Aachen - Gut Kullen: Kleine Manager mit großen Ideen am Start

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Gut Kullen: Kleine Manager mit großen Ideen am Start

Von: Julia Gröbbels
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Die berühmte ruhige Kugel wird hier selten geschoben: Beim Kickern mit Annette Abt in der Offenen Tür Gut Kullen beweisen natürlich auch die Mädchen Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und Gemeinschaftssinn. Oft entwickeln die Jugendlichen aber auch ganz eigene Spiele. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Stolz wie Oskar hält die zwölfjährige Isabel ihren selbst gemachten Ausweis hoch, den sie – immer wenn sie in die OT Gut Kullen kommt – an einem Band um den Hals trägt. „Seit zwei Jahren bin ich die Managerin des Kinderraumes. Das macht mir großen Spaß, weil ich so mitbestimmen darf, wie der Raum dekoriert wird“, erklärt sie. So wurden vor kurzem erst Hängesitze angeschafft, in denen sich die Kinder und Jugendlichen vom häufig sehr stressigen Schulalltag erholen können.

„Insgesamt haben wir zehn Manager, die sich alle um einen bestimmten Raum oder eine bestimmte Aufgabe kümmern“, erzählt Uli Grande, Leiter der Offenen Tür Gut Kullen. Ihm liegt ganz besonders am Herzen, dass die Kinder schon frühzeitig lernen, Verantwortung zu übernehmen.

So kümmert sich die Blumen-Managerin um das Gießen der Blumen, während der Lego-Manager darauf achtet, dass die Bausteine nach dem Spielen auch wieder aufgeräumt werden. „Die Kinder kommen von sich aus auf uns zu, weil sie mehr Verantwortung übernehmen wollen. Im Gegenzug dürfen sie beispielsweise bei Fragen der Raumgestaltung mitentscheiden. Durch einen Ausweis mit Lichtbild werden sie zusätzlich aufgewertet“, so Grande.

Die OT Gut Kullen liegt im Aachener Westen nahe der holländischen Grenze und bietet etwa 250 Kindern und Jugendlichen jeder sozialen oder nationalen Herkunft wöchentlich eine Anlaufstelle. Träger ist die evangelische Kirchengemeinde Aachen. „Ein wichtiger Schwerpunkt unserer pädagogischen Tätigkeit ist die Beziehungsarbeit. Wir haben immer ein offenes Ohr für die Probleme der Kinder und Jugendlichen“, sagt Grande.

Mit Klischees wird aufgeräumt

Neben der Beziehungsarbeit spielt aber auch die Wertevermittlung eine wichtige Rolle in der OT. So wurden vor einigen Jahren ein Mädchen- und ein Jungenraum eingerichtet, um den besonderen Bedürfnissen beider Geschlechter gerecht zu werden und um mit alten Klischees aufzuräumen. „Im Rahmen der Jungenarbeit wurden zum Beispiel schon Nähkurse und ein Wickelkurs sowie ein Hauswirtschaftskurs angeboten. Jeden Donnerstag findet ein Mädchencafé statt, bei dem Themen behandelt werden, die die Mädchen selbst vorschlagen können“, so Grande.

Ein weiteres Projekt, das im Rahmen dieses „Gender-Ansatzes“ stattfindet, ist der Bau eines eigenen Modellflugzeuges, an dem insgesamt sechs Mädchen und ein Junge beteiligt waren. „Uns ist es wichtig, dass Mädchen auch eine Chance haben, Berufe kennenzulernen, die eigentlich Männerdomänen sind“, sagt Grande.

Die 13-jährige Laura ist eine von ihnen. Sie freut sich schon sehr darauf, das motorbetriebene Flugzeug nach zweijähriger Bauzeit (mit Unterstützung eines Luft- und Raumfahrt-Studenten der FH) am 20. März der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Das in der OT Gut Kullen auch musische sowie kreative Förderung groß geschrieben wird zeigt das Projekt „Jobs für Bildung“. Im Rahmen dieses Projektes wird Kindern kostenfreier Gitarren- und Schlagzeugunterricht angeboten. Als Gegenleistung müssen sie kleine Jobs im Haus übernehmen. „Ich komme jeden Mittwoch hierher und nehme Gitarrenunterricht. Irgendwann möchte ich auch selbst mal auf einer großen Bühne stehen. Dafür helfe ich in der Küche oder räume die Spülmaschine aus“, sagt die neunjährige Nicole.

Ein weiteres Beispiel für die Kreativitätsförderung ist das Hörspiel „Rache am Teufel“. „Den Titel haben sich die Kinder selbst überlegt“, berichtet Grande. Im Rahmen einer Geschichten-AG hat er den Kindern einen Krimi erzählt, der in Los Angeles spielt. Der Krimi wurde schließlich gemeinsam zu einem Skript verarbeitet, damit daraus ein Hörspiel entstehen konnte.

Die 25 Rollen wurden im Tonstudio der Eurojungend gesprochen und die Soundeffekte im Medien- und Kulturzentrum Philipp-Neri-Haus dazu gemischt. Oberbürgermeister Marcel Philipp spricht in dem Hörspiel, das am 19. April vorgestellt wird, übrigens den Bürgermeister von Los Angeles. Außerdem wird im Laufe des Jahres das Umwelt-Lernspiel „Öko-City“ vorgestellt, ein Gesellschaftsspiel, das gemeinsam mit der Umweltfachgruppe (UFG) entwickelt worden ist. Auch an der Kampagne „Klarer Kopf ohne Tropf“, einer Aktion gegen übermäßigen Alkoholkonsum, war die OT Gut Kullen maßgeblich beteiligt.

„Es ist aber immer wieder wichtig zu erwähnen, dass diese breite Angebotspalette ohne unsere Ehrenamtler gar nicht möglich wäre“, betont Erzieherin Annette Abt. „Die Arbeit als Ehrenamtler ist ein super Ausgleich und sie ist auch unglaublich abwechslungsreich“, sagt der 16-jährige Jan, der schon seit drei Jahren als ehrenamtlicher Helfer dabei ist. Auch für Uli Grande ist die Arbeit bei der OT Gut Kullen eher Berufung als Beruf: „Ich arbeite nun schon seit 21 Jahren in dem Beruf und ich freue mich jeden Tag aufs Neue darauf.“

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