Großprojekt Nikolausviertel: Noch viele Fragen offen

Von: Kristina Toussaint
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Diese Ecke Aachens wird noch auf Jahre hinaus „Stadtgespräch“ sein und die Planer beschäftigen: Der Verein „Aachen-Fenster“ diskutierte jetzt über die städtebauliche Entwicklung rund um das marode Parkhaus Büchel (Bildmitte). Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die aktuellen Überlegungen zur Neugestaltung des Büchelquartiers – oft als „letzte städtebauliche Wunde“ der Innenstadt bezeichnet – schreiten langsam voran. Die Bürger sollen so früh wie möglich an der Ausgestaltung beteiligt werden.

Sehr viele Entscheidungen stehen jedoch noch bevor – kein Wunder bei der Vielzahl von Interessen, die im Spiel sind, und all den Funktionen, die das neue Quartier erfüllen soll.

Erstmalig abgerissen werden sollte das Parkhaus am Büchel bereits Ende der 80er Jahre. Nach mehreren Eigentümerwechseln und etlichen gescheiterten Planungsentwürfen gibt es aber seit Ende 2015 einen neuen Hoffnungsschimmer: den Entwurf des Planungsbüros Chapman Taylor, der als Sieger aus dem städtebaulichen Wettbewerb hervorging, den die Stadt ausgeschrieben hatte.

Der Entwurf beinhaltet unter anderem zwei neue Wegeachsen: eine Nord-Süd-Verbindung, die von der Nikolauskirche bis hinunter auf den Büchel führen soll, und eine Ost-West-Achse, die als Verlängerung der Körbergasse parallel zur Antoniusstraße verlaufen würde. Ein geselliger Platz nach Vorbild des Hofes am Schnittpunkt dieser zwei Achsen, mindestens 50 Prozent Wohnraum, dazu Einzelhandel und Gastronomie, das Ganze „kleinteilig“ und gestaltet als Verlängerung der Altstadt – soweit klingt das nach einem lebenswerten neuen Viertel.

Doch der Ursprungsentwurf wurde bereits modifiziert und dürfte weiter verändert werden. Aufgrund der Eigentumsverhältnisse werden die neuen Straßendurchbrüche an einigen Stellen nicht oder nicht so bald realisierbar sein. Auch die Rotlichtmeile bleibt ein Streitpunkt: Das als fünfstöckiger Atriumbau geplante „Laufhaus“, in dem das Gewerbe der Antoniusstraße konzentriert werden soll, werde von den zukünftigen Betreibern als nicht praktikabel angesehen, erklärte Sabine Beuscher vom Planungsbüro Chapman Taylor jetzt auf einer Info- und Diskussionsveranstaltung des Fördervereins „aachen-fenster“.

Eine bauliche Abschottung des vom Rotlichtgewerbe genutzten Abschnitts der Antoniusstraße – von den Investoren als Bedingung gesetzt – lässt sich aufgrund des Denkmalschutzes nicht wie geplant umsetzen. Die mittelalterliche Straßenführung muss erhalten bleiben. Zudem fordert die Polizei die Möglichkeit zur Durchfahrt. Auch ob eine komplette optische Abschottung erfolgen soll oder man eine sichtbare „Pforte“ schafft, steht noch nicht fest. Vieles bleibt also zu diskutieren. Die Planung stehe auch noch ganz am Anfang, so Niels-Christian Schaffert, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen.

Im September hat die Politik das Bebauungsplanverfahren auf den Weg gebracht. Sobald es praktikable Lösungsvorschläge gebe, sei die Beteiligung der Bürger geplant. „Gerade dieses Stück Stadt braucht das Stadtgespräch“, bekräftigt Professor Christa Reicher, Vorsitzende des Architektenbeirates.

Weg von der Orientierung zur touristischen Nutzung, hin zu einem Viertel für die Bürger solle es gehen, darin war man sich auf der Infoveranstaltung einig. Mindestens 50 Prozent Wohnraum mit guter sozialer Durchmischung sollten entstehen: Ecken, die sich dafür eignen, sollen zu Penthouse-Wohnungen ausgebaut werden, ein Drittel werde jedoch auch geförderter Wohnungsbau sein, so Herbert Dierke vom Investor Landmarken AG. Um so viel Wohnraum zu ermöglichen, sei eine Bauhöhe von vier Stockwerken plus Dachgeschoss notwendig. Die Erdgeschossebene solle ausschließlich für Einzelhandel und Gastronomie genutzt werden. Darunter: Anwohnerparken im Tiefgeschoss.

Wichtig ist allen Beteiligten, dass das neue Quartier zur Umgebung passt und den Sprung von der historischen zur zeitgemäßen Architektur schafft.

Die Planung des Hochbaus, also der genauen Gebäudestruktur, soll in einzelnen Blocks in weiteren Wettbewerben ausgeschrieben werden. Durch die Kombination verschiedener architektonischer Handschriften soll eine Vielfalt, ein lebendiges Viertel geschaffen werden – das sich aber durch die Festlegung gemeinsamer Rahmenbedingungen wie natürlich zusammenfügt. Auch auf diese muss man sich allerdings noch einigen.

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