Gut gezockt: 181.000 Euro für den Dom

Von: Stephan Mohne
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Freut sich auf die 25. Auflage des „Dieter-Schulte-Gedächtnisturniers“: (von links) Elena Schulte, Ralf Kollek, Jochen Schulte, Hauptmann Ralf Driever und Bernd Uhr stecken mitten in den Vorbereitungen für die Jubiläumsausgabe. Bisher kamen 181 000 Euro für ie Sabnierung des Aachener Doms zusammen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Skatbrüder trafen sich am Knipp oder auch am Chorusberg. Und während sie so manchen Grand droschen, kam ihnen eines Tages eine Idee. Warum eigentlich nicht ein paar Freunde des gepflegten Kartenspiels einladen, sie um Spenden bitten und den Topf am Ende für die Sanierung des Aachener Doms überweisen?

Es waren unter anderem Dieter Schulte, Wilhelm Stein, Werner Fuchs, Manfred Kirch und Egidius Braun, die fortan an dem bastelten, was über die Jahre zu einer überaus erfolgreichen Benefizaktion wurde. Aber das konnten sie damals natürlich noch nicht ahnen. Auch nicht, dass bei der Zockerei bis auf den heutigen Tage sage und schreibe 181.000 Euro für den Dom zusammengekommen sind.

„Skat-Turnier für den Hohen Dom zu Aachen“ nannten sie das Ganze. Das allererste Turnier bezeichneten sie als „Pilotversuch für zukünftige ähnliche gesellige Begegnungen“. So steht es tatsächlich in der Einladung zur Premiere. Die Feuertaufe fand schließlich am 21. Dezember des Jahres 1992 statt. Rund zwei Monate zuvor war Egidius Braun zum Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes avanciert. Ort des Geschehens war ein Kantinenraum der damaligen Gallwitz-Kaserne (heute Leo-Löwenstein-Kaserne).

OB und Dompropst Schirmherren

Wegen der guten Kontakte zur Bundeswehr war dies so gekommen. Und die Bundeswehr übernahm von Anfang an die Bewirtung und Betreuung der Gäste. Das ist bis heute so geblieben. Zum Turnier kamen um die 70 Skatfreunde, wobei von Anfang an auch geknobelt wurde. Seit langem ist zudem Doppelkopf im Programm. Die Schirmherrschaft übenahmen damals OB Jürgen Linden und Dompropst Hans Müllejans, den man ohnehin den „begnadeten Bettler für den den Dom“ nannte. Wobei sich manch treuer Teilnehmer – und davon gibt es einige – noch an Szenen erinnert, wo der Dompropst einen unschlagbaren „Grand mit Vieren“ ebenso auf der Hand hatte wie am Ende noch zwei Karten mehr als die Gegner. Will sagen: Er hatte vergessen zu „drücken“, was beim Skat gleichbedeutend mit dem Verlust des Spiels ist – ein Super-Gau für jeden Skatspieler.

Der „Domskat“, wie man schließlich verkürzend sagte, fand fortan jedes Jahr statt. 1998 starb mit Dieter Schulte der Kopf des Projektes – kurz vor dem Turnier dieses Jahres. Umgehend übernahm sein Sohn Jochen die organisatorische Leitung. Dieses Ehrenamt hat er bis heute nicht aufgegeben. Und in diesem Jahr können die Verantwortlichen auch eine Flasche Sekt köpfen. Denn das „Dieter-Schulte-Gedächtnisturnier“, so der jetzige Name, findet in wenigen Tagen zum 25. Mal statt. Die Veranstaltung ist ein ganzes Stück größer, als sie es anfangs war. Jetzt kommen stets deutlich über 100 Teilnehmer. Dieser Zuwachs bedingte vor Jahren auch den Umzug der Veranstaltung, die nun immer im Offizierscasino „Gut Neuhaus“ an Forster Linde stattfindet.

Natürlich stellt Jochen Schulte dieses Event nicht alleine auf die Beine. Es gibt vielmehr ein eingespieltes Organisationsteam. Immer mit dabei ist Elena Schulte, die die Teilnehmerliste führt. Ralf Kollek sorgt seit vielen Jahren dafür, dass technisch alles reibungslos abläuft. Als „Teilnehmer der ersten Stunde“ hilft Bernd Uhr mit und die Bundeswehr wird derzeit durch Hauptmann Ralf Driever vertreten. Unter anderem gilt es, haufenweise Geschenke zu akquirieren, die am Abend selbst verlost werden.

Ende nicht absehbar

Eigentlich könnte die ganze Geschichte noch viel größer daherkommen. Aber da wird seit jeher auf die Bremse getreten. Denn mehr als jetzt ist organisatorsich wie räumlich gar nicht machbar. Deswegen ist der „Domskat“ ein reines Einladungsturnier. Im Jubiläumsjahr wird ein ganz besonderer Gast auf reichlich Herausforderer treffen. Denn mit Rolf Schnier ist der amtierende Skat-Weltmeister mit dabei. Vor ihm haben sich auch schon andere Weltklasse-Spielerinnen und -Spieler beim „Domskat“ versucht. Aber der Turniermodus macht es nicht leicht, hier zu gewinnen. Gespielt werden nämlich nur Drei Runden zu je zwölf Spielen – beziehungsweise 16 am Vierertisch. Da braucht man mindestens so viel Kartenglück wie Können.

Ohnehin geht es bei dem Benefizturnier gar nicht ums Gewinnen, auch wenn mancher vielleicht dennoch mit diesem Ziel antritt: „Es geht um die Geselligkeit und darum, an diesem Abend Spaß zu haben“, betont Jochen Schulte. So haben schon manche „Neulinge“ die Befürchtung geäußert, am Tisch unterzugehen – nach dem Motto „Ich kann doch kaum Skat spielen“. Jochen Schulte antwortet in solchen Fällen: „Dann bist Du bei uns genau richtig.“

Ein Ende der Erfolgsgeschichte ist indes – zum Glück für den Dom – nicht abzusehen. Die Macher wollen weitermachen. „Klar denkt man darüber nach, ob man das eine oder andere mal verändern kann. Aber das wird sich alle zeigen“, blickt Schulte in die Zukunft. Erst einmal aber wird in altbewährter Manier gezockt. Und man wird versuchen, den Spendenrekord des Vorjahres von über 9000 Euro noch zu toppen. Schulte: „Mein Traum ist, dass wir die Marke von 10.000 Euro knacken.“ Vielleicht kommt das Jubiläum dazu gerade recht. Der „Pilotversuch für zukünftige ähnliche gesellige Begegnungen“ ist jedenfalls zur Tradition geworden. Dem Skat-Stammtisch von einst sei Dank.

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