Grüne fordern neuen Kraftakt für freie Kultur

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Kann – und muss – die städtische Kulturverwaltung mehr leisten, um den kaum zu überschätzenden Stellenwert der freien Kunstszene besser ins Licht zu rücken? Die Frage ist auch und gerade in den zuständigen politischen Gremien nach intensiven Debatten mit einem einmütigen Ja beantwortet worden.

Die Grünen haben nun einen weiteren Vorstoß unternommen, um der „freien Kultur“ den Rücken zu stärken. Dabei soll es auch, aber nicht nur um finanzielle Unterstützung gehen. Einen entsprechenden Ratsantrag hat die Fraktion jetzt eingebracht.

„Wir gehen davon aus, dass der Kulturbetrieb in seinem Jahresabschluss für 2013 einen Überschuss von rund 120.000 Euro vorweisen kann – auch wenn die Kämmerin die Bilanz noch nicht abgesegnet hat“, sagt Ratsherr Hermann Josef Pilgram. „Im Kulturausschuss ist bereits klar signalisiert worden, dass die Hälfte dieses Polsters den freien Gruppen zur Verfügung gestellt werden soll.“ Dies müsse nun explizit beschlossen werden, fordert auch Stefanie Luczak, sachkundige Bürgerin im Ausschuss.

Nachholbedarf sehen Pilgram und Luczak aber vor allem auch im Hinblick auf eine „strukturelle Verbesserung“. Will heißen: „Nach wie vor gibt es im Kulturbetrieb keinen eigenständigen Geschäftsbereich, der allein für die ,Freien‘ zuständig wäre“, moniert Pilgram. Personell lasse sich das durchaus bewerkstelligen – schließlich sei anlässlich der Karlsausstellungen eine weitere Stelle fürs Marketing geschaffen worden. „Und die hat nach Toresschluss dieses ,Blockbusters‘ nun ja wieder Kapazitäten“, meint Stefanie Luczak. „Schon aus Gründen der Wertschätzung sollte das also machbar sein. Wenn der Wille da ist, lässt es sich durch interne Umverteilung der Aufgaben und letztlich auch mit einer Erhöhung des Kulturetats erreichen“, erklärt Pilgram.

Denn zurzeit belaufe sich der Anteil an Mitteln für die nicht-institutionalisierte Kunstszene bekanntlich auf gerade einmal ein Prozent des Budgets. Mindestens fünf Prozent müssten es aus Sicht der Grünen auf kurz oder lang schon sein. „Eine Umschichtung zugunsten der ,Freien‘ wäre zu begrüßen“, sagt Pilgram. „Ebenso wichtig wäre aber, dass sich die Verwaltung im Ganzen stärker engagiert, wenn es darum geht, kostenlos Räume bereitzustellen und sich beim Marketing mehr einzubringen.“

Einschlägige Dienststellen in den Bereichen Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung und Tourismus müssten in diesem Zusammenhang nachhaltiger eingebunden werden. So hätte man etwa auch dem Theater K, das seine langjährige Spielstätte räumen musste, womöglich ein passendes Angebot machen können, gibt Pilgram ein Beispiel. Und: „Wir stellen nach wie vor eine Ungleichbehandlung fest, wenn es um die Finanzierung von Projekten geht, die aus der Verwaltung kommen, und solchen, die von außen an sie herangetragen werden.“

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