Grüner Plan: Angebot für alkoholkranke Obdachlose

Von: André Schaefer
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Aachen. Im Grunde sollen unter dem Strich beide Seiten davon profitieren: Auf der einen Seite die Betroffenen, auf der anderen Seite die Anwohner. So skizziert sich jedenfalls der Idealfall, den sich die Grünen mit ihrem Ratsantrag auf die Errichtung eines Aufenthaltsangebots für obdachlose Alkoholiker erhoffen.

Man wolle sich für ein niederschwelliges Angebot stark machen, durch das obdachlose Alkoholiker einen Raum erhalten, in dem sie ungestört unter sich Zeit verbringen und Alkohol konsumieren können, meint Lisa Lassay, sozialpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, und fügt hinzu: „Nein, wir wollen nicht einfach das Problem der Alkohol konsumierenden Obdachlosen bei Seite schaffen und in ein geschlossenen Raum stecken. Es geht vielmehr darum, dass sich beispielsweise die Anwohner des Kaiserplatzes nicht weiter durch Lärm und Müll belästigt und teils auch verängstigt fühlen müssen. Darüber hinaus soll in diesem Aufenthaltsort ein Hilfe- und Beratungsangebot existieren“, sagt sie.

Die Idee ist nicht einfach vom Himmel gefallen – schließlich hat sich Lassay in der Vergangenheit in anderen Städten umgesehen. In Kiel und Dortmund traf die Grünen-Sprecherin unter anderem auf Modelle, die als mögliche Vorbilder für Aachen fungieren könnten. So besteht in Kiel bereits seit 2010 ein solcher Raum, die laut Statistik rund 40 bis 70 obdachlose Alkoholiker täglich aufsuchen.

Klare Verhaltensregeln

In einer dort umgebauten alten Kneipe bringen Obdachlose ihren Alkohol selbst mit, um ihn dort zu konsumieren. Klare Verhaltensregeln haben bislang dazu geführt, dass das dortige Angebot ausschließlich positiv bewertet wird: Hochprozentiger Alkohol ist ebenso verboten wie das Konsumieren von illegalen Drogen. Auch Minderjährige haben keinen Zutritt.

Ähnlich stellt sich Lisa Lassay einen möglichen Aufenthaltsort auch in Aachen vor. Wichtig dabei sei, dass die Möglichkeit zur Beratung nicht in den Vordergrund rücke: „Die Lebensgewohnheit der Obdachlosen soll dadurch nicht zwingend verändert werden. Die Alkoholkrankheit wird akzeptiert. Wer jedoch Hilfe sucht, der findet sie dort“, so Lassay.

Antialkoholische Getränke, kleine Snacks und Unterhaltungsmöglichkeiten wie ein Fernseher oder ein Kicker-Tisch könnten dazu beitragen, dass die Obdachlosen diesen Ort gerne ansteuern und sich dort auch wohlfühlen, betont Lassay.

Bevor es jedoch dazu kommt, muss ein passender Ort gefunden werden. Durch den Ratsantrag wird die Verwaltung beauftragt, zu prüfen, wo ein solcher Raum existiert. „Diesen Aufenthaltsort wird es auch nicht zum Nulltarif geben“, weiß Lassay und rechnet mit rund 100 000 Euro an jährlichen Kosten.

Immerhin: An einen Personenkreis von geschätzten 100 bis 200 Obdachlosen aus Aachen würde sich das mögliche Angebot richten.

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