Grünes Licht: Politischer Rückenwind für riesige Rotoren

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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Feuer und Flamme für die Windkraft: Im Münsterwald an der Grenze zu Roetgen will die Stawag einen großen Windpark errichten. Für einen entsprechenden Gestattungsvertrag mit der Stadt hat die Politik im Liegenschaftsausschuss grünes Licht gegeben. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Im benachbarten Roetgen hat das Projekt schon einigen politischen Wirbel entfacht, in Aachen erfährt es nun kräftigen Rückenwind. Denn für einen großen Windpark im Münsterwald sind nun erstmals Nägel mit Köpfen gemacht worden.

In nichtöffentlicher Sitzung hat der städtische Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss grünes Licht dafür gegeben, dass die Stadt für das Areal im äußersten Süden Aachens - gleich neben der „Himmelsleiter” und direkt an der Grenze zur Nachbargemeinde Roetgen gelegen - einen sogenannten Gestattungsvertrag mit der Stawag abschließt.

Der Leiter des städtischen Presseamts, Hans Poth, bestätigt dies auf Anfrage. Genaue Angaben über den Umfang des Geschäfts will die Stadt jedoch (noch) nicht machen. Doch werde der Kontrakt, der einem normalen Pachtvertrag nicht unähnlich ist, „zu marktüblichen Konditionen” geschlossen, so Poth.

Stadt will Geld einnehmen

Zum Hintergrund: Insgesamt will die Stadt mit der Vermarktung von Windenergieflächen - weitere potenzielle Areale liegen im Aachener Norden nahe der niederländischen Grenze - pro Jahr rund 200.000 Euro einnehmen.

Auch die Stawag hüllt sich noch in Schweigen. „Wir wollen erst einmal die entscheidende Sitzung des Aachener Stadtrats abwarten, bis wir nähere Details zu unseren Plänen bekanntgeben”, erklärt Stawag-Sprecherin Eva Wußing.

Klar ist aber bereits, dass das Areal im Münsterwald einiges an Potenzial bergen könnte, zumal es die mit Abstand größte Fläche ist, die auf dem Aachener Stadtgebiet für den Ausbau der Windenergie ins Auge gefasst worden ist: Bis zu zehn große Windräder hätten dort Platz. Jede einzelne Anlage hätte eine Nennleistung von 2,5 bis 3 Megawatt, zusammen könnten sie so fast 25.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgen.

Allerdings sind Anlagen dieser Leistungsstärke auch 160 Meter hoch - zum Vergleich: der Aachener Dom ist gerade einmal 74 Meter hoch, und sogar den Kölner Dom (157 Meter) würden die Rotoren theoretisch noch überragen. Noch ein Vergleich: Die neun Anlagen im Windpark Vetschau sind insgesamt bis zu 100 Meter hoch und haben eine Leistung zwischen 1,5 und 1,8 Megawatt.

Noch nichts entschieden

Kein Wunder, dass die 160-Meter-Anlagen jenseits der Stadtgrenze nicht nur für Freude sorgen, zumal die Roetgener die riesigen Windräder direkt vor der Nase hätten. In der Eifelgemeinde lehnt die FDP das Projekt bislang kategorisch ab, während die Grünen naturgemäß Feuer und Flamme dafür sind. Die übrigen Parteien melden noch Informationsbedarf an.

Das gilt vor allem auch für die Frage, ob sich Roetgen auf dem eigenen Gemeindegebiet an dem Aachener Großprojekt beteiligt. Erste Gespräche hat es dazu bereits auf Verwaltungsebene gegeben. Auch wurde von Aachener Seite ein faunistisches Gutachten, das die Auswirkungen eines Windparks auf die Tierwelt untersucht, auf den Weg gebracht. Die Stawag hat sich indes die Flächen für den „Fall der Fälle” gesichert, denn entschieden ist letztlich noch nicht, ob dort überhaupt ein Windpark entsteht. Unter anderem eine Bürgerbeteiligung steht in dieser Sache noch aus.
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