Aachen - Grundschule Driescher Hof: Drei Anträge, drei Absagen, ein Traum

Grundschule Driescher Hof: Drei Anträge, drei Absagen, ein Traum

Von: Thorsten Karbach
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Intensiv fördern und fordern: Unterricht an der Grundschule Driescher Hof. Der findet „nur” vormittags statt, ein Antrag auf „echten Ganztag” wurde - wie auch die „Starterklasse” - abgelehnt. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Aufgeben kommt für Andreas Biener überhaupt nicht in Frage. Auch wenn der Frust mit jeder Absage steigt. Logisch. Doch Schulleiter Biener ist ein Kämpfer - er kämpft mit seinen Lehrer für die Kinder der GGS Driescher Hof.

Dafür haben sie an der Grundschule neue Wege gesucht, doch keinen dürfen sie gehen. 2003 und 2005 haben sie Anträge gestellt, „echte” Ganztagsschule zu werden. Also den Unterricht auf den gesamten Tag verteilen zu können. Das hat die Landesregierung abgelehnt und die Offenen Ganztagsschule (OGS) auf den Weg gebracht. Vormittags ist dabei Unterricht, nachmittags sind sportliche und kreative Angebote.

Als die echte Ganztagsschule nicht mehr erreichbar schien, entwickelten sie in Driescher Hof die Idee von der „Starterklasse”. Als Versuchsschule wollten sie Fünfjährige aufnehmen, sie fördern und fordern und einen flexiblen Übergang in das erste Schuljahr ermöglichen. Doch auch hier sagten Bezirks- und Landesregierung „Nein”.

Das Modell wollte man nicht finanzieren, und Andreas Biener sitzt nun in seinem Büro, den fast 20 Seiten dicken Antrag vor sich auf dem Tisch, und sagt: „Wir haben neue Wege aufgezeigt, die man politisch nicht mitgehen will. Das ist schade.” An der Idee der Starterklasse wollen Biener und seine Lehrer aber festhalten. Wenn der Pavillon hinter dem Schulgebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt ist, wird man einen neuen Versuch wagen.

Es ist kein einfaches Umfeld hier in Driescher Hof. Die Arbeitslosenquote ist über dem städtischen Durchschnitt. Viele Kinder werden mit Hartz IV groß. Die Eltern haben andere Sorgen als die Hausaufgaben ihrer Kinder. Wenn jedes Jahr die Stadt die Übergangsquoten von den Grundschulen auf die weiterführenden Schulen veröffentlicht, dann sind die Zahlen in Driescher Hof wenn es Richtung Gymnasium geht meist geringer als anderswo.

„Nur” 8,7 Prozent der Kinder wechselten im letzten Jahr zu einem Gymnasium. Doch das sind für Schulleiter Biener nur „nackte Zahlen”. Keine Statistik zeigt, dass mehr als 90 Prozent seiner ehemaligen Schüler ihren Bildungsweg anschließend sorgenfrei nehmen. „Man muss doch sehen, was mit Schülern passiert, die aufs Gymnasium gehen. Ist es kindgerecht, wenn Kinder schon im fünften Schuljahr Nachhilfe nehmen müssen?” fragt Biener. In der Tat: Die Zahl der Rückläufer auf Real- und Hauptschulen wächst. „Wir schicken nur die Kinder aufs Gymnasium, bei denen auch das Elternhaus die Kinder unterstützen kann”, sagt Biener.

240 Kinder besuchen derzeit die Grundschule in Driescher Hof, als er vor 16 Jahren von der Hauptschule Kronenberg an die Grundschule Driescher Hof wechselte, waren es mehr als 400. Damals sollte er den „echten Ganztag” vorantreiben. „Aber heute will davon niemand mehr etwas wissen”, sagt er. Stattdessen haben sie nun eine OGS mit 83 Teilnehmern und einer Warteliste. 80 Prozent dieser Kinder zahlen keinen Beitrag, weil die Eltern wegen ihres geringen Einkommens befreit sind.

Der Ganztag ist die eine Sache, die Starterklasse die andere. „In Deutschland werden die Kinder zu spät eingeschult”, sagt Biener. Das würde die Starterklasse kompensieren - und natürlich die Chancengleichheit aller Kinder zur Einschulung vergrößern. Doch ohne Geld ist sie nicht einzurichten. „Integration zum Nulltarif ist eine Illusion”, sagt Biener. Der Antrag bleibt auf dem Tisch. Die Starterklasse sei weiterhin ein „Traum”. Aufgeben kennt der Mann nicht.
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