Aachen - Größte Sporthalle ist nicht schneetauglich

Größte Sporthalle ist nicht schneetauglich

Von: Stephan Mohne
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Bundesliga-Volleyball mit 1000
Bundesliga-Volleyball mit 1000 Zuschauern: Nicht auszudenken, wenn die Sporthalle an der Neuköllner Straße einstürzen würde. Deswegen wird sie ab sofort bei stärkerem Schneefall gesperrt. Ein Gutachter hat festgestellt, dass große Lasten gefährlich für das Dach werden können. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Glück gehabt. So kann nur die Einschätzung lauten, wenn es um den vergangenen Winter und Aachens größte Sporthalle geht. Die Dreifachhalle der städteregionalen Berufskollegs an der Neuköllner Straße hätte nämlich durchaus unter den Schneelasten zusammenbrechen können.

Das ist das Ergebnis eines Ingenieurgutachtens zur Statik des Gebäudes. Kein Wunder also, dass jetzt auf Empfehlung des Gutachters hin die Anweisung erfolgt ist, bei „stärkerem Schneefall” die Halle zu sperren.

Und zwar so lange, bis der Schnee vom Flachdach geräumt ist. So steht es in einem Schreiben der Schulverwaltung der Städteregion, das unserer Zeitung vorliegt. Weiter heißt es, dass „die Nutzer in diesem Sinne zu informieren bzw. anzuweisen” seien.

In Auftrag gegeben worden ist das Gutachten durch das Gebäudemanagement der Stadt, das mit der Städteregion kooperiert hat. Dessen Chef Michael Ferber bestätigt die Ergebnisse: „Das Dach hatte sich im vergangenen Jahr unter der großen Schneelast erheblich durchgebogen. Deswegen haben wir es nach der Schneeräumung untersuchen lassen.” Eines der Ergabnisse ist in diesem Zusammenhang durchaus besorgniserregend. Die Leimverbindungen der Tragwerkskonstruktion sind die gleichen wie jene bei der einstigen Eissporthalle in Bad Reichenhall.

Diese erlangte traurige Berühmtheit, weil sie am 2. Januar 2006 einstürzte. 15 Menschen starben damals, 34 wurden schwer verletzt. bei der Aachener Halle stehen laut Ferber noch einige Tests aus, so etwa zur Beschaffenheit der Leimverbindungen. Erst dann könne man sagen, was noch veranlasst werden muss. Etwa ob das Tragwerk verstärkt oder gar ganz erneuert werden muss. Bis dahin, so Ferber, wolle man keinerlei Risiko eingehen und Vorsicht walten lassen.

Nicht auszudenken ist nämlich, was geschehen könnte, wenn die Halle im Betrieb tatsächlich einstürzt. Das gilt für den Schulsport. Das gilt auch für den Vereinssport. Zum Beispiel schlagen in der Halle die Bundesliga-Volleyballerinnen von Alemannia Aachen auf - vor durchschnittlich 1000 Zuschauern. Auch die großen Aachener Hallenfußballturniere werden an der Neuköllner Straße ausgetragen. Dass eine solche Veranstaltung im Extremfall abgesagt oder mittendrin unterbrochen werden muss, hält Ferber zwar für unwahrscheinlich, aber auch nicht für ausgeschlossen.

Es kommt eben auf den Schneefall an. Und dann auch noch auf die Art des Schnees. Dieser kann bekanntlich höchst unterschiedlich schwer sein. Ist es klirrend kalt und der Schnee trocken, wiegt er wenig. Ist es warm und der Schnee nass, wiegt er mehr. Liegt er auf dem Dach, beginnt zu tauen und friert dann wieder, ist das Eis noch schwerer.

Nach Richtzahlen der Bayrischen Lawinenwarnzentrale reicht die Dichte von 100 bis 900 Kilogramm pro Kubikmeter. Leicht zu beurteilen sein wird es also nicht, ob die Halle nun gesperrt werden muss oder nicht. Die Sporthalle Neuköllner Straße ist indes zwar der weitreichendste Fall, nicht aber der einzige. Das Gebäudemanagement hat auch andere große Dachkonstruktionen unter die Lupe genommen.

Im Brander Schulzentrum wurde der Mensabereich danach mit einer Säule verstärkt. Für andere Hallen und Gebäude gilt, dass sie rasch zu räumen sind, wenn die Schneelast drückt. Gesperrt werden muss laut Ferber aber keine andere Halle. Für die Zukunft hat die Stadt eine Entscheidung getroffen, um diesem Problem ganz aus dem Weg zu gehen. Alle neuen Gebäude und Hallen müssen nun so gebaut werden, dass sie eine Schneelaststufe mehr aushalten, als es in hiesigen Gefilden sonst üblich ist.
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