Großeinsatz rund ums Stadion: Trennung der Fans oberste Priorität

Von: Hans-Peter Leisten
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Das Beste draus machen: Alemannias Greenkeeper Paul Classen beackerte am Freitag noch das arg strapazierte Grün im Tivoli. Foto: Michael Jaspers
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Zusätzliche Sicherheit: Spezielle Sperrgitter sollen die Essener von den Aachenern separieren.

Aachen. Um 9 Uhr ist am Samstag Dienstbeginn für die Aachener Polizei. Was auch an einem Samstag für Polizeisprecher Paul Kemen nicht ungewöhnlich ist. Und doch ist für die Polizei ein besonderer Tag: Die Einsatzmechanismen für die 1. Bundesliga halten Einzug bei einem Spiel der Regionalliga West. Vieles, aber nicht alles ist kalkulierbar. Der Knüller Alemannia Aachen gegen Rot-Weiß Essen erfordert besondere Maßnahmen – von denen auch Nicht-Fußballinteressierte betroffen sein werden.

Wann es wirklich losgeht, weiß auch die Polizei nicht genau, denn sie muss ihre Informationen in den sozialen Netzwerken zusammensuchen. Danach steht fest, dass sich die Aachener Fans zwischen 10 und 11 Uhr auf dem Markt zum Gruppenfoto treffen wollen. Von dort werden sie in einem Zug über noch unbekannte Wege zum Tivoli marschieren. Die Polizei hat ihre Präsenz deutlich erhöht, warnt aber vor Verkehrsbehinderungen ab etwa 10.30 Uhr.

Oberste Priorität hat die Vermeidung von „Feindberührung“. Soweit möglich, werden die Wege komplett getrennt. „Wir rechnen mit 6000 Essenern“, kalkuliert Pressesprecher Kemen. Die meisten werden kurz vor 12.30 Uhr am Westbahnhof per Sonderzug eintreffen, von dort wie berichtet in Shuttle-Bussen direkt zum Gästeeingang am Tivoli gefahren. Diesen neuralgischen Punkt wird die Polizei auch deshalb genau im Blick behalten, weil die Busse aus Essen dort parken.

Nicht wundern dürfen sich die Aachener, wenn sie unter den rot-weißen Trikots auch grün-weiße finden. Zwischen RWE und Werder Bremen gibt es eine Fan-Freundschaft – genau wie zwischen Alemannia und Roda Kerkrade. Daher hat die Aachener Polizei mit szenekundigen Beamten aus Essen und Bremen zusammengesessen und die Einsatzlage abgesprochen. So soll auch vermieden werden, dass Pseudo-Fans mit Stadionverbot in den Tivoli kommen. Auf beiden Seiten gibt es Problemfans der Kategorie C, für die Fußball Nebensache ist. Auch aus diesem Grund haben beide Vereine im Vorfeld entsprechende Appelle an ihre Anhänger gerichtet und Fairness und Sportsgeist eingefordert. In jedem Fall wurde der Ordnungsdienst im Stadion personell erheblich aufgestockt.

Konkret eingreifen kann, darf und will die IG der Alemannia-Fans und Fan-Clubs überhaupt nicht. Die Mannschaft um IG-Sprecher André Bräkling hat genug damit zu tun, den außersportlichen Rumpfkader am Tivoli zu unterstützen. Nichtsdestotrotz hat Bräkling eine klare Meinung zum heutigen Spiel: „Es gibt so viele Fußball-Fans, die heutzutage die Tradition vermissen. Wer also wirklich ein Problem mit Klubs wie Hoffenheim, Wolfsburg oder Leipzig hat, der sollte den Charakter des heutigen Spiels hoch schätzen – und eine Chance für den Fußball darin sehen.“ Diese Perspektive will der IG-Sprecher durchaus als Appell verstanden wissen. In diesem Sinne hat die IG auch nach einem Treffen mit der FFA Essen (Fan- und Förderabteilung Rot-Weiss Essen) einen gemeinsamen Aufruf veröffentlicht. Bei allem Verständnis für die notwendige Rivalität wird darin eine klare Grenze gezogen: „Aggressivität gehört – natürlich im Rahmen der Fußballregeln – nur auf den Platz.“

Konkret bedeute das, dass man eine Faust allenfalls in der Tasche machen soll. „Jeder muss sich der Bedeutung dieses Spiels für die Fußballkultur klar werden. Wo Provokationen aufkeimen, kann jeder beschwichtigend einwirken. Lieber im Stadion die Seele aus dem Leib schreien und dann anschließend gemeinsam ein Bier trinken“, wünscht sich Bräkling. Das Hinspiel in Essen habe gezeigt, dass dies funktioniere. Rund um diese Partie sei alles absolut friedlich geblieben. Auch am Samstag komme es darauf an, Krawalllustigen keine Plattform zu bieten. Das Spiel sei eine Werbung für Traditionsvereine an sich: „Und das bei einem Fußballfest, von dem man zwischen Wolfsburg und Hoffenheim und von Leverkusen bis Leipzig noch nicht einmal zu träumen wagt.“

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