„Guter Hirte” soll 190 Familien behüten

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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Der Gute Hirte: Auf dem Areal des gleichnamigen alten Klosters (Bildhintergrund) sollen 190 Wohneinheiten - Einfamilienhäuser wie Geschosswohnungen - und eine Kindertagesstätte Platz finden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nicht mehr lange, und der alte Kultkasten ist endgültig Geschichte. Schon im Juni sollen am alten Tivoli an der Krefelder Straße die Abrissbagger anrollen. Wo einst unzählige Fußballschlachten geschlagen wurden, werden bald Wohnungen und Einfamilienhäuser gebaut.

Und allenfalls die Straßennamen in dem neuen Wohnquartier werden dann noch an die mehr als 80-jährige Sporthistorie an diesem Ort erinnern.

Der Zeitplan für den radikalen Wandel ist nach mehreren Verzögerungen nun wie in Beton gegossen, die Stadt jedenfalls hält ihn für unumstößlich. „Der alte Tivoli kann noch bis 31. Mai von der Alemannia genutzt werden”, sagt die städtische Planungsdezernentin Gisela Nacken, „und wir verlassen uns auf dieses Datum.”

Schließlich ist der Bebauungsplan für das Areal rechtskräftig, haben die ersten Fäll- und Rodungsarbeiten bereits begonnen. Angesiedelt werden soll Einzelhandel, für eine entsprechende Ausschreibung hat die Politik Ende vorigen Jahres grünes Licht gegeben. Geplant ist auch ein Hotel an der Krefelder Straße. „Für diesen Standort registrieren wir bisher sehr großes Interesse”, sagt Nacken.

Vor allem aber soll Wohnraum geschaffen werden. „Ende dieses Jahres wollen wir die ersten Grundstücke anbieten”, hofft die Dezernentin. Einfamilienhäuser sind geplant - zum Beispiel in Terrassenlage am legendären Würselener Wall des alten Fußballstadions -, aber auch Geschosswohnungen. Immerhin 130 Wohneinheiten sollen dort insgesamt entstehen. Das ist viel und doch nur weniger als ein Zehntel dessen, was in Aachen in den kommenden Jahren an neuem Wohnraum geschaffen werden soll.

An vielen Stellen der Stadt werden neue Wohngebiete geplant, mehr als 1500 Wohnungen sollen in nächster Zeit gebaut werden - aus Sicht der Stadt eine zwingende Notwendigkeit, die vor allem durch die Campus-Pläne der RWTH entsteht, wo bis zu 10.000 Arbeitsplätze prophezeit werden.

Kein Wunder, dass zumindest bei den Plänen für den Campus West, die gerade erst den Bürgern vorgestellt worden sind, das Wohnen große Bedeutung hat. Eine tragende Rolle soll dabei der „Gute Hirte” spielen - auf dem Areal des gleichnamigen alten Klosters sollen 190 Wohneinheiten - Einfamilienhäuser wie Geschosswohnungen - und eine Kita Platz finden. „Mehr noch als auf Melaten ist dort die Vernetzung mit den benachbarten Stadtvierteln wichtig”, formuliert Nacken den Anspruch an den näher zur Innenstadt gelegenen Campus. Das Wohnen soll da auch räumlich als Klammer dienen: Überlegt wird, auch am Rand des Campus entlang der Süsterfeldstraße in einem langgezogenen Streifen Wohnen möglich zu machen.

Das Planverfahren läuft, spätestens Ende nächsten Jahres soll der Bebauungsplan für den Campus West in trockenen Tüchern sein. Ähnlich sieht der Zeitplan im Richtericher Dell aus, dem mit Abstand größten Wohnungsbauprojekt auf Stadtgebiet. Dort sollen in knapp zwei Jahren die Bagger anrollen und den Boden für den ersten Bauabschnitt bereiten. Eine CO2-freie Siedlung mit rund 100 Gebäuden, deren Energiehaushalt ökologisch optimiert ist, soll im Aachener Norden entstehen. Doch das ist nur ein kleiner erster Schritt: Am Ende sollen in Richtericher Dell 800 Familien ein neues Zuhause gefunden haben.

Wettbewerb für das Ostviertel

Über die ganze Stadt verteilt werden weitere Wohnflächen entwickelt. Rund 150 Einheiten sind es in Kornelimünster-West, 90 in Lichtenbusch, 130 sind auf der alten Finanzamtbrache an der Beverstraße geplant, 50 im Bereich Höfchensweg/Eupener Straße, weitere 55 an der Rahemühle. Und auch im Ostviertel soll neues Wohnen entstehen, gleich neben der im Bau befindlichen Moschee an der Kreuzung Stolberger Straße/Elsassstraße. Der Wettbewerb läuft gerade, Anfang April will die Jury entscheiden.

Nur 8000 Sozialwohnungen?

Dort, aber längst nicht nur dort sollen auch öffentlich geförderte Wohnungen gebaut werden. Denn die Herausforderung für den Aachener Wohnungsmarkt liegt nicht nur im Zuzug zahlungskräftiger Neu-Aachener dank der Campus-Projekte, sondern auch am anderen Ende der Einkommensskala. Denn dort bricht immer mehr billiger Wohnraum weg. Bis zum Jahr 2020 werden über 3300 Wohnungen aus der Sozialbindung fallen. Der Gesamtbestand würde sich - ohne Neubau - auf dann nur noch rund 8000 Sozialwohnungen verringern.

Viel zu wenig, wie der jüngste Wohnungsmarktbericht deshalb auch vor einer möglicherweise „gravierenden Marktanspannung in diesem Segment” warnt. Dem will die Stadt überall dort begegnen, wo es möglich ist, betont Nacken: „Generell streben wir bei allen Projekten immer eine Mischung aus Eigentum und öffentlich gefördertem Wohnraum an.”

Am 31. Mai könnte zum letzten Mal der Ball auf dem alten Tivoli rollen, danach ist Schluss mit Sport an die Stadt an neuem Wohnraum in naher Zukunft planthistorischer Stätte. Der Bebauungsplan für das Areal ist rechtskräftig. 130 Wohneinheiten - als Einfamilienhäuser und in Geschossbauweise - sollen hier entstehen. Ende des Jahres können die ersten Grundstücke Interessenten angeboten werden. Zusätzlich geplant sind auch ein Hotel und Einzelhandel. Das Projekt Alter Tvoli ist weniger als ein Zehntel dessen, was die Stadt an neuem Wohnraum in naher Zukunft plant. Mehr als 1500 Wohnungen sollen gebaut werden.
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