Aachen - Grüne Ideen für die Theaterstraße: Parkplätze und Spuren streichen

Grüne Ideen für die Theaterstraße: Parkplätze und Spuren streichen

Von: Robert Esser
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Am liebsten gar keine Parkplätze, dafür Fußgängerzone am Theater: Die Grünen Wilfried Fischer (l.) und Burkhard Fahl würden die Autos gerne weitgehend verbannen – zugunsten eines Boulevards. Foto: Michael Jaspers
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Am liebsten gar keine Parkplätze, dafür Fußgängerzone am Theater: Die Grünen Wilfried Fischer (l.) und Burkhard Fahl würden die Autos gerne weitgehend verbannen – zugunsten eines Boulevards. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Zum Entsetzen vieler Einzelhändler wollen die Aachener Grünen entlang der Theaterstraße einen Großteil der Parkplätze streichen, nur noch zwei statt vier Fahrspuren zulassen und eine Seite des Theaterplatzes zur Fußgängerzone erklären.

„Natürlich sind das erst mal nur Vorschläge. Wir möchten das in aller Ruhe mit den Geschäftsleuten und Anwohnern diskutieren, um dann Lösungen zu erarbeiten“, sagt Wilfried Fischer. Sein Mitstreiter Burkhard Fahl geht noch weiter: Werbetafeln, Taxistand, Bushaltestellen – alles soll weg, um- oder ausquartiert werden.

Ziel des Ratsantrags sei es, „den öffentlichen Raum urban neu zu gestalten, nach heutigen Ansprüchen und Gegebenheiten neu aufzuteilen, mehr Aufenthaltsqualität zu erreichen und somit auch den Standort von Handel und Gastronomie entlang der Theaterstraße und auf dem Theaterplatz zu stärken“, heißt es im Grünen-Antrag. Im Fokus stehe eine „Stärkung des Boulevardcharakters“.

Im Mittelpunkt steht dabei der Ausbau der Flächen für Fußgänger zu Lasten des Autoverkehrs. „Hier gibt es Parkhäuser genug“, sagt Fahl. „Und wir benötigen Fahrradstreifen“, sagt Fischer. Wie sich der Autoverkehr am stehenden Lieferverkehr und Paketdiensten, geschweige denn an haltenden Bussen, auf einer dann einspurigen Straße vorbeischlängeln soll, verraten die Grünen allerdings nicht. Dies zu erarbeiten, sei Aufgabe der Verkehrsexperten in der Aachener Stadtverwaltung. Dazu soll es Workshops geben.

Die anliegenden Einzelhändler lehnen das grüne Konzept vielfach ab: „Eine Katastrophe“, nennt das der Leiter des Biomarkts, Joachim Wolter, am Theaterplatz. „Wir sind auf Kunden und Parkplätze angewiesen“, betont er. Nachbar Günter Corsten (Einrichtungshaus Lieck & Müller) sagt: „Wenn Sie mich vor vier Jahren gefragt hätten, hätte ich geantwortet: auf keinen Fall! Mittlerweile denke ich, dass eine Fußgängerzone mit mehr Aufenthaltsqualität vor dem Theater vielleicht vorteilhaft wäre.“

Auf 100 Metern stehen hier – teils seit Jahren – vier große Geschäftslokale leer. Wofür die einen den Mangel an Parkplätzen, die anderen fehlendes Einkaufsflanierflair verantwortlich machen. Für Leonidas-Chef Hardy Kick steht außer Frage: „Der Theaterplatz ist keine 1a-Lage, wir brauchen Parkplätze, leben von schneller Erreichbarkeit. Eine Sperrung für Autos wäre extrem geschäftsschädigend.“ Seit Eröffnung des Aquis Plaza haben sich nach Kicks Wahrnehmung die Laufwege der Kundschaft aus Bahnhofsrichtung zu Ungunsten der Theaterstraße und des Theaterplatzes entwickelt.

„Hier ist spürbar weniger los. Wer soll hier flanieren?“, fragt er. Gegner und Befürworter sind sich zumindest in einer Sache einig: Be- und Entladen per Pkw und Lkw muss jederzeit möglich sein. Dann wäre der Theaterplatz allerdings ähnlich „verkehrsberuhigt“ wie der Elisenbrunnen...

In Sachen Parkplatznot scheiden sich die Geister. Vor allem Gastronomen drängen darauf, mehr Flächen für Außengastronomie von parkendem Blech freizuräumen. Entsprechende Anträge des Restaurants „bona‘me“ wurden nach Angaben von Betriebsleiter Mahir Özmen zwei Mal von der Stadt zurückgewiesen. Dabei benötige man lediglich den Raum von vier Stellplätzen vor der Türe. „Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum andere Restaurants entlang der Theaterstraße anstelle von Parkplätzen draußen Gäste bewirten dürfen – wir aber nicht“, ärgert er sich.

Auch hier wollen die Grünen ansetzen. Die „repräsentative Einfahrtstraße“ sei nach 100 Jahren marode. Aber: „Zahlreiche Denkmäler und Fassaden prägen die Straße noch heute.“ Nur komme das Potenzial der Straße „nicht in angemessener Weise zur Entfaltung“, so die Grünen. 2017 sollen Städtebaumittel beantragt werden. Das Projekt ist Teil des Innenstadtkonzepts 2022. Freude löst das Handeln einzelner Grüner indes nicht bei allen aus.

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