Großprojekte: Bald Bewegung an Stätten des Stillstands?

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
13429790.jpg
Kommt bald Bewegung in die vernachlässigte Großkölnstraße? Der Verwaltung liegt eine Bauvoranfrage eines renommierten Hotelbetreibers für das seit 1999 leer stehende Pfeiffer-Haus vor. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nach dem Aquis Plaza ist vor – dem nächsten Großprojekt: Mit dem Bau des riesigen Shoppingcenters am Kaiserplatz hat die Einkaufsstadt Aachen längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Im Gegenteil: An verschiedenen Ecken der Innenstadt, die in den vergangenen Jahren teilweise zu Symbolen des Stillstands verkommen sind, deutet sich Bewegung an.

Zwar eher noch im Verborgenen, abseits der Öffentlichkeit – aber immerhin. Folgerichtig verhandelte der städtische Planungsausschuss jetzt mehrere interessante Bauprojekte hinter verschlossenen Türen in nicht-öffentlicher Sitzung. Ein Überblick:

Wehmeyer-Gebäude: Die seit mehr als vier Jahren leer stehende Immobilie und zwei direkt angrenzende Gebäude in der Fußgängerzone Adalbertstraße – nur ein paar Steinwürfe entfernt vom Aquis Plaza – gehören mittlerweile dem Düsseldorfer Moderiesen Peek & Cloppenburg. Das Modehaus wollte dort bislang eine bis zu 8000 Quadratmeter große Dependance einrichten – so jedenfalls die hinter den Kulissen kursierenden Pläne.

Nun soll es anscheinend eine Nummer größer und etwas höher werden: Bis zu 10.000 Quadratmeter Fläche sollen die konkreten Pläne des renommierten Architekturbüros Chipperfield vorsehen, die der Politik im Planungsausschuss und am gleichen Tag auch dem Architektenbeirat präsentiert wurden – also durchaus ein Großprojekt. Ein Zeitplan für die Errichtung des schmucken Neubaus wurde aber dem Vernehmen nach noch nicht mitgeteilt.

Pfeiffer-Haus: Ein Paradebeispiel für städtebaulichen Stillstand in Aachen gehört dem gleichen Akteur: Peek & Cloppenburg hat auch das Schicksal des ehemaligen Pfeiffer-Hauses an der Großköln-straße in der Hand, das bereits seit 1999 leer steht. Nun verdichten sich die Anzeichen, dass dort ein weiteres Hotel gebaut werden könnte. Nachdem diese Idee im Sommer den Ratsfraktionen und auch dem Oberbürgermeister persönlich vorgestellt wurde, informierte die Verwaltung die Politik nun über eine entsprechende Bauvoranfrage eines renommierten Hotelbetreibers.

Das Ganze dürfte jedoch noch Diskussionen nach sich ziehen. Schließlich wurde auf Betreiben der Grünen erst im Frühjahr ein Bebauungsplan auf den Weg gebracht, um das vernachlässigte „Minoritenviertel“ städtebaulich neu zu beleben. Ob und wie dazu auch ein Hotel beitragen kann, muss noch geklärt werden.

Büchel: Dort ist dem Stillstand spätestens seit dem städtebaulichen Wettbewerb für ein neues „Altstadtquartier“, den das Architekturbüro Chapman Taylor gewann, der Krieg erklärt. Und hinter den Kulissen wird fieberhaft geplant – zuletzt allerdings nach einhelliger Meinung der Politik ein bisschen in die falsche Richtung. Die Überarbeitung des Siegerentwurfs sorgte für Ärger. Zu hoch, zu dicht, zu wuchtig – so lautete die Kritik an einigen Änderungen, wobei mancher dahinter ökonomische Interessen der Investoren vermutete.

Jetzt trugen im Planungsausschuss die Experten Professor Carl Fingerhuth und Professor Christa Reicher, die den Planungsprozess begleiten und auch schon der Wettbewerbsjury vorstanden, ihre Bewertung vor. Und dem Vernehmen nach sollen sie die Bedenken der Politik weitgehend teilen. Jetzt steht eine weitere Überarbeitung der Pläne an, außerdem wollen Politik und Verwaltung in einem interfraktionellen Gespräch die weitere städtebauliche Marschrichtung festzurren. Organisieren soll das umfangreiche Planverfahren ein externes Büro. Dann sollen Schritt für Schritt einzelne Hochbauwettbewerbe ausgeschrieben werden – sicher zuerst für die neuralgischen Punkte Laufhaus und Parkhaus Büchel. Klar ist bei aller Bewegung hinter den Kulissen: Das Ganze wird dauern.

Krefelder Straße: Derweil ist nicht nur die City, sondern auch die grüne Wiese in Aachen begehrt. Der Liegenschaftsausschuss beschäftigte sich vor kurzem – ebenfalls nicht-öffentlich – mit einem Ansiedlungswunsch des Sportartikelriesen Decathlon, der bereits im benachbarten Kerkrade ansässig ist. Ins Auge gefasst hat dieser eine mehr als 23.000 Quadratmeter große Fläche an der Krefelder Straße im Bereich Strangenhäuschen, die zur Hälfte der Stadt gehört. In zwei Bauabschnitten könne man dort bis zu 100 Arbeitsplätze schaffen, ist der Verwaltung mitgeteilt worden.

Diese allerdings steht dem Ansiedlungswunsch eher negativ gegenüber, wie aus der schriftlichen Vorlage hervorgeht. Die Erschließung sei schwierig, die Architektur genüge nicht den gestalterischen Ansprüchen und großflächiger Einzelhandel mit innenstadtrelevantem Sortiment passe nicht zum städtischen Einzelhandelskonzept. Aber auch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Es gibt auch Stimmen in der Politik, die eine solche Ansiedlung begrüßen würden. Wenn auch bisher nur nicht-öffentlich.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert