Grüner Glitzer lässt den Opernchor funkeln

Von: Aljona Hartstock
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Sorgt für die richtige Optik auf der Bühne: Maskenbildnerin Kathrin Pavlas vom Theater Aachen bereitet sich und die Sänger auf die Oper Ariodante vor. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Kathrin Pavlas ist in ihrem Element. Sie steht in der Herren-Maske des Theaters und huscht um das Model herum, das auf einem Hocker vor ihr sitzt und in den großen Spiegel schaut. Mit geübten Bewegungen steckt die Chef-Maskenbildnerin die Haare von Aylin Michel hoch und setzt ihr eine Perücke mit neongrünen Strähnchen auf.

Als das Telefon klingelt, klemmt sie es zwischen Kopf und Schulter, um die Hände frei zu haben. Für lange Unterbrechungen hat sie keine Zeit. „So ist Theater eben“, sagt sie später.

An diesem Tag probiert Pavlas zum ersten Mal das Make-up für den Utopie-Chor im neuen Stück am Theater aus – die Oper „Ariodante“ von Georg Friedrich Händel. Am Sonntag, 3. Februar, ist Premiere. „Es darf skurril und abgefahren sein“, erklärt Pavlas und tupft mit einem Pinsel grelles Pink in das Gesicht des Models. Um die Augen sollen die Choristen glitzern.

An sich kein Problem für die Maskenbildner, doch was Pavlas ausgiebig an einer Person ausprobiert, müssen ihre Mitarbeiter während der Aufführung an 16 Personen vollbringen – und das in sechs Minuten. Und nicht nur das: Die Darsteller müssen auch noch ihre Kostüme wechseln. „Das erfordert eine gute Logistik und eine gute Zusammenarbeit“, weiß die Chefin der Abteilung.

Um Zeit zu sparen, hat sie sich etwas einfallen lassen: Sie hat Gummimilch auf ein Gipsmodell getupft und grünen Glitzer darauf verteilt. Mit Wimpernkleber klebt sie die fertigen Latexteile um die Augen des Models. „Ich will den Charakter treffen, aber es soll auch praktikabel sein.“ Die Lösung mit dem aufklebbaren Make-up hat noch einen weiteren Vorteil. Wenn die Choristen während der Pause in ihre ursprünglichen Kostüme schlüpfen, muss die hartnäckige Theaterschminke nicht mühsam wieder entfernt werden; die Mitarbeiter können sie einfach abziehen.

Bis jetzt ist Chefin zufrieden. Ob die Maske auch in das Gesamtkonzept passt, wird sich bei der Klavierhauptprobe am nächsten Montag, 28. Januar, zeigen. „Für mich ist die Klavierhauptprobe das, was für andere die Premiere ist.“ An diesem Tag laufen alle Gewerke zusammen; alles ist zum ersten Mal im Original vorhanden. Wenn etwas nicht passt, hat das Team nur wenige Tage Zeit, um es zu ändern.

Eines wird schnell deutlich: ohne perfektes Zeitmanagement und Koordination läuft hier nichts. Pavlas weiß, welche Eigenschaften man sonst noch für den Beruf mitbringen sollte, nämlich Kreativität, Teamgeist, selbstständiges Arbeiten und vor allem Flexibilität. „Es gibt oft spontane Änderungen“, erzählt die Maskenbildnerin.

Neben all ihren anderen Aufgaben, will die Kostümbildnerin vor allem eines, nämlich gute fachliche Arbeit abliefern. Am Ende sei sie immer stolz auf das Ergebnis. Das ist hoffentlich auch der Fall, wenn am 3. Februar der Vorhang aufgeht. Dann sollte nichts das Gesamtbild stören. Im Theater sei es wie bei der Hausarbeit, sagt Pavlas. „Man sieht nur das, was nicht gemacht ist.“

Wer „Ariodante“ vor der Premiere sehen möchte, kann zur „Kostprobe“ am Dienstag, 29. Januar, ins Theater kommen.

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