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Grünes Licht für sieben Windkraftanlagen

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Idyllische Impression: Wie in Vetschau sollen sich bald auch im Münsterwald die Windräder drehen. Die Stadt hat die Genehmigung für sieben knapp 200 Meter hohe 3,3-Megawatt-Anlagen erteilt. Doch das ist wahrscheinlich noch nicht das letzte Wort bei diesem Thema. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die sieben Windkraftanlagen im Münsterwald können gebaut werden. Zumindest theoretisch und nach heutigem Stand. Die Stadt hat jedenfalls dem künftigen Betreiber des Windparks nahe der Himmelsleiter die Genehmigung erteilt. Antragstellerin war die „Stawag Solar GmbH“.

Mehrheitsgesellschafter ist das rheinland-pfälzische Unternehmen „juwi“, die Stawag hält 40 Prozent der Anteile, in kleinem Umfang ist auch der kommunale Herzogenrather Versorger Enwor mit im Boot. Wann der Bau der knapp 200 Meter hohen 3,3-Megawatt-Anlagen an der Grenze zu Roetgen nun beginnen wird, ist allerdings völlig offen. „Dieses Jahr wird dort nichts mehr passieren“, sagt Stawag-Sprecherin Eva Wu-ßing auf Anfrage. Voraussichtlich Anfang 2016 werde man dann Details nennen.

Die Frage ist allerdings, ob überhaupt dort gebaut wird – Genehmigung der Stadt hin oder her. Postwendend kündigte am Donnerstag die Landesarbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt NRW (LNU) – ein Dachverband von über 80 Einzelvereinen – an, den Klageweg zu beschreiten. „Das werden wir umgehend tun. Ein in solchen Themen renommierter Rechtsanwalt ist bereits eingeschaltet“, so Reiner Hülsheger aus Roetgen-Rott von der LNU. An der Seite des LNU stünden auch der NABU und der BUND als weitere große Naturschutzverbände. Wie es der „Zufall“ wolle, hätten Vertreter von „juwi“ – darunter der Projektleiter des Projekts – just für Donnerstag Naturschützer und Mitglieder der Bürgerinitiative „Rettet den Münsterwald“ zum Gespräch eingeladen. Dabei habe es aber keinerlei Annäherung gegeben, so Hülsheger, der betont: „Windkraft ja, aber nicht an diesem Standort.“

Dagegen sprächen unter anderem Naturschutzbelange. Die Gegner des Windparks haben jedoch auch immer ins Feld geführt, dass es im Münsterwald gar nicht genug Wind für einen rentablen Betrieb gebe. Dort werde dann Natur zerstört, ohne dass es einen wirtschaftlichen Nutzen gäbe. Zudem hatten die Gegner immer wieder Verfahrensfehler angeprangert.

Das sieht die Stadt naturgemäß ganz anders. „Den Genehmigungen ging ein komplexes und umfangreiches, förmliches Verwaltungsverfahren voraus, an dem sich viele Einwender in schriftlicher Form und in einem öffentlichen Erörterungstermin im Inda-Gymnasium beteiligt haben“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt von Donnerstag. Und weiter: „Die Antragstellerin hatte umfangreiche Gutachten zu den unterschiedlichsten Umweltthemen erstellt.

Die gesamten Antragsunterlagen einschließlich der Gutachten wurden durch eine Vielzahl von Behörden geprüft.“ Zudem hätten die Behörden „alle Einwendungen und Anregungen gesichtet und auf ihre Bedeutung für das Verfahren geprüft. Auf dieser Grundlage und unter Berücksichtigung der vorliegenden Fakten wurden die Anträge beschieden“. Auf Grundlage der gesetzlichen Bestimmungen habe es „zahlreiche umfangreiche Nebenbestimmungen“ gegeben.

Die Genehmigung der Windenergieanlagen im Münsterwald werde nun per öffentlicher Bekanntmachung in den Tageszeitungen veröffentlicht. Vom 2. bis 15. Dezember liege die Genehmigung an zwei Stellen in der Stadt Aachen sowie in den Gemeinden Roetgen und Raeren öffentlich aus. Die genauen Orte und Öffnungszeiten seien ab 1. Dezember unter anderem auf den Internetseiten der Stadt zu finden.

Eine Veröffentlichung der anderen Art hat es indes am Mittwoch seitens des Energieversorgers „Pfalzwerke“ gegeben. Darin bekundet das Unternehmen, „juwi“ auf 14 Millionen Euro zu verklagen. Besser gesagt klagt die Firma „Pfalzwind“, die 2003 von den „Pfalzwerken“ und „juwi“ gemeinsam als Betreiberfirma für einen Windpark im Saarland gegründet wurde.

Doch die bei der Projektentwicklung von „juwi“ genannten Ertragsprognosen hätten sich schon kurz nach der Inbetriebnahme im Jahr 2010 „als zu optimistisch erwiesen, sodass die Rendite des Windparks deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb“. Also in etwa das Szenario, das die Aachener Gegner ins Feld führen. „juwi“ habe „Pfalzwind“ schließlich eine Rückabwicklungsoption für den Windpark eingeräumt. Davon wollte „Pfalzwind“ nach eigener Aussage letztlich Gebrauch machen, doch „juwi“ habe sich geweigert, die Vereinbarung umzusetzen. Deswegen geht es jetzt vors Gericht.

Bei der Stawag hegt man zumindest offiziell keine Zweifel am Projektpartner „An der Zusammensetzung der Gesellschaft hat sich nichts geändert“, so Eva Wußing. Mit „juwi“ habe man bereits gemeinsam Projekte entwickelt und umgesetzt. Viele davon wird es wohl nicht mehr geben. Bereits vor gut einem Jahr hatte Stawag-Vorstand Christian Becker im Gespräch mit der AZ angekündigt, solche Projekte demnächst alleine durchziehen zu wollen. Man habe sich dafür mittlerweile die nötige Erfahrung angeeignet.

Angesichts der Klage der Naturschützer ist auch in Sachen Münsterwald das letzte Wort noch nicht gesprochen. Es bleibt also weiter spannend.

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