Großer Brunnen am Europaplatz wird fit für den Sommer gemacht

Von: red
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Lediglich in der Mitte des Platzes schießt anfangs das Wasser in die Höhe. Bis die kleine Schüssel vollgelaufen ist, dauert es rund zehn Minuten, danach fließt das Wasser hinab in das große Becken. Foto: Stadt Aachen/Nadine Jungblut
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Um 6.30 Uhr geht’s los: 34 Düsen müssen angeschlossen, 51 Scheinwerfer montiert und 1,2 Kilometer Kabel verlegt werden. Foto: Stadt Aachen/Nadine Jungblut
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Jürgen Errens zeigt indes im Gewölbekeller unter dem Brunnen, wo heute noch die Wurm fließt. Foto: Stadt Aachen/Nadine Jungblut

Aachen. Die Sonne steht hoch und wirft kurze Schatten am Europaplatz. Es ist Mittag. Der Moment, wo sie alle für einige Sekunden den Atem anhalten. In diesem Augenblick entscheidet sich, ob es läuft, oder nicht – das Wasser.

„Es ist jedes Jahr aufs Neue eine Wundertüte“, sagt Jürgen Errens. „Spritzt das Wasser aus Stellen, wo es nicht spritzen soll? Sind alle Kabel richtig angeschlossen? Funktionieren die Düsen?“ Der 51-Jährige Vorhandwerker sorgt dieser Tage wieder dafür, dass der Brunnen am Europaplatz aus seinem Winterschlaf geweckt wird. Mit einem Dutzend Mann Unterstützung – allesamt aus dem Gebäudemanagement der Stadt Aachen (E 26) – arbeitet er bereits seit 6.30 Uhr hier.

Allein 34 Düsen müssen angeschlossen, 51 Scheinwerfer montiert und 1,2 Kilometer Kabel verlegt werden. Hier wird jede Hand gebraucht, alles aufgefahren, was der städtische Fachbereich an Kräften zu bieten hat: Schlosser, Elektroniker, Installateure, Schreiner. Fast 80 Brunnen im Stadtgebiet setzt E 26 im Frühjahr wieder in Stand. Aber der Europaplatz ist Königsdisziplin. Ganze 3600 Kubikmeter Wasser fasst die große Schüssel an der Autobahnauffahrt. „Da können Sie mal ausrechnen, wie viele Badewannen das sind“, sagt Jürgen Errens lachend. Zur Info: In eine Badewanne passen circa 0,2 Kubikmeter Wasser.

Und so müssen die Männer von E 26 auch ein wenig Geduld mitbringen. Der Startschuss am Mittag hat reibungslos geklappt. Kurzes Aufatmen. Doch bis der Brunnen am Europaplatz mit hundert Metern Durchmesser bis zum Rand gefüllt ist, braucht es mehr als einen ganzen Tag. Bei solchen Wassermassen wird zuvor die Stawag informiert. „Bei dem Druckabfall gehen die sonst von einem Rohrbruch aus und rücken mit einer Staffel Notfallwagen an“, weiß Errens. Er spricht aus Erfahrung. Heute ist er bereits zum 22. Mal dabei, den Europaplatz „anzuschmeißen“.

So richtig kennengelernt hat er das Wahrzeichen allerdings schon in seiner Kindheit. „Da gab es bei uns die Mutprobe, einmal durch den Schacht unter dem Platz durchzukrabbeln. Dort, wo die Wurm fließt, vom Blücherplatz bis ins Wiesental.“ Damals war Jürgen Errens zehn Jahre alt. Heute ist der Schacht längst verschlossen. Doch die Wurm fließt immer noch unter dem Becken. Und man kann sie auch sehen – im Gewölbekeller, in den man durch eine Luke in der Mitte des Brunnens gelangt.

Das war nicht immer so. Als der Europaplatz anno 1958 für die Autofahrer freigegeben wurde, mussten die Arbeiter noch durch einen 50-Meter Schacht kriechen, der vom Außenring des Kreisverkehrs hin zur Mitte des Brunnens reichte. Jürgen Errens wählt heute den einfacheren Weg. Dort unten im Gewölbekeller, neben allerlei Technik sowie zahlreichen Wasserpumpen, führt eine Tür in den Boden. Jürgen Errens öffnet sie lächelnd. Darunter kommt leise plätschernd die Wurm zum Vorschein. Der 51-Jährige muss schmunzeln: „Da werden Erinnerungen wach.“

Heute spielt die Lage der Wurm nur in den Herbstmonaten eine Rolle, wenn das Wasser aus dem Brunnen gelassen wird. Dann fließen hunderte Liter in den Fluss, das später leere Becken wird vom Schlamm gereinigt und der Brunnen wieder winterfest gemacht. Doch bis dahin sind es noch ein paar Monate. Und so lange begrüßen fortan wieder hohe Wasserfontänen Gäste an einer der wohl schönsten Autobahnauffahrten unseres Landes.

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