Große Nachfrage: U3-Plätze reichen längst nicht aus

Von: Stephan Mohne und Thorsten Karbach
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Aachen. Klar, Aachen liegt bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren landesweit an der Spitze. Doch das reicht bei weitem nicht. Die Nachfrage übersteigt laut Elke Münich stets das Angebot: „Wir haben immer mehr Nachfragen als Plätze.

Im Hinblick auf die verpflichtende Quote von 35 Prozent für den Rechtsanspruch 2013 stehen wir gut da, aber aus Sicht der Eltern, die wir nicht versorgen können, ist die Situation unbefriedigend”, erklärt die Leiterin des Fachbereichs Kinder und Jugend.

Mehr noch: Besagte 35 Prozent werden wohl nicht reichen. Experten bezweifeln diese Marke schon lange. „Die Zeichen sind eindeutig anders. Danach liegt der Bedarf weit höher als bei 35 Prozent”, erläutert Münich. Will sagen: Selbst Aachen mit seiner derzeitigen Quote von über 27 Prozent muss kräftig nachlegen.

Helfen könnte das Urteil des Landesverfassungsgerichts in Münster, dass dem Land ins Stammbuch schreibt, die Mehrkosten durch den U3-Ausbau zu übernehmen. Bisher mussten die Kommunen kräftig zuschießen.

Deswegen legte die schwarz-grüne Ratsmehrheit die Bremse ein und deckelte den Ausbau bei 100 neuen Plätzen pro Jahr. Das, so Münich, würde Aachen zumindest knapp an die 35-Prozent-Marke heranführen. Die Bremse könnte nun wieder gelockert werden, wie am Dienstag bereits Politiker andeuteten. Fragt sich nur, ob das Urteil bei den Kommunen tatsächlich zu einem großen Spareffekt führen wird.

Kämmerin Annekathrin Grehling hält es noch mit der Mutter der Porzellankiste - und geht vorsichtig an die Sache heran. Das Urteil an sich sei ja schonmal begrüßenswert. Was unter dem Strich stehe, sei aber von vielen Faktoren abhängig. Sie werde deswegen wohl erst einmal die Kosten von jährlich 600.000 Euro durch 100 neue U3-Plätze per anno nicht ganz aus dem Etat streichen. Zu viele Fragen seien da noch offen.

„Man muss ja auch realistisch bleiben”, sagt sie. Wie es zum Beispiel mit rückwirkender Erstattung ist, sei eine spannende Frage. Gibt es ab 2008 das Geld ganz zurück oder nur teilweise oder vielleicht gar nicht? Wird bei den neuen Plätzen künftig eine Pauschale angesetzt oder genau abgerechnet? Was wird überhaupt angerechnet? Wird deshalb etwas anderes gestrichen? Fragen über Fragen.

An eine positive Auswirkung des Urteils glaubt Grehling jedoch auf jeden Fall: Dass das Land künftig vorsichtiger bei dem ist, was es den Kommunen auf den Rücken packt.
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