Aachen - Großes Affentheater mit Herbert Knebel

Großes Affentheater mit Herbert Knebel

Von: Albrecht Peltzer
Letzte Aktualisierung:
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Die Kappe sitzt, der Humor stimmt: Herbert Knebel (links) begeisterte mit seinen „Männern ohne Nerven“ einmal mehr das Publikum im ausverkauften Audimax. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Diese Bitte verhallt ohne Wirkung: „Bitte reißt Euch zusammen“, ruft Uwe Lycko alias Herbert Knebel ins Mikrofon. Doch die mehr als 1000 Knebel-Fans im ausverkauften Audimax tun dem Ruhrpott-Komiker den Gefallen nicht. Im Gegenteil.

Sie johlen, pfeifen, klatschen. Knebel, im Elvis-Kostüm mit Hochwasser-Hose, klassischer Brille und ebensolcher Kappe grinst schelmisch. Zusammenreißen soll sich natürlich keiner. Wenn „Häbbät“ mit seinem Affentheater als „Männer ohne Nerven“ die Bühne entert, droht kein Stimmungsuntergang. Im Gegenteil.

Apropos Kappe: Der ein oder andere mag sich ja gefragt haben, warum Herbert Knebel und seine Kopfbedeckung quasi eine untrennbare Einheit eingegangen sind – seit gefühlten Jahrzehnten. Die Aufklärung folgt im Audimax vor der frenetisch geforderten zweiten Zugabe: Knebel hat Elvis Presley in jungen Jahren imitiert.

Und sich zentnerweise „Brisk“ in die Tolle geschmiert. Was natürlich zu Haarausfall führte. „Und dann hab ich vor vielen Jahren die Kappe aufgesetzt“, sagt Knebel, „weiß der Teufel, wie es jetzt darunter aussieht…“

Erstklassiges Rocktrio

Die „Männer ohne Nerven“ – neben Knebel sind das Ernst Pichl (Bass und Klamauk), „der Trainer“ (Schlagzeug und Klamauk) und Ozzy Ostermann (Gitarre und Klamauk) – setzen auch bei ihrem aktuellen Programm auf Bewährtes: feinste Blödelei und beste Rockmusik.

Das „Affentheater“ ist dem Ursprung nach ein erstklassiges Rock-Trio. Und so werden die Fans mit einem hoch-amüsanten Parforce-Ritt durch die Musikgeschichte der 60er und 70er Jahre bedient. Aus dem Hit „Wild Thing“ der Troggs wird Knebel als „Siedlungsking“, der Beach-Boys-Klassiker „Do It Again“ mutiert zu „Mach et doch“, Chuck Berrys „Jonny B. Good“ funktioniert der Ozzy Ostermann in „Ozzy is good“ um.

Wer sich musikalisch bestätigen lassen will, wie wenig amüsant der öffentliche Nahverkehr ist, der lauscht begeistert dem Woodstock-Hit „Marrakesch Express“ von „Crosby, Stills, Nash & Young“, den Knebel und Co. zum „Regionalexpress“ werden lassen. Endgültig alle Dämme brechen dann, als das Quartett sich musikalisch weigert, die letzten Tage seiner Menschheit im Seniorenheim zu verbringen. Zur Melodie von Scott McKenzies „San Francisco“ rocken sie „Ich geh‘ nie ins St. Franziskus“. Herrlich!

Knebels Solo-Einlagen funktionieren auch nach so vielen Bühnenjahren immer noch. Der Rentner aus dem Ruhrpott bedient aufs Beste alle Klischees des liebenswerten Spießbürgers. Er wundert sich zum Beispiel darüber, dass seine Gattin Guste nicht schwimmen kann – was er erst merkt, als er sie ins Schwimmbecken stößt. Er geht mit Guste beim Inder essen und sieht gelassen zu, wie seine bessere Hälfte beim höllisch scharfen Lamm-Curry fast den Löffel abgibt. Das alles ist so unglaublich komisch, dass es Szenenapplaus am sprichwörtlichen laufenden Bande gibt.

Höhepunkt aber ist ein Gesellschaftsspiel. Knebel und seine drei Mitstreiter spielen auf der Bühne „Stadt, Land, Fluss“. Wobei sich der sonst immer abständig wirkende „Trainer“ als wahres Genie erweist. Komik vom Feinsten, witzig, spritzig, ansteckend. Knebel wird bei der Verabschiedung nach gut zwei Stunden Affentheater sagen, dass das Audimax in Aachen seine Lieblingsbühne ist.

Da sitzt keiner der Fans mehr auf dem Stuhl. „Von innen jung“ (nach Bob Dylans „Forever young“) singen die Vier zum Schluss. In die Jahre gekommen sind Knebel, Ostermann, Pichel und „Trainer“ vielleicht äußerlich (wie sieht es unter der Kappe aus?), aber ihre Show ist frisch und witzig wie immer. Danke – und bis zum nächsten Mal im Audimax!

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