Gut Kaisersruh: Neue Chance für Büro-Häuser

Von: Georg Pinzek
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Ein trauriger Anblick: Die Mauerreste von Gut Kaisersruh zerbröckeln seit Jahrzehnten immer weiter. Foto: Georg Pinzek

Aachen/Würselen. Der andauernde Verfall der denkmalgeschützten Mauerreste von Gut Kaisersruh ist an so prominenter Stelle gar nicht zu übersehen. Täglich werden einige Tausende Zeugen davon. Jene Passanten eben, die pro Tag die Bundesstraße 57 an der Stadtgrenze von Würselen nach Aachen passieren – oder retour.

Die markante Ruine prägt das Entrée an einer der meistbefahrenen Straßen im Norden der Städteregion. Die maroden Wände und Giebel der einst herrschaftlichen Villa werden von mächtigen Stahlträgern gestützt. Von Zeit zu Zeit wird das wuchernde Grün zurückgeschnitten. Der Blick wird freigegeben auf die Ruine im Dornröschenschlaf.

Einen hoffnungsfrohen Anlauf zum Wiederaufbau und zur Erweiterung von Gut Kaisersruh hatte im September 2002 der Geschäftsführer der Gut Kaisersruh GmbH, Jürgen Dechamps, genommen. Damals verkündete er zuversichtlich: „Kaisersruh wird wieder eine feine Adresse!“

Der Baugenehmigung für ein schickes, modernes Bürohaus hinter der klassizistischen Herrenhaus-Fassade stand nichts mehr im Wege. Im vierten Quartal 2003 sollten die Gebäude bezugsfertig sein. So der Plan. Doch das Interesse an dem 3,5-Millionen-Euro-Projekt blieb aus. „Schade und für mich auch nicht verständlich“, sagt Jürgen Dechamps auf Nachfrage unserer Zeitung. Dass die Vermarktung des Konzepts für repräsentativen Büroraum in guter Lage sich als so „wahnsinnig schwierig“ erweist, damit hatte der Geschäftsführer der Gut Kaisersruh GmbH jedoch nicht gerechnet.

Jetzt kündigte er an: „In Kürze einen weiteren Anlauf außerhalb von Aachen in einem weiteren Umfeld zu versuchen.“ Viele Gespräche habe er in den vergangenen Jahren in der Kaiserstadt und der Aachener Städteregion geführt, um das Projekt voranzutreiben. „Wobei ich das mangelnde Interesse nicht verstehe. Einen besseren Standort beispielsweise für Unternehmen, die auch in den Niederlanden operieren, gibt es gar nicht,“ sagt Dechamps, der weiterhin davon überzeugt ist, dass die attraktive Lage mit dem so naheliegenden Autobahnanschluss für Büros seinesgleichen in Aachen und Würselen sucht. Potenzielle Mieter oder Käufer der geplanten 13 Büroeinheiten fanden sich nicht. „Es lässt sich daraus etwas so Schönes machen“, nimmt Dechamps Bezug auf die bestehende Planung.

So lange Gut Kaisersruh insgesamt unter Denkmalschutz stand, mussten auch die inneren Mauern wieder aufgebaut werden. Nachdem die Immobilie, die bereits in den 1990er Jahren vergeblich vom Aachener Projektentwickler Manfred Dick in ein Kreativbüro umgewandelt werden sollte, immer weiter verfallen war, lenkten die Denkmalschutzbehörden ein.

2350 Quadratmeter Nutzfläche

Dem Architekten war erst ab 2002 erlaubt, das Treppenhaus zu verlegen. Hinter der wieder aufgebauten Hülle des Guts hatten die Planer einen kompletten Neubau vorgesehen mit vier anstelle von seinerzeit drei Ebenen. Auch hinter den Resten des Mauerwerks des benachbarten Kutscherhauses sollte ein Neubau mit funktional einteilbaren Büroflächen entstehen. Insgesamt sollte eine Nutzfläche von rund 2350 Quadratmetern entstehen.

Mit 90 Stellflächen sollte zudem ausreichend Parkraum zur Verfügung gestellt werden. Der bereits vorhandene Parkplatz im Schatten der Ruine wird unterdessen stark von Besuchern des nahe gelegenen Wurmtals frequentiert. Wer weiß, wie lange auch sie noch Zeugen des Verfalls von Gut Kaisersruh bleiben?

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