Gut Melaten: Gesellschaft sorgt sich um die Zukunft

Von: kaa
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Still ist es geworden auf Gut Melaten: Die Gärtner der RWTH Aachen haben vor zwei Wochen die Schuppen geräumt, die letzten Mieter sind bereits seit Anfang des Jahres ausgezogen. Durch das Kopfsteinplaster auf dem Innenhof sprießt das Unkraut, in den Rabatten steht es bereits meterhoch, die Farbe blättert von den Türen ab.

Was auf Spaziergänger wie ein romantischer Dornröschenschlaf wirken mag, treibt Manfred Breuer, Helmut Vondenhoff und Andreas Prescher von der Aachener Melatengesellschaft die Sorgenfalten ins Gesicht.

Nach dem Rückzug der RWTH steht der alte Hof, der im Besitz des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW ist, leer. Es gibt Gerüchte, angeblich interessiert sich die Uniklinik für den Hof, aber „nichts ist in trockenen Tüchern“, sagt Manfred Breuer. „Wir machen uns Sorgen um die Zukunft des Hofs. Und wir fragen uns, was Vertreter aus Rat und Verwaltung der Stadt dazu sagen.“ Denn eines ist für die drei sicher: Eine schnelle Lösung muss her. „Wenn so eine Anlage leersteht, verfällt sie sehr schnell“, so Breuer. Außerdem locken leerstehende Gebäude Vandalen an, nicht auszudenken wäre der Schaden an diesem für die Stadt Aachen wichtigen Kulturdenkmal.

2008 gründete sich die Aachener Melatengesellschaft mit dem Ziel, die Geschichte des ehemaligen mittelalterlichen Leprosoriums aufzuarbeiten und sich für die Pflege und Erhaltung des Boden- und Baudenkmals einzusetzen. Auf Betrieben der Gesellschaft wurde vor zwei Jahren der Friedhof neben der alten Kapelle in einen würdigen Zustand versetzt. Infotafeln verweisen auf die Geschichte des Hofes, der als Aachener Leprastation erstmals 1230 urkundlich erwähnt wird.

Über 300 Jahre lang war das Gut mit einer Melatenkapelle und eigener Wasserversorgung die Anlaufstation für die Leprakranken der Stadt. „Das Leprosorium hatte sogar Verbindungen bis Lüttich, denn die Aachener Lepraverdächtigen mussten sich dort untersuchen lassen,“ erzählt Manfred Breuer.

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Leprastation in einen Pachthof umgewandelt, dessen Erträge das Aachener Spitalwesen unterstützten. Seit Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts ist das Gut Eigentum des Landes NRW, Mitte der 70er Jahre übernahmen die Gärtner der RWTH das Gelände, ein Teil wurde als Wohnraum vermietet. Außerdem stand das Gut für Veranstaltungen offen „Viele Hochzeiten wurden hier gefeiert“, erzählt Helmut Vondenhoff.

Ideen, was sich aus dem Hof machen ließe, haben die drei viele, beispielsweise, wie schon einmal von der RWTH geplant, ein Begegnungszentrum, für den Stadtteil Laurensberg oder die angrenzende Hörn. Denkbar wäre auch eine Nutzung nach dem Vorbild ähnlicher Anwesen wie Gut Hebscheid, das seit 2005 im Besicht der Wabe e.V. Diakonisches Netzwerk Aachen ist, oder die Welsche Mühle in Haaren, die der Stadt gehört. Das Gut selbst zu übernehmen, dafür fehlen dem Verein die Mittel.

Die Kosten sind es wohl auch, mutmaßt Helmut Vondenhoff, die Interessenten abschrecken, zumal die Landesmittel für den Denkmalschutz gekürzt wurden. Und so kämpft die Gesellschaft mit ihren bescheidenen Mitteln, knüpft Kontakte in die Politik, unter anderem auch zum SPD-Landtagsabgeordneten Karl Schultheiss. Vom zukünftigen Investor wünschen sich die drei, dass die Melatengesellschaft in das Nutzungskonzept mit einbezogen würde. „Ein Raum, in dem wir die Geschichte des Hofs präsentieren könnten, wäre ideal,“ so Helmut Vondenhoff.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert