Große Mehrheit stimmt gegen die Campusbahn - in der 10B

Von: Thorsten Karbach
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Malen sich keine Zukunft mit Campusbahn in Aachen aus: Die Schüler der 10 B der GHS Burtscheid – hier Morat Bourosain (vorne) und Arsalan Ghalavand –haben sich intensiv mit dem Projekt auseinander gesetzt. In einer internen Abstimmung sind 14 der 16 Jugendlichen gegen den Schienenverkehr. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist ein klares Signal gegen die Campusbahn, was die Schüler der 10B der Gemeinschaftshauptschule da in Burtscheid setzen. Viele (Schul-)Stunden haben sie Argumente für und gegen das Millionenprojekt gesammelt, sie haben sie besprochen und gewertet – und an der Tafel aufgelistet.

Da steht der Umweltaspekt der Finanzierung gegenüber, der Imagefaktor den „unkalkulierbaren Risiken“ beim Bau und die Verbesserung des ÖPNV den Zweifeln an der Trassenführung. Und nun stimmen 16 Jugendliche quasi in einem kleinen Testlauf über die Campusbahn ab – und 14 von ihnen sind dagegen.

Es sind Ängste um die eigene Zukunft, die die Schüler in Sachen Campusbahn bewegen. Sie sehen die Vorteile. Aber die Befürchtung, dass der Kostenrahmen gesprengt wird, ist allgegenwärtig im Klassenraum an der Malmedyer Straße. Werden Steuern, die sie zahlen müssen, erhöht? Werden Kitaplätze, die einmal ihre Kinder brauchen, teurer? Es sind solche Fragen, die sie stellen. „Ich muss mich fragen, ob sich das wirklich lohnt“, sagt Arad Hosseini.

Neue Ausbildungsplätze?

Lehrer Eckhard Elbers hat die Schüler im Wirtschaftsunterricht mit der Campusbahn konfrontiert. Das Abstimmungsheft der Stadt Aachen wurde durchgearbeitet, die Berichterstattung in der Tageszeitung verfolgt. „Ich fühle mich gut informiert, habe aber immer noch Fragen, die mir durch den Kopf gehen“, sagt Maria Thomalla. Und so geht es vielen ihrer Mitschüler.

Ist die Batterietechnik weit genug für den Alltagsbetrieb? Wird Bahn- und Busfahren teurer, wenn die Campusbahn auf die Schiene gesetzt ist? Wird es durch die Campusbahn mehr Jobs in Arbeit geben, vielleicht sogar Ausbildungsplätze, die für die Schüler interessant sind? „Es gibt Grundlegendes, was ich noch wissen möchte“, sagt Lea. Und ihre Mitschülerin Amina Filali stellt klar: „Bei so einer wichtigen Entscheidung sollte man sich wirklich sicher sein. Hier geht es nicht um Glauben oder Vertrauen in Planer und Wissenschaftler.“

14 der 16 Schüler sind – Stand Freitag – nicht sicher genug, um für die Campusbahn abzustimmen. „Ich bin selbst noch hin- und hergerissen“, erzählt ihr Lehrer. In der Klasse 9 hat er seine Schüler ebenfalls abstimmen lassen. Hier zählte er acht Stimmen für und elf gegen die Campusbahn – allerdings wurde das Thema mit den jüngeren auch nicht so intensiv besprochen wie in der 10B. „Sind bei der intensiven Auseinandersetzung also mehr Argumente gegen die Campusbahn aufgetaucht?“, fragt sich der Elbers nun.

Wie an der Hauptschule in Burtscheid haben sich überall in der Stadt Klassen mit dem Thema Bürgerentscheid zur Campusbahn auseinander gesetzt. Oberbürgermeister Marcel Philipp hatte die weiterführenden Schulen angeschrieben und die Debatte dieses besonderen Demokratieaktes empfohlen. An einigen Schulen – etwa dem Couven- und dem Pius-Gymnasium wurden Podiumsdiskussion organisiert. Die 10B von der Malmedyer Straße ist gerne in das Thema Campusbahn eingestiegen. „Ich finde es schon klasse, wie sich die Schüler dabei Gedanken um die Auswirkungen auf ihre eigene Zukunft machen“, sagt Lehrer Elbers.

Die meisten Jugendlichen werden am 10. März wahlberechtigt sein, sie wollen von diesem Recht rege Gebrauch machen, denn sie wissen, dass die Campusbahn – wie auch immer – ihre Zukunft verändern wird. „Es betrifft mich direkt, ich soll diese Bahn später einmal nutzen“, erklärt Lea Gasparovic – auch wenn die 15-Jährige – sie sagt „leider“ – nicht wählen kann. Und Arad Hosseini betont: „Ich finde es gut, dass die Bürger in dieser Frage entscheiden. Das macht Demokratie aus, es geht hier um unsere Zukunft.“

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