Große und kleine Künstler übernehmen Karls Zepter

Von: Matthias Hinrichs
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Tanz, Musik, Bilder, Skulpturen und ein berühmtes rotes Sofa: Das Karlsjahr soll vor allem im Zeichen der kreativen Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stehen. Foto: Stadt Aachen

Aachen. Spätestens seit das famose Karlsfest am Sonntag Tausende in die City gelockt hat, überstrahlt die Aura des großen Franken das Dreiländereck wohl fast so wie weiland – auf den Tag genau vor genau 1200 Jahren, als der erste Kaiser des Abendlands zu Grabe getragen wurde.

Was aber wäre der berühmteste Herrscher ohne sein Volk? Und wie blicken seine Kindeskinder heute auf seine Epoche? Was ist geblieben von seinem unerhörten Wirken, seinem Reich, seinen Gedanken? Antworten will das umfangreiche Rahmenprogramm zum 1200. Todesjahr des Stadtpatrons in den kommenden Monaten mit einer enormen Fülle an kreativen, plakativen, hintergründigen, auch kontroversen Beiträgen liefern.

„Nach dem fantastischen Auftakt wollen wir das Phänomen Karl von den unterschiedlichsten Seiten beleuchten und dabei auch und gerade die Jüngsten aktiv einbeziehen“, erklärte OB Marcel Philipp am Montag bei der Vorstellung des schillernden Reigens der Projekte, die bis in den Herbst hinein an vielen Ecken der Stadt für Furore sorgen sollen. „Erinnerung an die Zukunft – die Generation Charlemagne“ haben die Organisatoren vom städtischen Kulturbetrieb und zahlreichen freien Initiativen aus der gesamten Euregio das pralle Paket mit rund 100 Angeboten nicht von ungefähr betitelt, das sich rund um die drei großen Karls-Ausstellungen im Sommer ranken wird. Ein regelrechtes „Kinderkönigreich“ wird zudem im Ludwig Forum ausgerufen.

Zwölf Künstler aus dem gesamten Grenzland sind übrigens im Atelierhaus an der Süsterfeldstraße und bei der Initiative „Kukuk“ im alten Grenzhäuschen in Köpfchen längst zur Tat geschritten. „Ecco Homo“ haben sie ihre Präsentationen genannt, die sich aus vielfältigen Positionen heraus mit Europas Geschichte und Gegenwart auseinandersetzen. Bis 9. März sollen dabei nicht zuletzt gemeinsam geschaffene Werke und auch der Diskurs über deren Inhalte und Ziele im Mittelpunkt stehen.

Begegnung und Austausch heißt die Devise auch, wenn der bekannte Künstler Horst Wackerbarth unter dem Motto „Eine Couch kehrt zurück“ auf sein nicht minder prominentes rotes Sofa bittet. Auf zahlreichen Plätzen in Stadt und Region will Wackernagel damit an seine Performance-Reihe von 2011 in der Aula Carolina anknüpfen. „Diesmal soll eine ,soziale Plastik‘ entstehen, die vor allem durch Gespräche mit jungen Menschen zum Leben erweckt wird“, erläuterte Rick Takvorian vom städtischen Veranstaltungsmanagement. Der Clou: Die Interviews sollen im Sommer, in Gestalt großformatiger Bilder und Videos auf Hausfassaden proji ziert, ein besonders breites und spontanes Publikum finden.

Völlig neue „Wand-Erlebnisse“ verspricht auch der renommierte Aachener Graffiti-Künstler Lars Kesseler, alias Lake 13. Er wird etliche eigens reservierte Flächen mit seinen Werken adeln. So soll auf dem Verteilerhaus der Stawag an der Ecke Krefelder Straße/Rolandstraße ein großformatiges Porträt Karls entstehen. In der Aula Carolina wird derweil statt Wackerbarths Sofa eine durchaus „alltagstaugliche“ Skulptur des Pulheimer Künstlers Holger Hagedorn installiert. Hagedorns „Runde Tafel“ soll im Juli und August zugleich das Bühnenbild für eine ganze Reihe von kreativen, politischen, pädagogischen Happenings liefern. Bereits am 21. und 22. Juni folgen Musiker und Tänzer auf dem Hof unterdessen den abenteuerlichen Pfaden des kaiserlichen Gesandten Isaac, der in Karls Auftrag dereinst bis zum Hof des Kalifen von Bagdad reiste. Im Rahmen der Heiligtumsfahrt rücken sie damit die Begegnung der Weltreligionen mit unterschiedlichsten Inszenierungen ins Blick- und Horchfeld.

Ganz groß sollen freilich vor allem die Kleinsten über den ganzen Sommer hinweg im und rund ums Ludwig Forum herauskommen. Vom 1. Juni bis 21. September überreicht der polnische Künstler Pawel Althamer an der Jülicher Straße das kreative Zepter zur Proklamation des „Kinderkönigreichs“ an seine jüngsten Kollegen weiter. Sie können die Wände der Restaurierungswerkstatt bemalen, an Workshops teilnehmen, sich an der Gestaltung einer großen Skulptur im Hof und an einem „Zeichner-Kongress“ beteiligen, der für alle Interessierten und alle Generationen offen ist. Als Leitfaden soll die Auseinandersetzung mit dem Thema Macht und Herrschaft dienen. Den Höhepunkt der Aktionswochen soll eine große Parade in Fantasie-Uniformen am 14. September mitten auf der Jülicher Straße markieren, erklärte die Museumsdirektorin Dr. Brigitte Franzen am Montag.

Weniger spektakulär, aber ebenso spannend: Anfang Oktober schließlich gehen Schulklassen aus der Region mit ihren Kameras auf die Pirsch nach Motiven rund ums Karlsjahr. Die besten Bilder sollen im Internet und in Form einer Wanderausstellung präsentiert werden. Damit sich nicht nur die Aachener und ihre Gäste noch lange an ein spektakuläres Festjahr erinnern, das am Todestag des großen Kaisers eine allemal überraschende und aufregende Zukunft verheißt.

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