Großeinsatz der Polizei: Richtiges Auge für die Einbrecher

Von: Stephan Mohne
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Reihenweise Polizisten auf der Suche nach Verbrechern: Mit einem Großeinsatz sollte landesweit – wie hier an der Vaalser Straße – gegen die Einbruchskriminalität vorgegangen werden. Alleine in Aachen und Umgebung waren 200 Beamte auf den Straßen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Sebastian Schulte reckt im schneidenden Wind an der Vaalser Straße den Kopf nach vorne und kneift leicht die Augen zusammen. Der konzentrierte Blick des Polizeikommissars geht durch eine Windschutzscheibe. Im nächsten Augenblick macht er eine Lippenbewegung: Das Wort „weiterfahren“ kann man ablesen.

 Nächstes Fahrzeug, ein Lieferwagen. Wieder Schultes Blick. Diesmal winkt er mit der roten Signalkelle den Wagen heraus. Wenige Meter weiter kontrollieren die Kollegen von der Einsatzhundertschaft den Fahrer. Ist er vielleicht ein Einbrecher, der aus den Niederlanden einreist und auf Beutezug gehen will? Nein, ist er wohl nicht. Also heißt es: „Weiterfahren.“ Die Kontrolle nahe der Grenze an diesem Nachmittag ist Teil eines Großeinsatzes. 2100 Polizisten sind in NRW auf den Beinen, 200 alleine in der Städteregion. Das Ziel: Bekämpfung der Einbruchskriminalität.

Das ist nicht nur für die vielen Opfer, sondern auch für die Polizei ein unerfreuliches Thema. Die Aufklärungsquoten sind – vorsichtig gesagt – bescheiden. 2011 zum Beispiel gab es im Bereich des Aachener Polizeipräsidiums rekordverdächtige 2062 Wohnungseinbrüche. Gerade einmal 315 wurden aufgeklärt , was eine Quote von 15,3 Prozent entspricht. „Das ist nicht gut“, sagt denn auch der neue Aachener Kripochef Frank Hoever.

Dass die Zahlen 2012 nach bisherigen Auswertungen rückläufig sind, kann da auch nicht wirklich trösten. Zumal es in der ersten Januarwoche wieder kräftig zur Sache gegangen ist. Auch die medienwirksam aufgezogene Großaktion an diesem Donnerstag ist soll wohl eher darstellen, dass die Polizei etwas tut. Just jetzt ist nämlich die Analyse einer Expertengruppe im Auftrag des NRW-Innenministeriums ans Licht gekommen, die ein ernüchterndes Ergebnis hat. Denn die polizeilichen Mittel gegen die sehr beweglichen, überörtlich agierenden Banden sind begrenzt. Und wenn dann Täter festgenommen werden, sind es oft noch Kinder unter 14 Jahren. Sie werden in Pflegefamilien gegeben und sind ein paar Stunden später über alle Berge.

An der Vaalser Straße erklärt Polizeikommissar Schulte erklärt den Journalisten, dass sein Job an diesem Nachmittag auch etwas mit Gespür zu tun hat. Das Herauswinken der Fahrzeuge habe etwas mit dem Gefühl zu tun, ob da im Wagen nun ein Verbrecher sitzen könnte oder auch nicht. Und so darf ein Roller passieren, auf dem ein mindestens 75 Jahre altes Ehepaar sitzt. Kripo-Chef Hoever berichtet derweil, dass man im Laufe des Tages auch schon einen Erfolg verbucht habe.

Gegen halb sieben morgens entern etliche Beamte mit Durchsuchungsbefehlen zwei Häuser am Adalbertsteinweg, in denen nach Ermittlungen der Einbruchssonderkommission „Flex“ Tatverdächtige vermutet werden. Ein 27-Jähriger wird festgenommen – zunächst wegen illegalen Aufenthalts.

Seine Fingerabdrücke verraten jedoch: Der Mann kommt für einen Einbruch im April – ausgerechnet in der Nähe des Polizeipräsidiums am Soerser Weg – in Frage. Laut Frank Hoever bleiben die Einbrüche neben Gewaltdelikten und der Bekämpfung der Ursachen für Unfälle einer der Schwerpunkte der Aachener Polizei.

Wäre es da nicht besser, die Beamten außerhalb des Großeinsatzes regelmäßig in die Wohngebiete zu schicken und dort Präsenz zu zeigen? Das, so Hoever, geschehe auch. „Im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten“, wie er hinzufügt. Die Personalkapazitäten der Polizei sind eben knapp. Erfreulich sei es, dass mittlerweile 40 Prozent aller Einbruchsversuche scheitern. Die Menschen setzten mehr auf Sicherheitsmaßnahmen und seien aufmerksamer.

Polizeikommissar Sebastian Schulte und seine Kollegen rücken nach einiger Zeit an der Vaalser Straße ab. Feierabend ist da aber noch nicht. Es warten noch andere Einsatzorte. Dass auch an diesem Tag in Aachener Häuser eingebrochen wird, kann die Aktion nicht verhindern. Dennoch soll es nicht die letzte ihrer Art gewesen sein. Nächstes Mal, so Hoever, wird man zum Beispiel in Bussen uns Bahnen zusammen mit der Bundespolizei verstärkt suchen.

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