Großer Zirkus um Roncallis Plakatflut

Von: Oliver Schmetz
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Umstrittene Plakate:  Wie hier
Umstrittene Plakate: Wie hier an der Josefskirche kann es laut Stadt gar keine Genehmigung geben. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Zirkus ist noch gar nicht da und hat doch schon begonnen. Allerdings nicht in der Manege, sondern auf Aachens Straßen und Plätzen. Und auch nicht zur Freude, sondern eher zum Ärger so mancher Bürger.

Denn dass der Circus Roncalli ab dem 27. Mai auf dem Bendplatz gastiert, teilt er den Aachenern gerade unübersehbar mit. Eine regelrechte Plakatflut überschwemmt die Stadt, die sich seit genau einem Jahr auf die Fahnen geschrieben hat, gegen wildes Plakatieren hart und konsequent durchgreifen zu wollen.

Und es sieht einiges recht „wild” aus, was die Zirkusleute da in den vergangenen paar Tagen im Stadtbild aufgehängt haben: So stößt man bei einem kurzen Rundgang durchs Ostviertel auf mehr als 80 kleinere Plakate im öffentlichen Straßenraum und mehrere große Aufsteller etwa am Blücherplatz, am Europaplatz und an der Einfahrt zum Real-Markt. Alleine 30 Banner hängen beispielsweise an der Umzäunung des ehemaligen Wertz-Geländes an Hohenzollernplatz und Joseph-von-Görres-Straße - einige davon übrigens gleich neben und unter den offiziellen und kostenpflichtigen Flächen, wie sie Werbefirmen vermieten. Hochgerechnet dürften es im gesamten Stadtgebiet mindestens hunderte kleinere Plakate sein.

„Eine Werbefirma ist wegen der Roncalli-Plakate schon bei uns vorstellig geworden”, erklärte Rita Klösges vom städtischen Presseamt auf Anfrage der AZ, bei der sich wiederum empörte Aachener gemeldet und gefragt hatten, ob ein solch massives Plakatieren denn rechtens sei. In der Stadtverwaltung glühten gestern bei der Suche nach einer Antwort die Telefondrähte. Vollständig hat man sie bislang noch nicht gefunden. „Wir haben die Genehmigung für rund 20 Großflächenwerbetafeln erteilt”, sagte Klösges. Was die vielen kleineren Werbeträger angeht, „müssen wir noch gucken, ob es dafür eine Genehmigung gibt”. Allerdings kann sich die Stadtsprecherin nach eigenem Bekunden nicht vorstellen, dass diese für eine solche Menge erteilt worden ist. „Und es gibt Stellen, wo es offensichtlich keine geben kann, etwa direkt neben den kostenpflichtigen Flächen oder etwa am Straßengeländer vor der Josefskirche.”

Für den Circus Roncalli erklärte Pressesprecher Harald Ortlepp, dass es eine Plakatiergenehmigung seitens der Stadt gebe, er aber keine Aussage über den genauen Umfang machen könne. Und die Roncalli-Tourneeleiterin Angela Weller ergänzte, dass man versehentlich falsch aufgehängte Plakate selbstverständlich wieder entfernen werde. Allerdings werde in Sachen Plakatieren für Zirkusse vielerorts „aus alter Tradition auch eine Ausnahme gemacht”, betonte sie.

Das bestätigt auch Klösges. „Wir drücken da schon einmal ein Auge zu”, sagt sie. Doch das trifft auch nicht immer zu - wie im vorigen Herbst der kleine „Circus Amany” in Eilendorf zu spüren bekam. Der hatte auch wild plakatiert und damit den Stadtbetrieb auf den Plan gerufen, der die Werbung ohne Rücksprache kurzerhand entfernte. Und auch der Circus Roncalli bekam es bei seinem Gastspiel vor fünf Jahren in Aachen in Sachen wildes Plakatieren schon einmal mit der Stadt zu tun. Damals wurde ihm ein Zwangsgeld angedroht, weil er für seine Werbung Verkehrsflächen nutzte. Ob es diesmal wieder so weit kommt, bleibt abzuwarten. Erst einmal wird wohl miteinander geredet. Klösges: „Wir werden das jetzt prüfen und dann mit den Verantwortlichen Kontakt aufnehmen.”
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