Große Klasse wären kleinere Klassen

Von: Nicole Neuser
Letzte Aktualisierung:
Schüler fragen, Politiker ant
Schüler fragen, Politiker antworten: Im Ratssaal nehmen zum zweiten Mal Jugendliche Platz, um beim Schul-Polit-Talk unter der Moderation von
AZ-Redakteur Thorsten Karbach mit den Experten der Ratsfraktionen zu Foto: Andreas Steindl

Aachen. Angeregte Diskussionen zwischen jungen Leuten und Vertretern der Politik - Runde zwei. Das Thema? Klar, Schulpolitik.

Zum zweiten Mal folgen Aachener Schüler sowie die Schulexperten der Ratsfraktionen der Einladung der Initiative „Aachen macht satt” um Organisatorin Julia Frambach. Eine Polit-Talkrunde, die die Möglichkeit bietet, direkten Kontakt herzustellen zwischen den Vertretern der Parteien und denjenigen, die es wirklich betrifft - Schüler.

In der prächtigen Kulisse des Ratssaals trifft man zusammen, um alle möglichen Fragen rund um das Thema Schulpolitik ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Nach der Premiere im Januar haben diesmal die Jugendlichen des Schulverbandes Aachen-Ost - Hugo-Junkers-Realschule und Hauptschule Aretzstraße - und des Couven-Gymnasiums die Möglichkeit, ihre Fragen, aber auch Sorgen und Nöte aus dem Schulalltag an die Politik zu richten. Beantwortet werden diese von Christian Steins (CDU), Mathias Dopatka (SPD), Ulrich Balthasar (Grüne), Birgit Haveneth (FDP), Georg Biesing (Linke). AZ-Redakteur Thorsten Karbach moderiert die Diskussion.

Die erste Hürde

Mutig eröffnet ein Schüler die Diskussion mit einer Frage, die ihn auch persönlich sehr betrifft: „Ich lebe seit zwei Jahren in Deutschland und hatten anfangs große Probleme mit der Sprache. Wie kann die Politik Schülern mit sehr wenigen Deutschkenntnissen besser helfen?” Dass die Sprache in einem neuen Land die erste große Hürde ist, die es mit massiver Förderung zu überwinden gilt, da sind sich die Vertreter einig.

Doch das sollte nach Meinung von Mathias Dopatka (SPD) und Christian Steins (CDU) nicht ausschließlich in der Hauptschule möglich sein. „Viele Schüler mit schlechten Deutschkenntnissen gehen direkt an die Hauptschule, weil dort die größtmögliche Förderung angeboten wird. Doch unabhängig von der Schulform sollten alle die entsprechende Förderung erhalten”, so Steins (CDU).

Eine Schülerin möchte daraufhin wissen, warum die Hauptschule einen so schlechten Ruf besitzt. Und mit diesen Eröffnungsfragen stecken die Plenumsteilnehmer auch schon ganz tief drin in der Diskussion um das Schulsystem. „Dass die Hauptschule einen schlechten Ruf erlangt hat, ist nur ein Beispiel dafür, dass das gegliederte Schulsystem am Ende angekommen ist”, erklärt Ulrich Balthasar (Grüne). Die Lösung sieht er im „längeren gemeinsamen Lernen”, eine gemeinsame Schule für alle also.

Kritik am System

Auch Georg Biesing (Linke) kritisiert das gegliederte Schulsystem: „Dieses System sortiert Schülerinnen und Schüler und das ist nicht menschenwürdig.” Ein Schüler wirft daraufhin die Frage auf: „Warum ist unser Bildungssystem dann nicht genau so, wie in den skandinavischen Ländern?” Dass man sich ein Beispiel nehmen kann am Bildungssystem dieser Länder ist für Biesing (Linke) ganz klar.

Das gegliederte Schulsystem sei uns lange Zeit für das einzig Wahre verkauft worden. Die Länder im Norden seien schon viel früher darauf gekommen, dass „längeres gemeinsames Lernen” effizienter sei, erklärt Biesing (Linke). Auch Haveneth (FDP) und Dopatka (SPD) loben die kleineren Klassen, wodurch individuelle Förderung besser gelingen kann. Balthasar (Grüne) sieht die Möglichkeit, in jeder Schulform gut lernen zu können, es sei nur wichtig, was im Unterricht wirklich passiert. In den skandinavischen Ländern gäbe es zwei Lehrer pro Klasse.

Auch die Kritik an G8 - also das Abitur nach acht statt neun Jahren - kam in der Diskussionsrunde nicht zu kurz. Unterricht bis zum Nachmittag und das an vielen Schulen ohne fertiggestellte Mensen, mit Baulärm und Räumen in denen man sich nicht wirklich wohlfühlen könne - davon berichteten die Couven-Schüler.

Für Balthasar (Grüne) ist die Sache klar: G8 sei von der damaligen Landesregierung auf brutal schnellem Wege entschieden worden und die Schulen seien damit überfordert gewesen. Die Gesamtschulen, welche weiterhin nach G9 verfahren, sei hier eine besondere Wichtigkeit zuzuschreiben. Sie bieten die Möglichkeit dem Stress, das Abitur in acht Jahren zu erlangen, aus dem Weg zu gehen.

Ein wenig ins Wanken geraten die Politiker dann bei der Bitte eines Schülers, den folgenden Satz mit wenigen Worten zu vervollständigen: „Schule sollte meiner Meinung nach?” und einen Lösungsansatz in zwei Sätzen zu entwickeln. Keine leichte Aufgabe, doch im Grunde sind sich alle einig. Beste Bildungschancen für alle, individuelle Förderung, frühstmögliche Bildung und eine Schule als Ort, an dem man sich wohlfühlen kann.

Um diese Ziele erreichen zu können, sehen es die Politiker als sehr wichtig an, dass die Schüler den persönlichen Kontakt zur Politik suchen - und diese Veranstaltung hat hierzu wieder einmal mehr beigetragen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert