Aachen - Grundschule Michaelsbergstraße: „Das geht völlig am Bedarf vorbei“

Grundschule Michaelsbergstraße: „Das geht völlig am Bedarf vorbei“

Von: Stephan Mohne
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Hier soll die Grundschule Michaelsbergstraße einen dringend benötigten Anbau erhalten. Foto: Ralf Roeger
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Doch die Pläne der Stadt (kleines Bild) gehen nach Ansicht unter anderem der Eltern völlig am Bedarf vorbei. Über den Schulräumen will die Stadt dann auch noch Wohnungen bauen lassen. Foto: Ralf Roeger/Skizze: Stadt Aachen

Aachen. Auf 75 Kinder ist der offene Ganztagsbetrieb der Grundschule an der Michaelsbergstraße in Burtscheid ausgerichtet. Blanke Theorie. Denn tatsächlich werden 189 der 201 Schüler dort nachmittags betreut. Doch dafür reichen die vorhandenen Räume in keinster Weise aus, auch wenn man sogar zwei zusätzliche in der Nachbarschaft angemietet hat.

Es liegt auf der Hand: Ein Anbau für die OGS nebst obligatorischer Mensa muss dringend her. Das sieht man auch bei der Stadt so, wie man einer Vorlage für den Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss entnimmt. Bereits am Dienstag soll dieser die Maßnahme auf den Weg bringen. Und zwar dergestalt, dass die Verwaltung den Auftrag erhält, bereits vorliegende Grobplanungen zu konkretisieren.

Das sorgt an der Schule für absolute Alarmstimmung. Wie Schulpflegschaftsvorsitzender Nico Dreher sagt, werde man hier vor vollendete Tatsachen gestellt: „Niemand hat im Vorfeld mit der Elternschaft über diese Pläne gesprochen. Das kommt für uns alle völlig überraschend.“ Nico Dreher und seine Mitstreiter schauten sie sich dann im Ratsinformationssystem der Stadt an. Und waren entsetzt. „Das geht völlig am Bedarf vorbei“, ärgert sich der Elternvertreter.

Geplant ist ein Neubau zur Michaelsbergstraße hin. Auf zwei Etagen soll es dort einen Multifunktionsgroßraum, der auch als Mensa genutzt werden soll, geben. „Durch Umorganisation im Bestand sowie die Erweiterung um einen multifunktionalen Großraum soll die akute Raumnot schnellstmöglich entspannt werden“, heißt es seitens der Stadt. Insgesamt 130 Quadratmeter sollen die Flächen haben. „Das wäre sogar noch weniger als wir jetzt mit den beiden gemieteten Räumen haben, die auf 140 Quadratmeter kommen“, so Dreher.

Auch der vorgesehene Standort ist der Schule ein Dorn im Auge. Denn der gehe zu Lasten der Schulhofflächen. Laut Stadt ist das jedoch die einzige Möglichkeit. Was die Elternvertreter, die am Wochenende alle Eltern per Rundbrief über die Situation informieren wollen, bezweifeln. Ein Anbau könne auch im Bereich eines überdachten Pausenhofs im hinteren Teil des Grundstücks nahe der Turnhalle möglich sein. Von Anwohnern habe man erfahren, dass dort früher sogar schon einmal ein Gebäude stand, Fundamente mithin schon vorhanden sein müssten. Das will man nun näher recherchieren.

Und dann ist da noch ein – vorsichtig gesagt – ziemlich merkwürdiger Aspekt. Die Stadt plant nämlich, auf die zwei Geschosse der OGS noch mehrere Geschosse Wohnungen insbesondere für öffentlich geförderten Wohnungsbau zu pflanzen. Laut der Vorlage könnten so 450 Quadratmeter Wohnfläche entstehen.

Für Bau und Vermietung der Wohnungen ist die Gewoge auserkoren worden. Und weil das Ganze aus einer Hand besser gehe, soll die städtische Wohnungsgesellschaft gleich den gesamten Neubau verantworten. An der Schule gibt es jedoch die Befürchtung, dass sich die Schul- und die Wohnnutzung nicht miteinander vertragen, etwa in Form von ständigen Beschwerden über Kinderlärm.

Zudem werde so die Möglichkeit verbaut, weitere Schulräume zu errichten, die im Grunde jetzt schon dringend benötigt würden. Die Schülerzahl an der Michaelsbergstraße sei nämlich in den vergangenen Jahren kontinuierlich geklettert – von 188 im Jahr 2012 auf aktuell besagte 201.

An der Schule hofft man nun, dass eine Entscheidung nicht übers Knie gebrochen wird, sondern dass man erstmal miteinander ins Gespräch kommt und über den Bedarf redet. Am Sonntag will man sich in der Schule – wie bereits am Freitag – erneut zu einem Krisengespräch treffen und auch über Protestaktionen nachdenken. Auch das muss schnell gehen, wenn das Ganze bis zur Ausschusssitzung am Dienstag noch vorläufig gestoppt werden soll.

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