Großer Ärger um das Alemannia-Spiel am Karnevalssonntag

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
„Bemühungen um eine Verlegun
„Bemühungen um eine Verlegung waren vergebens”: Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer.

Aachen. Wenn sich am Karnevalssonntag der Kinderzug durch die Innenstadt schlängelt, wird man alles daran setzen, die größte Fußgruppe außen vor zu halten. Denn die Gäste aus dem hohen Nordosten werden zwar blau-weiß kostümiert sein, doch sind sie nicht als Freunde des rheinischen Frohsinns bekannt.

Und auf das Fangen von Bonbons sind sie auch nicht scharf.

Im Gegenteil: Am vorigen Wochenende in Bochum fielen einige Fans von Hansa Rostock eher durch Werfen auf - Stöcke und andere Gegenstände flogen Richtung Polizei.

Die Folgen: 42 Verletzte, darunter fünf Polizisten und neun Sicherheitskräfte, 19 Festnahmen. „Etliche Rostocker Problemfans” hätten auf dem Weg vom Hauptbahnhof zum Stadion „sehr aggressiv agiert”, bilanzierte anschließend die Bochumer Polizei.

Und jetzt spielt Rostock in Aachen, am Karnevalssonntag um 13.30 Uhr, während die Innenstadt dicht ist, weil Zehntausende auf den Beinen sind und beim Kinderkostümzug Karneval feiern.

Der Aachener Polizei steht ein „Großkampftag” bevor. „Wir werden deutlich mehr Polizisten einsetzen als beim Heimspiel gegen St. Pauli”, sagt Polizeisprecherin Iris Wüster. Und man werde dafür sorgen, dass die Rostocker, von denen man rund 2000 erwarte, nicht mit dem hiesigen Straßenkarneval in Berührung kommen: „Die Wege werden sich nicht kreuzen.”

Der Polizei könnte da zupass kommen, dass wohl kein Sonderzug für die Gästefans eingesetzt wird und die normalen Zugverbindungen von der Ostseeküste in den Westzipfel für Mittagsspiele äußerst ungünstig sind.

„Die große Masse wird mit Bussen und Pkw anreisen”, schätzt Wüster. Heißt: Der problematische Weg vom Bahnhof mitten durch die Stadt zum Stadion fällt für das Gros der Gäste wohl weg. Und auch wenn sich daran noch etwas ändern sollte, sieht sich die Polizei gewappnet. „Wir haben die Zusage, dass wir genügend Einsatzkräfte erhalten”, sagt Wüster.

Wegen der „Kräftelage” in NRW habe die Polizei zunächst Bedenken gegen die Ansetzung bei der Deutschen-Fußball-Liga (DFL) angemeldet. Aber mit der Personalzusage seien die Bedenken ausgeräumt, so Wüster.

Warum nun aber ausgerechnet im nicht gerade als närrische Hochburg bekannten Bochum am Samstag gegen Union Berlin gespielt wird, während dem närrischen Aachen ein Karnevals-Chaos droht, vermag man bei der DFL nicht im Detail zu beantworten.

Viele Faktoren spielten bei den Ansetzungen ein Rolle, erklärt DFL-Pressesprecher Kay-Oliver Langendorff, und die Sicherheit stehe stets im Vordergrund. So auch diesmal: „Die Ansetzungen sind mit der ZIS und den Behörden abgestimmt.” Hinter dem Kürzel verbirgt sich die „Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze”, die bundesweit Fußball-Gewalttäter beobachtet.

Dass das Alemannia-Heimspiel am Karnevalssonntag „sicher nicht optimal” sei, räumt aber auch der DFL-Sprecher ein: „Das ist etwas unglücklich.”

Aseag-Sprecherin Anne Linden würde dies sicher etwas härter formulieren, denn ihr gehen bei der Beschreibung dessen, was der Aseag am Spieltag bevorsteht, beinahe die Superlative aus. „Logistisch erwartet uns eine riesige Höchstleistung.” Unter Hochdruck suchten die Verkehrsplaner Antworten auf die Frage, wie man aus den Stadtteilen, in denen auch noch Viertelzüge stattfinden, Fußballfans durch eine weitgehend gesperrte Innenstadt zum Stadion bringen kann - und wieder zurück.

Gar nicht zu reden von den Umzügen im benachbarten Würselen oder in Baesweiler, die teils pünktlich zum Spielschluss beginnen. „Bei Alemannia-Spielen fahren wir 22 Ziele an”, bilanziert Linden, „diesmal müssen wir bei 18 davon Umleitungen einbauen.”

Gut möglich ist aber, dass sich das Fahrgastaufkommen in Grenzen hält. Denn die Alemannia befürchtet einen Minusrekord. Gerade einmal 350 Tageskarten hat man bislang verkauft - deutlich weniger als sonst.

„Wahrscheinlich würden an Heiligabend mehr Zuschauer ins Stadion kommen”, vermutet Geschäftsführer Frithjof Kraemer. Schon vor der Saison habe man die DFL um ein Auswärtsspiel an den tollen Tagen gebeten, dann bei der Terminierung darauf hingewiesen, dass Sonntag und Rosenmontag problematisch seien, und schließlich noch einmal „sehr deutlich” eine Verlegung erbeten.

„Bekanntlich waren alle diese Bemühungen vergebens.” Vielleicht, meint Kraemer, solle man einmal eine grundsätzliche Lösung dieser Frage überlegen. Bloß: Mit ihrem Karnevalsproblem steht die Alemannia diesmal alleine da. Die Klubs aus den anderen närrischen Hochburgen - Köln, Düsseldorf, Mainz - dürfen alle auswärts spielen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert