Grüße aus dem Schilderwald oder: Willkommen im Niemandsland

Von: Albrecht Peltzer
Letzte Aktualisierung:
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Die Soers ist hier zu Ende: Danach kommt (fast) gar nichts. Nur ein Pfeil geradeaus. Foto: Jaspers
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Geradeaus geht es nach Brand. Was zwischen Eilendorf und Brand ist, erklärt sich nicht von alleine. Foto: Jaspers

Aachen. Steigen Sie ein, wir drehen ein Ründchen durch Aachen, und durch seine Stadtteile. Also eigentlich nicht alleine durch Aachen, und auch nicht durch die Stadtteile an sich, es geht eigentlich um etwas ganz besonderes – um eine Reise ins Niemandsland.

Und von dem liegt in Aachen eine ganze Menge herum. Einfach so, ungefragt – und von den meisten Menschen auch noch nicht einmal bemerkt. Schilda, pardon Schilder machen es möglich. Oder nötig. Oder beides. Je nachdem.

Anschnallen bitte, wir beginnen unsere Tour in Laurensberg, genauer: Tittardsfeld. Dieses kleine Sträßchen mündet in die große Roermonder Straße. Ein gelbes Schild mit schwarzer Schrift links auf dem Bürgersteig lehrt uns: Laurensberg ist hier zu Ende – daher ist der Name rot durchgestrichen – rechts herum geht es nach Richterich – Entfernung ein Kilometer.

Und links herum? Tja, wer weiß? Wo also liegt dieses Stück Roermonder Straße, wenn rechts der benachbarte Stadtteil Richterich erst in einem Kilometer beginnt und links herum uns erst nach rund 200 Metern ein Schild auf der Roermonder Straße darauf hinweist, dass wir – hurra – wieder in Laurensberg sind. Da ist es, das Niemandsland! Nicht Laurensberg, nicht Richterich, folglich auch nicht Aachen, weil Laurensberg und Richterich ja in Aachen liegen – aber weit und breit kein Schild darauf hinweist, dass wir in Aachen sind. Alles klar?

Nun glauben Sie nicht, dass es sich hier um einen planungstechnischen Fehler handelt. Dass vielleicht irgendein Mensch den Wald vor lauter Schildern nicht gesehen hat. Nein, der Blödsinn hat Methode, und die ist sogar ganz offiziell abgesegnet. Dazu später mehr.

Durchs Niemandsland also fahren wir – ziemlich verunsichert angesichts der Frage, welche Rechte und Gesetze denn hier wohl gelten – weiter durchs Städtchen (oder auch nicht?), bei dem uns zwischendurch immer mal wieder scheinbar völlig unmotiviert per Schild signalisiert wird, dass Aachen gerade endet, um ein paar Meter weiter plötzlich wieder anzufangen.

Wir kommen in die Soers, von der der WDR bei seinen Übertragungen vom „Schio“ übrigens der Meinung ist, dass es sich bei „der Soers“ um das Stadion des ALRV handelt. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Soers ist bekanntermaßen kein Stadtbezirk von Aachen, nur ein Teil davon. Ein Flecken Laurensberg und ein Fleckchen Stadt Aachen (genauer: Bezirk Stadtmitte) sozusagen.

Natürlich weist uns ein Schild darauf hin, dass wir die Soers entern – schwarze Schrift auf gelbem Feld. Und natürlich gibt es wenig später auch wieder ein Schild, dass Schluss ist mit Soers. Weil der Flecken ja begrenzt ist. Und dann? Halten Sie sich fest! Es folgt – nichts!!! Noch nicht einmal Niemandsland zwischen zwei Stadtteilen, wie eben beschrieben. Es kommt (fast) gar nichts. Nur ein Pfeil geradeaus. Aber wohin???

Wenn wir weiter durch dieses bepfeilte Nichts fahren, kommen wir nach Eilendorf. Ein Stadtbezirk, dem ein eigenes Schild gebührt. Klar. Am Anfang und natürlich am Ende. Bei Letzterem mit rotem Balken versehen und dem Hinweis, dass es geradeaus nach Brand geht. Entfernung: zwei Kilometer. Auch auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole: Was zwischen Eilendorf und Brand ist, erklärt sich nicht von alleine. Auch nicht, warum in diesem Fall der Hinweis „Brand 2 Kilometer“ auf weißem statt auf gelbem Grund steht. Beruhigend ist, dass auch Eilendorfer Ortsausgangsschilder ganz in gelb gehalten sind. Die weisen dann – siehe Soers – per Pfeil auf gelbem Grund ohne Schrift darauf hin, dass auch Eilendorf den Weg ins Nichts kennt. Schöne Grüße aus der Soers.

Wir sprachen über die Methode. Ein Ortsschild, so lesen wir im Netz-Lexikon, „bezeichnet den Beginn oder das Ende einer Ortschaft und ist meistens an ein- und ausfallenden Straßen des Ortsgebiets aufgestellt“. Tittardsfeld! Ausfallend. Wie originell! Das Ganze hat auch mit der kommunalen Neugliederung in den 70er Jahren zu tun. Da wollte man nicht, dass die Namen der ehemals selbstständigen und jetzt eingemeindeten Orte ganz aus dem Bewusstsein verschwinden. Aha. Daher also „Soers“, diese historische Gemeinde“ – bei Wikipedia steht übrigens für Soers „Feuchtgebiet“! Daher der Verweis, dass man ins „Nichts“ fährt. Nichts, Ortsteil seit 1972? Daher also auch der geografische Spagat zwischen Laurensberg und Richterich.

So, das war‘s. Aussteigen bitte. Ich selbst bin dann mal weg. Ins Niemandsland. Oder ins Nichts. Oder in die „Bundesligastadt Aachen“. Die gab‘s auch mal. Auf Schild und in echt. Zumindest das hat sich der Öcher in Schwarz-Gelb gefallen lassen. Lang ist es her...

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