Großes Kino: Aachener spielt bei Bond mit

Von: Robert Esser
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Spitzenexport für Bond alias Daniel Craig: Gido Schimanski, Tänzer, Sänger und Schauspieler aus Aachen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Für den gelernten Balletttänzer und Schauspieler läuft‘s gerade spitze. Schimanski trifft nämlich Bond, auf der Leinwand, im brandneuen 007-Abenteuer „Spectre“. Damit dürfte erstmals ein Aachener in der wohl berühmtesten und erfolgreichsten Filmreihe weltweit im Kino zu sehen und zu hören sein.

„Es ist wie ein Traum, einfach fantastisch“, strahlt Gido Schimanski. Der 45-Jährige hat es in den James-Bond-Cast, die edle Schauspielerriege des Agententhrillers, geschafft – und steht da nun unter Weltstars wie Daniel Craig, Christoph Waltz, Monica Belucci, Ralph Fiennes und Andrew Scott. Eine solche Karriere war vor Jahren kaum absehbar, als er von der Grundschule Kronenberg erst aufs Pius-Gymnasium und dann auf die Luise-Hensel-Realschule wechselte, später eine Ausbildung beim Arbeitsamt abbrach, um beim Staatsballett der bayrischen Staatsoper zu einem fulminanten Tänzer zu avancieren.

„Aber ich wollte unbedingt spielen, immer etwas mit meiner Stimme machen“, erinnert sich der sympathisch bescheidene Künstler diese Woche beim Familienbesuch in seiner Heimatstadt – wo er übrigens vor gut zwei Jahren auf der Bühne des Grenzlandtheaters in der Rolle des George in „Ein Käfig voller Narren“ brillierte. Vorher stand er so ziemlich auf jeder renommierten Musicalbühne Europas: mit „Cats“, „Mamma Mia“ und in „Cabaret“ zum Beispiel. Quasi nebenbei drehte er fürs Fernsehen – etwa in der Vorabend-Serie „Verbotene Liebe“. Seit zehn Jahren ist sein Lebensmittelpunkt in London – der Arbeit und der Liebe wegen.

Dort entwickelte er als eine Art „Life-Coach“ ein Programm für prominente Künstler und Unternehmer, das jene ihr Leben mehr genießen lässt, diese auf den Punkt leistungsfähig und damit noch erfolgreicher macht. Offenbar half ihm das selbst auch: „Als meine Agentin mir einen Termin zum Bond-Casting durchtelefonierte, habe ich den Termin erstmal verlegt, weil ich dachte, es handele sich um irgendeine TV-Geschichte“, schildert Schimanski. Und zeigt sein breitestes Lächeln. „Als ich dann tatsächlich zum Vorspielen erschien, war ich so entspannt, dass mich der Regisseur Sam Mendes tatsächlich umbesetzte – von einer stummen zu einer Sprechrolle.“ Höher kann man einen – eigentlich noch wenig bekannten – Deutschen kaum adeln.

Im April standen Schimanskis Drehtage für „Spectre“ an. „Als ich in einem silbernen Jaguar zum Drehort gefahren wurde, dachte ich nur, ich muss träumen...“ Zwar traf er nicht persönlich James Bond alias Daniel Craig – der wurde gerade wegen eines Ski-Unfalls bei den Dreharbeiten in einer Klinik behandelt –, dafür aber Scott und Fiennes am Film-Set. „Zwei Wahnsinns-Schauspieler und ein unglaublich genialer Regisseur haben mir die fantastischsten Drehtage meines Berufslebens geschenkt“, schwärmt Schimanski. Familiär, hochprofessionell, ohne jede Allüren, sagt er. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass er mehr Verschwiegenheitsklauseln in seinem Filmvertrag unterschreiben musste „als das Londoner Telefonbuch Seiten hat“, lacht der Aachener. Er wusste nicht mal, wo der Drehort war – alles top secret.

Schimanski spielt den „Chairman“ der Vereinten Nationen, hat eine rund zweiminütige Szene bei einer internationalen Konferenz nach dem ersten Drittel des fertigen Films. Weltweite Aufmerksamkeit garantiert. Natürlich absolvierte er den Dreh auf Englisch, synchronisierte die deutsche Fassung (ab 5. November im Kino) selbst. Nach Aachen, München und London könnte nach Bond Hollywood kommen. „Mein Englisch hat einen leichten europäischen Akzent, deshalb werde ich in internationalen Produktionen gerne als Deutscher oder Schweizer besetzt.“ Gerade drehte er mit Hugh Laurie (bekannt aus „Dr. House“) auf Mallorca „The Night Manager“. Nach der BBC-Produktion steht er als Admiral Karl Dönitz vor der Kamera. Es läuft. Schimanski, der Ballett-Profi, bewegt sich spielend auf internationalem Parkett. Spitzenexport aus Aachen.

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