Aachen - Gute Lehrerversorgung, aber längst nicht alle Stellen besetzt

Gute Lehrerversorgung, aber längst nicht alle Stellen besetzt

Von: Margot Gasper
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Es gibt offene Stellen, aber die Lehrerversorgung ist gesichert, stellen Jörg Funk, Beatrix Wollgarten und Petra von Jakubowski fest. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. In gut zwei Wochen gehen 4340 Anfänger an den Start. So viele Erstklässler werden in einer von 221 Eingangsklassen in der Städteregion Aachen eingeschult. Etwa 1750 i-Dötzchen in 90 Klassen sind es allein in der Stadt Aachen. Insgesamt fängt Ende August für 18.000 Grundschüler in 770 Klassen in der Städteregion die Schule an.

Das bedeutet jede Woche rund 20000 Stunden Unterricht an den 88 Grundschulen. Und das nötige Personal ist vorhanden, stellt das Schulräte-Team – Petra von Jakubowski, zuständig für die Grundschulen der Stadt Aachen, Beatrix Wollgarten (Eifel, Eschweiler und Stolberg) sowie Jörg Funk (Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen) – zufrieden fest.

„Für alle Kinder und Klassen wird es eine ausreichende Lehrerversorgung geben“, sagen sie. Unterricht könne „planmäßig“ stattfinden, und für individuelle Förderung gebe es sogar noch ein Personalpolster über das Stundenminimum hinaus.

Ganz so selbstverständlich ist das nicht. Lehrer für die Primarstufe werden dringend gesucht. Als Stadt im äußersten Westen der Republik, an deren Hochschule man das Lehramt für die Primarschule nicht einmal studieren kann, ist Aachen – und damit auch sein Umland – außerdem im Nachteil. Andere Großstädte profitieren vom „Klebeeffekt“: Dort bleiben viele Lehramtsstudenten auch nach ihrer Ausbildung hängen.

18 Vertretungsstellen unbesetzt

Deshalb sind die drei Schulräte sehr erfreut, dass sie für die Städteregion diesmal immerhin 36 Stellen neu ausschreiben durften. „Das Ministerium hat mehr Geld in die Hand genommen, um weitere Stellen zu schaffen“, stellt Jörg Funk fest. Gesucht wurden Grundschullehrer und Sonderpädagogen.

Der Wermutstropfen allerdings: Nur die Hälfte der Stellen konnte bisher besetzt werden. Die Schulräte hoffen jetzt auf den 1. November, wenn weitere Lehramtsanwärter mit ihrer Ausbildung fertig sind. Im vergangenen Jahr konnte auf diese Weise im späten Herbst doch noch die eine oder andere Stelle besetzt werden.

Ausgeschrieben wurden für die Städteregion auch 13 zusätzliche Stellen für „sozialpädagogische Fachkräfte in der Schuleingangsphase“. „Auch darüber freuen wir uns sehr“, sagt Petra von Jakubowski. Diese Sozialpädagogen sollen Kinder unterstützen, die zu Beginn ihrer Schullaufbahn noch etwas mehr Unterstützung brauchen. Früher kümmerten sich darum die Schulkindergärten, die aber vor Jahren schon aufgelöst wurden.

Insgesamt arbeiten derzeit mehr als 1500 Lehrerinnen und Lehrer an den Grundschulen in Stadt und Altkreis Aachen, davon etwa 635 in Aachen. Die allermeisten, betonen die Schulaufsichtsbeamten, sind ausgebildete Grundschullehrkräfte. „Seiteneinsteiger“ ohne ein Lehramtsstudium seien eher die Ausnahme.

Nur ein Drittel besetzt

Engpässe in den Kollegien sind dennoch zu befürchten. Und besonders kleine Schulen trifft das hart. Zumal die Vertretungsreserve auch nicht optimal bestückt ist. Von den 27 Stellen sind derzeit lediglich neun besetzt, gerade mal ein Drittel.

Lehrerinnen und Lehrer in diesem Vertretungspool helfen zwei Jahre lang als „Feuerwehr“ immer da aus, wo Kollegen ausfallen, danach wechseln sie fest an eine Schule. „Da lernt man in zwei Jahren an die 20 Schulen kennen und gewinnt einen riesigen Überblick“, sagt Jörg Funk. „Für viele junge Lehrer ist das aber offenbar nicht so attraktiv.“

„Natürlich ist die Situation vor Ort nicht immer so, wie wir es uns im Sinne einer bestmöglichen Förderung aller Kinder wünschen“, bilanzieren die Schulräte. Und der Personalengpass dürfte sich bis 2025 sogar noch verschärfen.

Die Schülerzahlen steigen entgegen allen Voraussagen, eine ganze Anzahl von Pädagogen geht in den nächsten Jahren in den Ruhestand, und nicht so viele Studierende wie erwartet absolvieren tatsächlich die zweite Ausbildungsphase als Lehrer. „Das wird schwierig, aber es wird uns nicht kalt erwischen“, sagt Jörg Funk einigermaßen hoffnungsvoll.

Bereits seit Jahren bemüht man sich um jede noch so kleine Verbesserung im Personaltableau. Manche Kollegen, die in Teilzeit arbeiten, seien bereit, ihre Stundenzahl aufzustocken, berichtet Beatrix Wollgarten. „Und manche arbeiten auch einige Stunden in ihrer Elternzeit.“

Kleine Schulen stehen gut da

Und noch eine gute Nachricht: Alle kleinen Grundschulen in der Städteregion, die bei sinkenden Schülerzahlen schnell in die Gefahrenzone geraten, stehen gut da. „Die Entwicklung ist überall stabil bis ansteigend“, betont Petra von Jakubowski.

Stichwort Schulentwicklung: Im Team wollen die drei Schulräte die Schulen bei ihrer Qualitätsentwicklung unterstützen. Das Mega-Thema Digitalisierung nimmt da aktuell großen Raum ein. „Mit dem Euregionalen Medienzentrum haben wir da glücklicherweise einen tollen Kooperationspartner“, sagt Jörg Funk. „Viele Grundschulen haben auch bereits Medienkonzepte erstellt.“ Er sieht jetzt die Schulträger gefragt, die ihre Schulen für das digitale Lernen ausrüsten müssen.

Schulen sollen über den eigenen Tellerrand schauen und voneinander lernen. Impulse dafür soll Anfang November die Veranstaltung „Medienroute“ mit vielen guten Beispielen aus der digitalen Praxis geben. Denn diese Beispiele gibt es durchaus.

Dass in Aachen keine Primarschullehrer ausgebildet werden, das erwähnen die Schulräte übrigens nicht einfach so. „Unsere Vision ist es, dass die Aachener Hochschule für das Grundschullehramt ausbildet“, versichert Beatrix Wollgarten. „Wir wünschen uns das.“ Für die Aachener Region, sind sie und ihre Kollegen einig, wäre das eindeutig ein Gewinn. „Und nicht nur für unsere Grundschulen.“

 

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