Große Kunst: Jazz-Klarinettist Theo Jörgensmann spielt

Von: Eva Johanna Onkels
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Theo Jörgensmann (l.) spielt vor dem Aachener Flügelaltar von Günther Beckers (r.) in der Kapelle der Bischöflichen Akademie. Foto: A. Schmitter
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Ausnahme-Klarinettist Theo Jörgensmann (links) spielte vor dem Triptychon des Aachener Malers Günter Beckers (rechts). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Konzerte, die den Zuhörern die Sprache verschlagen, die so fordern, dass es dafür später keine Worte mehr gibt, kommen nicht besonders häufig vor. Um so beeindruckender ist es dann, solche Konzerte erleben zu können. Die „Altarimprovisationen“ von Jazz-Klarinettist Theo Jörgensmann waren ein solches Konzert.

Eines, bei dem man in jedem Ton die Zeit anhalten wollte, um möglichst lange die Intensität der Musik spüren zu können. Schade daher, dass nur eine Hand voll Aachener am Sonntagmittag ihren Weg in die Kapelle der Bischöflichen Akademie Aachen gefunden hatte, um dem wirklich überragenden Spiel Jörgensmanns zuzuhören.

Der 1948 geborene Klarinettist spielte vor dem Hintergrund des vom Aachener Maler Günther Beckers geschaffenen „Aachener Farbflügel-Altar“. Der Altar ist schon allein von besonderer Bedeutung, weil es kaum noch neu geschaffene Triptychons, also dreiteilige Altargemälde, gibt. Erst recht nicht mit einer Predella, einem Sockel, wie Karl Allgaier, Leiter der Bischöflichen Akademie, betonte.

Über Beckers kam auch der Kontakt zu dem weltweit gefragten Jazz-Klarinettisten zustande. Jörgensmann, der erst im Alter von 18 Jahren mit dem Klarinettenspiel begann, hat eine hohe Begabung für Improvisationsmusik und gehört heute zu den führenden Köpfen des sogenannten Modern Creative, ein Jazzstil, der sich anlehnt an Fusion, Bob und Free Jazz, sowie Elemente aus Funk, Pop und Rock kombiniert.

Sechs Improvisationen spielte Jörgensmann und Allgaier betonte am Schluss des Konzertes: „Diese sind unwiederbringlich“. Die Musik hörte sich nicht nur, nein, sie fühlte sich gleichsam an, wie ein wildes, buntes Gemälde aus Farbklängen und in sich verdrehenden melodiösen Mustern. Wenn Jörgensmanns Finger über die Klappen der Klarinette eilten, dann hatte dies aber nichts von Hektik oder Eile, sondern von Eleganz und tänzerischer Leichtigkeit.

Ohnehin wirkte sein gesamtes Spiel wie eine tiefe Meditation, die sich aber nicht auf leichte Sounds und wenig Bewegung beschränkte, sondern wusste, mit Gefühlen und Eindrücken zu spielen, ohne dabei jedoch zu weit zu gehen oder zu viel vom Zuhörer zu verlangen.

Die schrillen, teils durchdringenden Passagen, die bei anderen Stücken oder anderen Instrumenten so manchen Zuhörer dazu verleiten, die Hände vor die Ohren zu halten, wurden bei Jörgensmann eingebettet in ein warmes, weiches Nest aus wunderbar schönen und samtigen Tönen, die ein musikalisches Gesamtbild ergaben, welches im Herzen gut tat. Obwohl alle Improvisationen eine musikalische Auseinandersetzung mit dem Farbflügel-Altar waren, so waren sie doch alle verschieden. In eine häufig positive musikalische Grundstimmung mischten sich melancholische Melodien und Tonreihenfolgen, die eher klangen, als seien sie elektronisch hergestellt, denn durch eine Klarinette ohne jedwede Begleitung oder Verzerrung.

Gerade diese neuen, ungewohnten Passagen trugen viel zu dem Gefühl bei, das den Zuhörer schon nach wenigen Minuten des Spiels überkam.

Für den besonderen Klang sorgte wohl auch ein bisschen Jörgensmanns Klarinette selbst: Er benutzt eine sogenannte Bassettklarinette, die im Vergleich zur handelsüblichen B- oder A-Klarinette um vier halbe Töne nach unten erweitert ist und ein anderes Spiel mit dem Daumen erfordert. Dadurch entsteht ein unnachahmlicher und auch für geübte Jazzhörer ungewöhnlicher Klarinettensound.

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