Großes Graben: Neue Rätsel, wenige Beweise

Von: Stephan Mohne
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Der „Tag der Wahrheit“ im Steinbruch in Hahn: Dort wurde nach Nachtspeicheröfen gesucht, die Mitarbeiter des Stadtbetriebs vor vier Jahren vergraben haben sollen. Gefunden wurde bei der aufwendigen Aktion allerdings (fast) nichts. Daraus ergeben sich neue Fragen und Rätsel. Foto: Ralf Roeger
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Könnte das etwas sein? Mit Spannung verfolgten auch viele Behördenvertreter – darunter Rechnungsprüfungsamtsleiter Dirk Emmerich (2.v.l.) und Kriminalhauptkommissar Anton Greven (Mitte) die Grabungsarbeiten.

Aachen. Drei Stunden hat der Maschinenführer mit seinem Bagger schon die Erde durchwühlt, als die Schaufel auf ein Metallteil stößt. Endlich. Jetzt scheint die Stelle entdeckt zu sein, an der vor etwa vier Jahren Mitarbeiter des Stadtbetriebs – ebenfalls mit einem Bagger – mehrere asbestverseuchte Nachtspeicheröfen vergraben haben sollen.

Doch dem ersten konkreten Fund im alten Steinbruch an der Dorfstraße in Hahn folgen nur wieder etliche Schüppen Erde. Keine Spur von weiteren Beweisen. Fast zumindest. Etwas später folgt noch ein weiteres Metallteil, das man einem Nachtspeicherofen zuordnen könnte. Und zuvor sind ein paar Schamottsteine ausgebuddelt worden, die in Öfen – allerdings nicht nur in Nachtspeichergeräten – Verwendung finden.

Es ist der Tag, an dem die Aussagen zweier Mitarbeiter des Stadtbetriebs weiter mit handfesten Beweisen unterfüttert werden sollen. Schon vor Wochen hatte die Stadt bei einer ersten oberflächlicheren Suche Metallteile und Schamottsteine gefunden. Jetzt will man die angeblich fast im Dutzend dort illegal unter die Erde gebrachten Geräte bergen. Unter der Federführung von Diplom-Ingenieur Tommi Köppen vom eigens beauftragten geotechnischen Büro Düllmann aus Bornheim geht es morgens los.

Die Firma Kutsch aus Stolberg hat neben dem Bagger Spezialfahrzeuge aufgefahren, schließlich geht es um heiklen Sondermüll. Jetzt liegt auch das letzte Zertifikat vor, das vergangene Woche noch fehlte, weswegen die Suche seinerzeit abgeblasen wurde. Im Steinbruch haben sich überdies reichlich Behördenvertreter eingefunden. So etwa Dirk Emmerich, der als Chef des Rechnungsprüfungsamtes die internen städtischen Ermittlungen leitet. Oder auch Kriminalhauptkommissar Anton Greven von der Kripo-Abteilung für Wirtschaftskriminalität, der für die polizeilichen Ermittlungen zuständig ist.

Bekanntlich hatte nach einer Strafanzeige der Stadt die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nach einer Weile blicken sie alle recht skeptisch. Da hat sich der Bagger schon ein ganzes Stück in den Boden des Steinbruchs gefressen. Doch die erwarteten Ergebnisse scheint die Suche nicht ans Tageslicht zu fördern. Tommi Köppen sagt: „Wir wussten vorher, dass das hier nicht so einfach sein wird.“ Oder wird einfach an der falschen Stelle gegraben? Wohl eher nicht, denn genau dieses Areal hat einer der „Kronzeugen“ auch der Kripo gezeigt.

Geräte wieder ausgegraben?

Und so wirft dieser „Tag der Wahrheit“ in Sachen Umweltfrevel durch städtische Mitarbeiter mehr Fragen und Rätsel auf, als dass er Antworten und Beweise liefert. Dass hier Öfen vergraben worden sind, scheint anhand der Funde – auch wenn es nur wenige sind – klar. Aber wie viele waren es wirklich? Wo sind die anderen Trümmer? Oder war es gar nicht die angegebene Menge? Oder war es so, wie nach Recherchen unserer Zeitung schon hinter vorgehaltener Hand gesagt wurde?

Demnach sollen die Öfen tatsächlich damals in größerer Zahl dort zertrümmert und vergraben worden sein. Kurze Zeit später allerdings bekam diesen Gerüchten zufolge jemand Angst vor der Entdeckung oder ein schlechtes Gewissen. Also buddelte man die Öfen wieder aus und transportierte sie ab. Nach dem gestrigen Tag ist das auch für Rechnungsprüfer Emmerich eine „naheliegende Vermutung“. Aber wohin ging danach die Reise? Das wäre dann die nächste Frage. Oder auch jene nach dem Warum der ganzen Aktion, die auch OB Marcel Philipp schon gestellt hat.

Fakt ist jedenfalls: Die Aussagen der beiden Mitarbeiter – nicht nur in Sachen Steinbruch, sondern auch hinsichtlich zahlreicher weiterer Anschuldigungen wie Drogenmissbrauch, Unterschlagung oder auch Nebentätigkeiten während der Dienstzeit – hatten eine Welle interner und externer Ermittlungen ausgelöst und gipfelten in Gerüchten über „Gefälligkeiten“ für Politiker und hochrangige Beamte. Bewiesen ist indes nur wenig – bisher zumindest. Einer der Hauptbeschuldigten hat die Kündigung erhalten – allerdings nicht wegen besagter Vorwürfe, sondern wegen falscher Fahrtkostenabrechnungen in Höhe von 20 bis 30 Euro.

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