Grüne: Stadt soll bauen, nicht mieten

Von: Oliver Schmetz
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Seit Jahren „Leerstand im städtischen Eigentum“: Auf dem Areal der alten Paketpost an der Zollamtstraße soll die Stadt einen Anbau ans Verwaltungsgebäude Marschiertor „andocken“, fordern die Grünen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zur Miete oder doch lieber Eigentum? Diese klassische Otto-Normalverbraucherfrage stellen die Aachener Grünen aktuell für die Stadtverwaltung – und kommen zum gleichen Schluss wie viele private Häuslebauer: besser bauen als ewig Miete zahlen.

„So schaffen wir Vermögen“, sagt Ratsherr Michael Rau, „das ist besser, als einem Investor jedes Jahr 600.000 Euro zu zahlen.“ Diese Summe steht als Mietzins dafür im Raum, dass die Stadt große Büroflächen im derzeit noch in Planung befindlichen Bauprojekt „Blue Gate“ neben dem Hauptbahnhof übernimmt.

In der Verwaltungsspitze soll es diesbezüglich bereits konkrete Überlegungen geben. Und Bedarf ist auch da: Die Gebäude der städtischen Dienststellen am Adalbertsteinweg (Fachbereich Personal und Organisation) und in der Reumontstraße (Fachbereich Umwelt) befinden sich mittlerweile in kritischem Zustand und müssten dingend umfassend saniert werden – oder es müssen bald neue Büroflächen her.

Dafür plädieren nun die Grünen in ihrem Ratsantrag und haben ein Grundstück direkt gegenüber dem „Blue Gate“-Projekt im Blick: das ungefähr 2600 Quadratmeter große Grundstück der früheren Paketpost in der Zollamtstraße direkt neben dem Verwaltungsgebäude Marschiertor, das der Stadt ohnehin gehört. „Dort herrscht seit Jahren Leerstand im städtischen Eigentum“, kritisieren Rau und die grüne Fraktionsvorsitzende Ulla Griepentrog und schlagen vor, an dieser Stelle alte Pläne wiederzubeleben.

Denn schon im Jahr 2008 sei diskutiert worden, an das Verwaltungsgebäude einen fünfgeschossigen Anbau „anzudocken“, wobei man kostengünstig die Infrastruktur des bestehenden Gebäudes wie Treppenhäuser, Aufzüge und die Tiefgarage nutzen könne. Damals ging man in den ersten Plänen davon aus, in einem solchen Anbau 3800 Quadratmeter Nettonutzfläche schaffen zu können – was den Grünen zufolge in etwa dem Raumbedarf der beiden Fachbereiche am Adalbert-steinweg und in der Reumont-straße entspreche.

Im Übrigen sieht Rau in der Idee noch einen weiteren Clou. Denn die Erweiterung böte die Chance, das komplette Verwaltungsgebäude mit einem neuen Eingang von der Zollamtstraße aus offener und bürgerfreundlicher zu erschließen als dies bislang der Fall sei.

Und noch einen positiven Nebeneffekt offenbart der Umzug der Fachbereiche in einen Anbau nach Auffassung der Grünen: Die Grundstücke am Adalbertsteinweg und in der Reumontstraße könnten für dringend benötigten sozialen Wohnungsbau genutzt und gegebenenfalls versilbert werden. „Sollte die Schaffung von Wohnraum im Auftrag der Stadt – beispielsweise durch die Gewoge – nicht möglich sein, ist eine Veräußerung der Liegenschaften an einen Investor zu prüfen“, heißt es in dem Ratsantrag.

Außerdem plädieren die Grünen bei den Büroflächen fürs Bauen statt fürs Mieten, weil die aktuellen Zinssätze extrem günstig sind. „Kommunalkredite gibt es unter einem Prozent Zinsen“, sagt Rau: „Deshalb belastet die Investition in den Neubau eines städtischen Verwaltungsgebäudes den angespannten städtischen Haushalt weit weniger als ein langfristiges Mietverhältnis mit privaten Investoren.“

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