offenlegung von Bächen‘ herrscht, passiert ausgerechnet hier das Gegenteil.“ Kommentar Seite 18

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