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„Guter Hirte“ behütet das Neubaugebiet

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Einfamilienhäuser, Eigentums- und Mietwohnungen – dazu viel Grün und einige Freiflächen: So soll das Neubaugebiet hinter dem Ex-Kloster „Guter Hirte“ an der Süsterfeldstraße aussehen. Gebaut werden sollen 275 Wohneinheiten, 60 bis 70 Millionen Euro werden investiert. Illustration: pbs
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Namensgeber des Gebietes: das ehemalige Kloster „Guter Hirte“. Auch dieses Gebäude soll – allerdings von anderen Investoren – saniert und zu Wohnungen umgebaut werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist 35 Jahre her, dass die Schwestern vom Guten Hirten gingen. Ihr damaliges Kloster an der Süsterfeldstraße steht jedoch auch heute noch. In direkter Nachbarschaft wird in nicht ferner Zukunft reichlich neues Leben Einzug halten. Buchstäblich.

Denn zwischen dem 1848 gebauten Kloster und der Bahnlinie werden sich schätzungsweise bis 2019 Bauleute und Handwerker die Klinke in die Hand geben, um nicht weniger als 275 Wohneinheiten hochzuziehen. Das Großprojekt in Sachen Wohnungsbau nimmt jetzt merklich Fahrt auf und hat zudem ein Gesicht erhalten.

Ende vergangenen Jahres sind nämlich die Sieger eines internationalen Architektenwettbewerbs des Landes in Kooperation unter anderem mit der Architektenkammer und der Stadt gekürt worden. Beworben hatten sich namhafte Planer aus Deutschland, aber auch aus Portugal, Österreich, Luxemburg und Kroatien. Durchgesetzt hat sich indes ein Aachener Teilnehmer: die Planungsgesellschaft „pbs Architekten“. Hinter dem Namen stehen die Planer Reinhard Gerlach, Achim Wolf und Jörg Böhning.

Und damit kommt es bei diesem Vorhaben zu einer rein Aachener Kooperation, denn auch die Investorengruppe ist eine einheimische. Die Firma „Dekoncepta“ (eine Tochter von Derichs & Konertz) und das Bauträgerunternehmen von Architekt Elmar Bausch haben eine Projektgesellschaft gebildet. Sie hatten das rund 30.000-Qua-dratmeter-Grundstück im Zuge einer städtischen Ausschreibung als Meistbietende gekauft.

Bedingung der Ausschreibung war besagter Wettbewerb, den die Investoren neben den anderen Partnern mit auslobten. Dass nun eine Aachener Kombo herausgekommen ist, liegt am Entwurf von Reinhard Gerlach und seinen Kollegen. Der nämlich überzeugte die Jury aus neun stimmberechtigten Mitgliedern und zehn Beratern vollends. Wobei die Jury anonymisierte Entwürfe zu beurteilen hatte, damit niemand einen Vor- oder Nachteil hatte. Für den Plan von „pbs Architekten“ fanden die Experten fast durchweg überschwänglich lobende Worte.

Großer Höhenunterschied

Dabei hatte die Aufgabe durchaus einige Tücken. Das Gelände dort weist einen Höhenunterschied von zwölf Metern auf, was laut Gerlach schon beträchtlich ist. Zudem war eine Bedingung, 5000 Quadratmeter Freiflächen einzuplanen. Der dickste Brocken war allerdings die Bebauung entlang der Bahnlinie, die als Schallschutz dient. Wohn- und Schlafräume dürfen nicht zur Bahn hin liegen. Allerdings ist dies ausgerechnet die Sonnenseite. Durch ein ausgeklügeltes Konzept gelang es den Architekten dennoch, Licht in alle Räume zu bringen und gleichzeitig die Schallschutzbedingungen zu erfüllen. Preiswürdig.

Im Gebiet selber gibt es zwei große, aber unterschiedlich gestaltete Freiflächen. Die eine ist der ehemalige Klosterpark, der als grüne Oase gestaltet wird. Die andere ist ein autofreier „urbaner Platz“ mit Bäumen und Grün, aber auch Freiraum zum Beispiel zum Skaten. Von der Süsterfeldstraße aus wird das Gebiet durch zwei Stichstraßen erschlossen. Der Plan wirkt grün und aufgeräumt. Dennoch sind die Planer bei der Gesamtgröße der Wohnflächen fast an die höchstmögliche Grenze gegangen, wie Gerlach erläutert.

Insgesamt werden 275 Wohneinheiten entstehen. Dazu zählen Eigentumswohnungen, die laut Gerlach zwischen 30 und 150 Quadratmeter Wohnfläche haben werden, wodurch es eine durchaus sehr gemischte Bewohnerschaft in dem Neubaugebiet geben wird. 30 Prozent der Wohneinheiten – auch das war eine Auflage – werden öffentlich geförderte Mietwohnungen sein.

Dazu kommen noch Einfamilien-Stadthäuser. Zudem gibt es 300 Tiefgaragenstellplätze fürs Blech. Auch eine neue Kindertagesstätte ist vorgesehen. Als einen Clou des Baugebietes sieht Reinhard Gerlach, dass die Wohneinheiten samt und sonders barrierefrei sein werden. Räumlich gesehen schließt das Gebiet an das sogenannte „Campusband“ an, das sich in Zukunft vom Westbahnhof aus an den Schienen entlang erstrecken soll – es wird also vielleicht den ein oder anderen geben, der hier Wohnen und Arbeiten gleich kombinieren kann.

Grüne: Bebauungsplan forcieren

Beachtlich sind indes nicht nur die baulichen Ausmaße des Projekts, sondern auch die finanziellen: „Die Investitionssumme wird insgesamt bei 60 bis 70 Millionen Euro liegen“, sagt Gerlach. Damit sie ausgegeben werden können, fehlt allerdings noch etwas. Zunächst einmal muss die Politik jetzt einen auf das Vorhaben zugeschnittenen Bebauungsplan auf stellen. Da passt es, dass die Grünen just am Dienstag per Ratsantrag gefordert haben, diesen Bebauungsplan so schnell wie möglich auf die Schiene zu setzen. Schließlich brauche Aachen dringend den Wohnraum – insbesondere auch die öffentlich geförderten Mietwohnungen. Das Wohngebiet solle unabhängig davon forciert werden, wann dereinst ein allgemeiner Bebauungsplan für den benachbarten Campus West kommt. In dieser Hinsicht ruht nämlich derzeit der See.

Reinhard Gerlach selber rechnet damit, dass das Bebauungsplanverfahren rund ein Jahr dauern wird. 2016 solle es dann den ersten Spatenstich geben. Die Bauzeit für das gesamte Gebiet veranschlagt der Planer mit zwei bis drei Jahren.

Das Kloster „Guter Hirte“ – es sollte ersten Ideen nach eigentlich zugunsten des Wohngebiets abgerissen werden, wogegen sich jedoch die Politik schließlich aussprach – wird übrigens auch saniert, ergänzt und zu Wohnraum umgebaut. Dies allerdings von einem anderen Investor. Das dort seit 1995 beheimatete Atelierhaus soll ins ehemalige Straßenbahndepot Talstraße, das gerade zu einem Kreativ- und Stadtteilzentrum umgebaut wird, umziehen. Für dieses Projekt sind übrigens auch Reinhard Gerlach und seine Kollegen von „pbs Architekten“ zuständig. Doch das ist eine andere Geschichte.

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