Großrazzia: Zoll durchkämmt „Aquis Plaza“-Baustelle

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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50 Beamte des Aachener Hauptzollamts durchkämmten das Areal. Foto: Andreas Steindl
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Erfahrener Chef: Zolloberamtsrat Roland Engels leitete den Einsatz.
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Ausgeschwärmt: Rund 50 Beamte nahmen jeden der etwa 100 Arbeiter auf der Baustelle am Kaiserplatz unter die Lupe. Foto: Andreas Steindl
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Tiefstlöhne beim Hochbau: In einigen Fällen erhärtete sich der Verdacht, dass Mindestlöhne auf der „Aquis Plaza“-Baustelle unterschritten werden.

Aachen. Schwarzarbeit, Dumpinglöhne, illegale Leiharbeit: Rund 50 Beamte des Hauptzollamts Aachen haben am Donnerstagmorgen ab 8.30 Uhr bei einer Großrazzia die Baustelle des Einkaufszentrums „Aquis Plaza“ am Kaiserplatz durchkämmt und dabei einige Unregelmäßigkeiten festgestellt.

Die Einsatzkräfte riegelten die Großbaustelle ab und kontrollierten sämtliche Personen, die sich auf dem Gelände aufhielten. Rund 100 Fachkräfte und ein Dutzend Lkw-Fahrer wurden einzeln unter die Lupe genommen.

„Es handelte sich um eine Routine-Kontrolle in der frühen Bauphase“, erklärte der Sprecher des Hauptzollamts, Mark Gerner. Nachdem die Baugrube für das Shopping-Paradies ausgehoben ist, das zum Jahreswechsel 2015/16 eröffnet werden soll, stehen nun Eisen- und Armierungsarbeiten an. „Aus Erfahrung wissen wir, dass gerade in dieser Bauphase – wenn viele Eisenflechter gebraucht werden – gerne mal betuppt wird“, sagte Gerner. Besonderes Augenmerk legten die Beamten auf die Aufdeckung von Schwarzarbeit, die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns in der Baubranche und Aufzeichnungen in der Buchhaltung der Baufirmen nach dem Arbeitnehmerentsendegesetz.

Über ein Dutzend Firmen arbeiten derzeit gleichzeitig auf der Großbaustelle – 50 Prozent der Arbeiter stammen aus dem Ausland, darunter 19 lettische und 25 polnische Staatsbürger. „Firmen aus dem Ausland müssen ihre Arbeitsaufnahme hier der Bundesfinanzdirektion West mitteilen“, erläuterte Gerner.

Während der mehrstündigen Großrazzia lief der Baubetrieb weiter. „Natürlich nehmen wir gerade die ausländischen Kräfte, die Personalpapiere und Ausweise meistens nicht am Mann tragen, mit in den Bürocontainer der Bauleitung. Die Überprüfung ist komplizierter“, erklärte Einsatzleiter Roland Engels. Vor allem die Verständigung mit den lettischen Bauarbeitern erwies sich als schwierig. Der Zolloberamtsrat sagte, es werde womöglich Tage dauern, bis die Beamten die Personalbuchhaltung inklusive sämtlicher Stundenzettel der an der Baustelle beteiligten Firmen und Subunternehmer durchgeprüft hätten.

In Einzelfällen stellten die Beamten vor Ort fest, dass Arbeiter offenbar Lohn auf der „Aquis Plaza“-Baustelle kassieren, obwohl sie arbeitslos gemeldet sind und entsprechende Sozialleistungen einstreichen. „In einigen Fällen haben wir auch den begründeten Verdacht, dass die Mindestlöhne – 11,10 Euro pro Stunde für Helfer und 13,95 Euro für Facharbeiter – unterschritten werden“, zog Engels am Spätnachmittag eine erste Zwischenbilanz. Zudem waren zwei Arbeiter offenbar nicht ordnungsgemäß angemeldet, ein weiterer Fall betrifft illegale Leiharbeit. Die Ermittlungen dauern an.

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