Aachen - „Gruselige Vorstellung“ im Theater 99: Schauerliteratur

„Gruselige Vorstellung“ im Theater 99: Schauerliteratur

Von: Julia Gröbbels
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„Das Kabinett des Dr. Tumblety“: Das Horrortheater sorgte beim Aachener Publikum ideenreich für Grusel. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Bereits kurz nachdem die Zuschauer den Aufführungssaal des Theaters 99 über die hinabführende Treppe erreicht hatten, bot sich ihnen ein befremdlicher Anblick. Mitten auf der nur spärlich beleuchteten Bühne ragte ein Galgen empor, an dem sich eine düstere Gestalt mit Sorgfalt und Bedacht zu schaffen machte.

An jedem anderen Ort und unter anderen Umständen hätte eine derartige Szenerie den Zuschauer zumindest beunruhigt. Nicht aber an diesem Abend. Denn am Wochenende gastierte das aus Köln stammende „Horrortheater“ mit der mobilen Produktion „Paris! – Geschichten der französischen Schauerliteratur“ in Aachen und zog das Publikum mit drei schaurigen Geschichten in seinen Bann.

Wer bis dato dachte, die Geschichten vom Phantom der Oper oder Fantomas bereits zu Genüge zu kennen, der wurde an diesem Abend gleich in mehrfacher Hinsicht überrascht. Mit dem selbst konzipierten Stück kratzte das fünfköpfige Ensemble des nach eigenen Angaben einzigen deutschen Horrortheaters nämlich keineswegs an der Oberfläche des Horrors, sondern erzählte mit großer Selbstironie die bislang weitgehend unbekannten Hintergrundgeschichten bekannter Protagonisten der französischen Schauerliteratur.

Auch das im Vorfeld gegebene Versprechen des Regisseurs Gordon L. Schmitz, nicht auf blutige Szenen zu verzichten, wurde eingehalten – wenn auch nicht auf eine Art und Weise, die beim Zuschauer Angst oder gar Ekel hervorgerufen hätte. Im Gegenteil: Die Geschichten von Marcel Proust, Fantomas und dem Phantom der Oper wurden auf völlig neue und Art und Weise erzählt. Nicht das profane „Angsteinjagen“, Schocken und das Erzeugen von Ekel standen an diesem Abend im Vordergrund. Vielmehr war es das gemeinsame Ansinnen von Regisseur und Darstellern, mit Witz, Ironie und Charme die Essenzen dreier weltweit bekannt gewordener, aber in ihrem Detailreichtum wiederum nicht geläufigen Schauergeschichten herauszuarbeiten.

Auch wenn ausverkaufte Aufführungen sowie diverse Fernseh-Auftritte ohnehin schon für die Erfolgsgeschichte des Horrortheaters mit Wurzeln in Köln sprechen, freute sich Schmitz ganz besonders über das Engagement in Aachen. „Wir haben bereits im Vorfeld viele positive Rückmeldungen und großes Interesse von Aachenern erhalten, deshalb freuten wir uns umso mehr auf das Aachener Publikum“, so Schmitz.

Und so war es für alle Liebhaber französischer Schauergeschichten ein einzigartiger Abend, der so schnell nicht wieder kommt. Wer das Horrortheater live erleben möchte, der darf in Zukunft auch eine Reise nach Hamburg nicht scheuen. Denn ab diesem Sommer wird sich das Ensemble als „Hamburger Horrortheater“ in der Hansestadt niederlassen.

Umso begeisterter waren diejenigen, die beim vorerst letzten Auftritt des Horrortheaters in Aachen dem gepflegten Grusel frönen konnten.

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