Haaren - Haaren: Mysteriöser Gestank treibt Menschen zur Verzweiflung

Haaren: Mysteriöser Gestank treibt Menschen zur Verzweiflung

Von: Stephan Mohne
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Es kommt aus dem Kanal: Das ist das Einzige, was man über den mysteriösen Gestank in Haaren weiß. Foto: Michael Jaspers

Haaren. Volker Schiffer hat die Nase voll. Buchstäblich. Und seine 150 Mitarbeiter haben dies auch. „Es ist unerträglich. Unsere Kleider sind verseucht, und wir stinken jeden Tag”, sagt der Geschäftsführer der Maschinenfabrik Fecken-Kirfel. Sie liegt am Haarener Ortseingang und damit im Epi-Zentrum des mysteriösen Gestanks, der sich seit Oktober 2009 in Haaren und Richtung Krefelder Straße immer weiter ausbreitet.

Der Geruch - die einen ordnen ihn Richtung Schimmel, andere Richtung fauliges Holz oder verrottende Kartoffeln ein - ist penetrant, setzt sich sofort auf Kleidungsstücken fest.

Die Ursache ist indes immer noch ein Rätsel. Die Stadt hat am Mittwoch einen Vertrag mit Experten aus dem Rhein-Main-Gebiet unterschrieben, die der Sache auf den Grund gehen sollen. Und Volker Schiffer hat zwischenzeitlich den Oberbürgermeister persönlich eingeschaltet, heute kommt dessen Wirtschaftsförderungschef Manfred Sicking in die Firma. „Die Sache wird für uns geschäftsschädigend”, so der Geschäftsführer. Schließlich stinken auch die Musterstücke, die man an Kunden verschickt.

TH-Professor sieht das Molekül

Doch nicht nur bei Fecken-Kirfel leidet man. An der Feldstraße steht ein Wohnblock, der den Gestank mit voller Breitseite abbekommt. Selbst am neuen Tivoli riecht man es schon, und auf der anderen Seite bis hinauf auf den Kaninsberg. Alle Versuche, dem Gestank und damit einem möglichen Verursacher auf die Spur zu kommen, schlugen bisher fehl. Das Landesumweltamt hat in Archiven gekramt und nichts Vergleichbares gefunden. Die Kanäle wurden gespült und in Augenschein genommen. Vergebens.

Nur einer hat den kleinen Bösewicht schon gesehen. Es ist Professor Hans Friedrich Schröder vom RWTH-Institut für Siedlungs-Wasserwirtschaft. „Wir haben das sehr kleine Molekül im Massenspektrometer deutlich gesehen”, sagt der Forscher. Auch er war bei Fecken-Kirfel, untersucht die Sache aber mehr „nebenbei” und nicht im offiziellen Auftrag. „Deswegen kann ich nicht dauerhaft Personal abstellen”, so Schröder.

Aus der spektrometrischen Analyse kann er den Stoff selbst noch nicht bestimmen. „Ich warte aber täglich auf neue Untersuchungskartuschen, die das Umweltamt dort aufgestellt hat”, erklärt er. Schröder hat gleichwohl eine Vermutung: „Es könnte sich um eine Stickstoffverbindung handeln.” Dass sofortige Anheften an Kleidungsstücke und das dann folgende stundenlange Ausdünsten des Gestanks seien ein Indiz dafür.

Dass der Stoff „einfach so” entsteht, scheint eher unrealistisch. Nach Presseberichten im Frühjahr war der Gestank plötzlich vier Wochen lang weg. Und dass, obwohl er sonst bei Hitze und Kälte, Sonne und Regen, Sturm und Windstille auftritt. Der Durchbruch könnte jedenfalls kurz bevor stehen. Dann, so meint Schröder, könnte man den Verursacher ruckzuck ausmachen. Volker Schiffer hat auch schon über einen weiteren Schritt nachgedacht: eine Strafanzeige.
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