Große Ehrung für kleine Musikkneipe

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
8652689.jpg
Urkunde mit Bundesadler: „Dumont“-Besitzer Armin Burke hat mit seinen ambitionierten Jazzkonzertreihen den Spielstättenprogrammpreis der Bundesregierung gewonnen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Mann hat fünf Grammys gewonnen und mit Größen wie Herbie Hancock, Wayne Shorter und Carlos Santana gespielt. Vor zehntausenden Zuschauern. In großen Konzertarenen. Im Mai war George Whitty mit seinem „Third Rail“-Trio auch in Aachen. Vor 60 Leuten. Im „Dumont“.

Es sind auch solche sensationell anmutenden Gigs wie der des preisgekrönten Keyboarders, denen die Musikkneipe an der Zollernstraße seit Jahren eine kleine, aber treue Fangemeinde verdankt – und die dem kleinen Laden im Frankenberger Viertel einen Ruf als ausgesprochen ambitionierter Konzertort sichern. Letzteres hat mittlerweile auch im fernen Berlin für Aufsehen gesorgt, was dem „Dumont“ nun tatsächlich selbst einen Preis beschert: den „Spielstättenprogrammpreis“.

Der klingt zwar ausgesprochen sperrig, ist aber gleichwohl eine ausgesprochen große Ehre, auf die „Dumont“-Besitzer Armin Burke „so richtig stolz“ ist. Denn mit dem Preis honoriert die Initiative Musik der Bundesregierung „Spielstätten sowie Veranstalter von Livemusikreihen, die ein kulturell herausragendes und auszeichnungswürdiges Livemusikprogramm in den Bereichen Rock, Pop und Jazz anbieten“.

Mit 57 anderen Clubs und Veranstaltungsreihen aus dem ganzen Bundesgebiet wurde das „Dumont“ von Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, in Berlin ausgezeichnet – als „kulturelle Ermöglicher, die oftmals ohne oder nur mit geringer öffentlicher Förderung für hochwertige Kulturerlebnisse sorgen“ und dabei „oft bis an die Grenze zur Selbstausbeutung“ gingen, so die Ministerin.

Fördermittel sind auch im „Dumont“ ein Fremdwort, und das Musikprogramm ist ein klarer Fall von Liebhaberei. Burke setzt den Schwerpunkt im Modern Jazz, lässt aber auch Raum für experimentelle Projekte und freie zeitgenössische Interpretationen. Er will junge Jazzmusiker fördern, hat aber auch immer wieder renommierte Akteure, teils aus Übersee, an der Angel, die auf ihren Europatourneen auch schon einmal am Abend vor ihrem Abflug noch einen kleinen Stopp in der Aachener Musikkneipe einlegen.

„Das ist ein Zuschussgeschäft“

Klingt prima, bloß: Geld verdient man damit nicht. Im Gegenteil: „Dass ist ein Zuschussgeschäft“, sagt Burke. „Wenn ich mit der Musik Geld verdienen wollte, müsste ich Rockabende veranstalten.“ Da passt es ganz gut, dass der Spielstättenprogrammpreis mit 5000 Euro dotiert ist, die projektgebunden abgerufen werden können. Sprich: Armin Burke muss das Geld in seine Spielstätte oder in sein Programm stecken, was er gerne tut. Ein paar neue Lautsprecher könnte er gebrauchen, außerdem kann er Musikern jetzt leichter mal ein Hotelzimmer bezahlen.

Auch zeitlich passt das Ganze gut: Am Sonntag geht im – mittlerweile preisgekrönten – „Dumont“ die Saison wieder los. Bis zum Frühjahr stehen rund 20 Konzerte an. „Und los geht es direkt mit einem Knaller“, verspricht Burke. Das britische Quintett „Led Bib“ kommt nach Aachen (siehe Info-Box). „An denen bin ich schon seit drei Jahren dran“, freut sich der Gastronom auf das Gastspiel.

Und wenn morgen Abend alles gut läuft, dann spielen die fünf Briten auch vor rund 60 Leuten. Wie der Grammy-Gewinner George Whitty. Aber das hat nichts mit Desinteresse zu tun. Denn mit Bestuhlung passen ins „Dumont“ bei Konzerten schlicht und einfach nicht mehr Zuschauer hinein.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert