Grüne kritisieren Abwracken und Genfood

Von: Robert Esser
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Plakative Serie zur Wahl (v.l.): Die Grünen Sabine Göddenhenrich, Dr. Thomas Griese, Bettina Herlitzius und Jochen Luczak. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der Slogan „Wums” ist passé, nach Europa- und Kommunalwahlkampf plakatieren die Grünen jetzt wieder leicht verständlich: Atomausstieg, Datenschutz, Genfood-Verbot etc. Damit will man punkten.

Und den Rückenwind aus den jüngsten Kommunalwahlerfolgen in Stimmenzuwächse bei der Bundestagswahl am Sonntag, 27. September, ummünzen.

„Nach Köln, Münster und Aachen haben die Grünen in der Städteregion laut NRW-Statistik des Landeswahlleiters die besten Ergebnisse erzielt”, sagt Dr. Thomas Griese, Sprecher des Kreisverbandes Aachen. Allein in Aachen habe man im Vergleich zur Europawahl 3000 Stimmen zugelegt.

Dies sei sicher auch eine Folge der bei den Grünen „einzigartigen Zusammenarbeit” von Stadt- und Kreis-Grünen. Beide Kandidaten - die Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius (Kreis) und Jochen Luczak (Stadt) - wollen dabei nicht nur Themen aus der Region - wie den Tourismus im Nationalpark Eifel - im Bundestag vertreten: „Die Atomfrage steht im Vordergrund. In der nächsten Legislaturperiode steht die Betriebsverlängerung von sieben Kraftwerken in Deutschland an”, warnt Herlitzius.

Natürlich will sie stattdessen „eine Vervielfachung” des Stromanteils aus erneuerbaren Energien bis 2040 forcieren. In Sachen Gentechnik fordert man Transparenz und damit eine genauere Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel. „Da ist einiges verwässert”, kritisiert sie die Große Koalition auf Bundesebene.

Luczak erklärt, dass Allensbach den Grünen deutschlandweit 13,5 Prozent der Stimmen prognostiziert habe. „Darauf werden wir aufbauen.” Und auch er kritisiert CDU und SPD, vor allem in Sachen Abwrackprämie: „Die hat zwar den Automarkt belebt, aber die Folgen werden wir in Zukunft noch spüren.”

Vor allem weil der Neuwagenkauf nicht an umweltfreundlichere Rahmenvorgaben geknüpft worden sei. Aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht: „Es gibt Studien, die besagen, dass die Hälfte der Autohändler jetzt Angst vor der Insolvenz hat”, sagt Luczak.

Am Herzen lägen ihm zudem die „drei großen B”: Bio, Bildung, Bürgerrechte. „Dass Jugendliche bei Bewerbungsgesprächen von Personalchefs herausgefiltert werden, weil sie in früheren Jahren unbedacht irgendwelche Bilder ins Internet gestellt und damit allen zugänglich gemacht haben, kann nicht richtig sein.” Hier gelte es, den Datenschutz auf die erlaubte Verwertbarkeit von Erkenntnissen aus dem Internet und sozialen Netzwerken wie StudiVZ abzuklopfen. „Außerdem muss hier viel mehr Aufklärungsarbeit bei Schülern zur Nutzung des Internets und dem Umgang mit den eigenen Daten her”, betont Luczak.

Sabine Göddenhenrich, Vorsitzende des Aachener Ortsverbandes, bringt auch das Thema „Militäreinsatz in Afghanistan” in Rage. Da werde zu viel in teure Militärmaßnahmen und zu wenig in humanitäre Aufbauhilfe sowie die Ausbildung einer landeseigenen Polizei investiert, moniert sie.

Für die aktuellen Wahlkampf-Plakate sei das Thema Militäreinsatz aber zu komplex, weil auch Grünen-intern nicht unumstritten. So erging es der alten Plakatserie namens „Wums” übrigens ebenfalls.
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