Großes Trauerspiel um kleinen Spielplatz an der Taubengasse

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
13781444.jpg
Jämmerlicher Zustand: Der Spielplatz Taubengasse in Forst ist heruntergekommen. Anwohner kämpfen seit zehn Jahren für eine Aufwertung. Foto: Michael Jaspers/Marion Wingen
13780628.jpg
Vor fünf Jahren gab es zumindest noch eine kleine Rutsche. Die wurde dann auch noch abgebaut. Foto: Michael Jaspers/Marion Wingen
13780611.jpg
Für die Planung der dringend nötigen Sanierung fehlte es bislang an Personal, so die Stadt.

Aachen. Die kleine Bürgerinitiative besteht seit zehn Jahren. Ein Grund zum Feiern ist das nicht. Im Gegenteil. Denn was die Anwohner der Taubengasse in Forst – und hier insbesondere die Kinder – in dieser Zeit erleben „durften“, ist eine unglaubliche Geschichte. In deren Mittelpunkt steht ein Spielplatz.

Zumindest steht er als solcher in der Spielplatzliste der Stadt – und ein recht neues Schild am Eingang weist darauf hin, dass er tatsächlich existiert. Doch was sich dort befindet einen Spielplatz zu nennen, ist dreist. Denn der Zustand des „Spielplatzes“ ist jämmerlich.

Ein kleiner, verwahrloster Sandkasten, eine Schaukel mit faulender Holzumrandung und ein merkwürdiges Metallkonstrukt, das eine Wippe sein soll. Nun steht dieser Spielplatz mit seinem Zustand keineswegs alleine unter seinen rund 230 „Artgenossen“ im Stadtgebiet da. Viele davon sind kaum noch nutzbar und müssten dringend saniert werden. Aber der an der Taubengasse hat eben eine besondere Geschichte.

Sie beginnt im Jahr 2007. Damals gab es das Ansinnen des benachbarten Altenheims, in Richtung der Spielfläche zu erweitern. Die Stadt zog in Erwägung, den Spielplatz zu verlagern. Dagegen protestierten die Anwohner, die Politik stoppte den Umzug. Doch der Spielplatz kam nun mehr und mehr herunter. Vor fünf Jahren wandten sich die Anwohner deswegen an die AZ – im Rahmen unserer damaligen Serie „Spielplatzcheck“. Seinerzeit gab es als Gesamtnote ein „Mangelhaft“.

Eine Note, die man heute guten Gewissens nicht mehr geben könnte. „Ungenügend“ trifft es nun besser. Damals gab es zumindest noch eine kleine Rutschbahn. Doch die wurde im Jahr darauf dann auch noch abgebaut. Auf Ersatz wartet man an der Taubengasse bis heute vergebens. Ausgetauscht worden ist mal eine Sitzbank. Und die blaue Mülltüte im Abfalleimer sieht auch noch recht neu aus. Mehr nicht.

Immer wieder Briefe geschrieben

Eines ist geblieben: der Kampf der Anwohner darum, dass dieser Spielplatz doch noch verschönert wird. Insbesondere Renate Wuropulos lässt das Thema nicht ruhen. Gerne würde sie mit ihren Enkelkindern den Spielplatz nutzen, wenn da denn einer wäre. Sie ist auch Mitglied der Stadtteilkonferenz Forst, wo sie den Missstand im Dezember abermals auf die Tagesordnung brachte. In den Jahren zuvor hat sie immer wieder Briefe an die Verwaltung geschrieben. Und sie hat Unterschriften gesammelt. Passiert ist: nichts.

Die jüngste Berichterstattung unserer Zeitung darüber, dass das Geld für die Spielplatzsanierung – insgesamt stehen pro Jahr rund 350.000 Euro zur Verfügung – wegen Personalmangels zum größten Teil auf den städtischen Konten versauert und dann letztlich in die Neugestaltung von Spielanlagen wie jene an der Talstraße oder im Suermondt-Viertel gepumpt wird, hat die engagierte Bürgerin erneut auf die Palme gebracht.

Noch einmal hat sie die Anwohner zusammengetrommelt für einen „letzten Versuch“, wie sie sagt. Lockerlassen will sie schon deswegen nicht, weil es in der Nachbarschaft immer mehr statt weniger Kinder gibt, die dort spielen könnten. Auch Tanja Sukkau zum Beispiel wünscht sich, dass dort etwas geschieht. Sie ist Tagesmutter und würde mit ihren Schützlingen gerne den Spielplatz nutzen. Und selbst Eltern, deren Kinder dem Spielplatzalter schon entwachsen sind, setzen sich weiterhin für die Sanierung ein.

Wo blieb das zugesagte Geld?

Dabei verlangen sie keineswegs Luftschlösser. Die könnte man auf den knapp 650 Quadratmetern – dieser Spielplatz ist ein kleiner im Vergleich zu den meisten anderen – ohnehin nicht realisieren. Ein Ersatz für die Rutsche, eine Aufwertung des winzigen Sandkastens, ein kleines Holzhaus vielleicht – schon mit wenig Geld und Zeitaufwand lasse sich da vieles aufwerten.

So macht es Renate Wuropulos und die anderen fassungslos, wenn sie dann von besagten neuen Spielplätzen hören: „Vor dem Hintergrund, dass viele Spielplätze in Aachen wie unserer hier dringend saniert werden müssten, ärgert es mich, wenn anderswo Luxus-Designerrutschentürme aufgebaut werden.“ In der Tat lässt es sich die Stadt inklusive Fördermitteln rund 350.000 Euro kosten, ein Areal wie jenes an der Talstraße herzurichten. Mit dem hundertsten Teil davon könnte man an der Taubengasse wohl schon die vielen Kinder in der Nachbarschaft erfreuen.

2011 sah alles danach aus, dass es endlich klappen könnte. Die Bezirksvertretung Mitte hatte 17.000 Euro für Spielplätze lockergemacht – auch für die Taubengasse. Wo das Geld geblieben ist, wissen die Anwohner nicht. An der Taubengasse kam es jedenfalls nie an. Dass es einen riesigen Sanierungsstau auf Aachens Spielplätzen gibt, hat die Verwaltung indes erkannt.

Woraufhin jetzt beim Fachbereich Umwelt eine Planungsstelle neu eingerichtet werden soll, damit man den Missstand beheben kann. Darüber entscheidet heute der Personalausschuss. Der oder die „Neue“ wird nicht über Arbeitsmangel klagen. Dass nun endlich auch die Taubengasse dran ist, hoffen die Anwohner sehr. Auf AZ-Anfrage bei der Stadt heißt es, der Spielplatz stehe „auf Platz 10 der Prioritätenliste“, so Harald Beckers vom Presseamt. Weil dort aber einiges, was nicht mehr den Vorschriften entspreche, umgeplant werden müsse, schlage hier der Personalmangel durch.

Im zuständigen Fachbereich Umwelt seien die wenigen Kapazitäten für die Planung der aktuellen Großvorhaben gebunden, an denen auch Fördermittel hängen. Und die neue Fachkraft muss erst gefunden werden und sich einarbeiten. Renate Wuropulos jedenfalls bekam am Tag nach der Stadtteilkonferenz einen Anruf aus der Verwaltung. Tenor: „Man bat mich, Geduld zu haben.“ Ein Witz, über den die Leute an der Taubengasse nach zehn Jahren nicht lachen können.

Leserkommentare

Leserkommentare (6)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert