Großkrankenhaus auf Gesundungskurs

Von: Oliver Schmetz
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Kaum noch in Schieflage: Die B
Kaum noch in Schieflage: Die Bilanz des Klinikums schrammt laut Vorstand in diesem Jahr nur knapp an einer „schwarzen Null” vorbei. Künftig will man wieder in die Gewinnzone kommen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Dass sein Krankenhaus auf dem Weg der Gesundung sei, nein, dieses Wortspiel hört Professor Dr. Thomas Ittel nicht so gerne. „Wir waren ja nicht krank”, hält der ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Aachener Uniklinikums dem entgegen.

Man war bloß ziemlich in den Miesen. Elf Millionen Euro betrug das Defizit im Jahr 2009, sieben Millionen hat man im vorigen Jahr minus gemacht. Und da klingt es schon nach wirtschaftlicher Gesundung, wenn sich die Bilanz des Großkrankenhauses mit seinen insgesamt rund 5500 Mitarbeitern in diesem Jahr aller Voraussicht nach einer „schwarzen Null” annähern wird. Auf nur noch eine Million Euro taxiert der kaufmännische Direktor des Hauses, Peter Asché, den Verlust in 2011. Angesichts solcher Zahlen spricht der Kaufmann von einer „wesentlichen Aufwärtsentwicklung” und erwartet schon in Kürze den Sprung in die Gewinnzone. „Es ist nicht unser Ziel, wenig Verlust zu machen, wir wollen in den nächsten Jahren positive Ergebnisse erzielen.”

Danach hatte es im vergangenen Sommer noch nicht unbedingt ausgesehen. Es zeichne sich abermals „eine kritische finanzielle Situation ab”, hatten Vorstand und Personalrat der Belegschaft mitgeteilt - und unter den rund 4300 nichtwissenschaftlichen Mitarbeitern nach Kollegen gesucht, die gegen Abfindung freiwillig ausscheiden wollten. Der Erfolg dieser Maßnahme blieb überschaubar: „Ungefähr 25 Kollegen haben das Angebot angenommen”, erklärt Asché nun zum Jahresende. Und auch wenn das Verhältnis zwischen gezahlten Abfindungen und gesparten künftigen Gehältern „bei eins zu fünf liegt”, wie der kaufmännische Direktor betont: Balsam für die Bilanz ist das kaum.

Da trägt schon eher die „deutliche Leistungssteigerung” in den letzten Monaten zur finanziellen Gesundung bei, wie Vorstandschef Ittel anmerkt. Schließlich sei man mittlerweile „eines der erfolgreichsten Häuser in NRW”. Doch hat die Steigerung der Erlöse auch eine Schattenseite. Denn dass es „punktuell zu einer erheblichen Mehrbelastung der Mitarbeiter” komme, das räumt Ittel ebenfalls unumwunden ein.

Dem Personalrat bereitet der Umstand, dass der Gesundungskurs des Hauses für die Beschäftigten ungesund werden könnte, sogar teilweise Bauchschmerzen: „Wir sind in manchen Bereichen an der kritischen Kante angelangt, weil die Kollegen nicht mehr können”, warnt der Personalratsvorsitzende Helmut Lemaire davor, immer weiter nach der Devise „mehr Leistung bei gleichem Personal” zu verfahren. Gleichwohl attestiert er dem Großkrankenhaus ein deutlich gesünderes Klima, seit Ittel und Asché gemeinsam mit dem Pflegedirektor Heinz Pelzer im Vorstand das Sagen haben. Denn die sagen nicht nur an, sondern reden auch mit den Mitarbeitern, was unter dem alten Vorstand, wie Lemaire bestätigt, eher nicht die Regel gewesen sei. Nun reklamiert der Vorstand für sich nicht weniger als eine „Kulturänderung” im Haus. „Wir pflegen eine Kultur der Transparenz, präsentieren den Mitarbeitern auch Zahlen”, sagt Asché. „Aber wir machen ihnen auch deutlich, dass Arbeitsplätze nur zu erhalten sind, wenn sie auch wirtschaftlich sind”, fügt Ittel hinzu.

Gemeinsam mit dem Personalrat hat man auf diese Weise ganz still etwas über die Bühne gebracht, was vor ein paar Jahren noch einen lauten Aufschrei in der Belegschaft und wütende Proteste ausgelöst hatte: die Privatisierung der Labore. Was der alte Vorstand durchdrücken wollte, wurde nun im Dialog entwickelt - und ohne die befürchteten Folgen für die rund 110 betroffenen Mitarbeiter.

Zwar wurde für das labordiagnostische Zentrum (LDZ) ein externes Management ins Haus geholt, dem die Mitarbeiter zugeordnet wurden, doch behielten alle unbefristet Beschäftigten den gleichen Status wie bisher. „Für die Mitarbeiter ist das eine relativ gute Vereinbarung, die wir auch in dem damaligen Konflikt schon vorgeschlagen haben”, sagt Personalrat Lemaire. Für den Vorstand rechnet sich das Ganze auch. Auf rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr taxiert Asché die Einsparung - auch ein ordentlicher Batzen, der die Bilanz auf den Weg der Besserung bringt. Weitere Privatisierungen will der Vorstand nicht ausschließen. „Wir werden uns weiter intelligente Lösungen einfallen lassen müssen”, sagt Asché. Wohl auch deshalb betont Lemaire, dass „hier nicht alles Friede, Freude Eierkuchen ist”. Aber immerhin sind jetzt alle bemüht, vor allem eines zu finden: einen gesunden Kompromiss.

Bei aller Gemeinsamkeit: Beim Reizthema Parken sind die Fronten zwischen Klinikumsvorstand und Personalrat verhärtet. Wie berichtet, hat der Vorstand ein Konzept erarbeitet, um die katastrophale Parksituation vor allem für Besucher und Patienten zu verbessern. Teil des Konzepts ist aber nicht nur, dass mehr (kostenpflichtige) Plätze für Besucher geschaffen werden sollen, sondern dass auch die Mitarbeiter künftig für ihr Blech blechen müssen.

Den Autofahrern etwas schenken, während die Nutzer des umweltfreundlichen ÖPNV in die Röhre schauen - das gehe nicht, argumentiert der Vorstand. „Und ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Beschäftigten dramatischer Gegner unserer Lösung ist”, meint Vorstandschef Professor Thomas Ittel.

Personalrat Helmut Lemaire kündigt dagegen heftigen Widerstand an: „Für viele sind zehn bis 15 Euro im Monat viel Geld. Wenn der Vorstand das durchsetzen will, gibt es lange Diskussionen. An der RWTH hat es drei Jahre gedauert, bis das Jobticket unter Dach und Fach war.”
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