Aachen - Größere Wertschätzung für Erzieherinnen

Größere Wertschätzung für Erzieherinnen

Von: Kathrin Albrecht
Letzte Aktualisierung:
4763549.jpg
Diskutierten die U3-Betreuung: Birgit Haveneth (FDP), Andreas Müller (Die Linke), Ruth Wilms (CDU), AZ-Redakteur Thorsten Karbach, Hilde Scheidt (Grüne) und Bernd Krott (SPD). Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Was den Ausbau der U3-Betreuung in der Stadt Aachen angeht, so waren zu Beginn der Woche optimistische Töne zu hören. Wolfgang Rombey, Dezernent für Bildung und Kultur, Schule, Jugend und Sport, verkündete „mit Stolz“, dass die Stadt zum Stichtag 1. August mit einer Quote von 36,9 Prozent sogar das angestrebte Landesziel von 32 Prozent übertreffen werde.

Doch was genau bedeuten diese Zahlen konkret? Heißt das, alle U3-Kinder können auch tatsächlich den Wünschen ihrer Eltern entsprechend in den Aachener Kitas untergebracht werden? Wie sieht es mit dem Personal an den Kindertagesstätten aus? Reichen die vorgegebenen Personalschlüssel oder ist ein Personalnotstand zu befürchten? Was bedeutet der Ausbau für die Qualität der Betreuung, nicht nur für die U3-Kinder, sondern insgesamt? Dies waren Fragen, die am Mittwochabend in der Aula der Käthe-Kollwitz-Schule unter dem Titel „Masse statt Klasse? Wohin geht die U3-Betreuung?“ diskutiert wurden.

Eingeladen hatte der Jugendamtselternbeirat der Stadt. Auf dem Podium diskutierten Ruth Wilms (CDU), Bernd Krott (SPD), Hilde Scheidt (Grüne), Birgit Haveneth (FDP) und Andreas Müller (Die Linke) mit AZ-Redakteur Thorsten Karbach und mit dem sehr zahlreich erschienen Publikum – für das mit angehenden Erzieherinnen und Erziehern der Käthe-Kollwitz-Schule extra eine Kinderbetreuung eingerichtet wurde. Wie aktuell das Thema den Anwesenden auf den Nägeln brannte, schien die Veranstalter selbst ein wenig zu überraschen.

Expertin fordert mehr Verdient

Der Diskussion voran ging ein Vortrag der Bochumer Sozialpädagogin Monika Mangen. Sie kritisierte die derzeitige Tendenz in der Frühpädagogik, Kinder mit einer ganzen Batterie von Lernförderprogrammen zu überfordern und plädierte außerdem dafür, den Beruf der Erzieherin mehr wertzuschätzen. Er sei mindestens dem Lehrerberuf gleichzusetzen – letztendlich müsse sich das auch in einer entsprechenden Besoldung niederschlagen. Vielen der anwesenden Kita-Leiterinnnen und -Mitarbeiterinnen sprach sie damit aus der Seele.

In der anschließenden Podiumsdiskussion zogen alle beteiligten Politiker zunächst eine positive Bilanz hinsichtlich des U3-Ausbaus. Allerdings, so räumten sie ein, gebe es auch lokale Defizite, an denen weiter gearbeitet werden müsse. Die Betreuungssituation ist beispielsweise im Stadtteil Driescher Hof kritisch. Auch in punkto Qualitätssicherung waren sich die Ratsmitglieder weitgehend einig. Die bestehenden Standards nach Kibiz müssten erhalten bleiben, Notlösungen dürften keine Dauerlösungen werden. Die Runde bekräftigte außerdem, dass Erzieherinnen mehr Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren sollten. Auf die Gehälter habe man auf Kommunalebene aber keinen Einfluss, das sei Sache des Landes, betonte beispielsweise Wilms. Um attraktiv für gut ausgebildetes Personal zu bleiben, wurden beispielsweise flexiblere Arbeitszeitmodelle angesprochen. Müller erntete für seine Aussage, dass von Zeitverträgen abgerückt werden solle, viel Szenenbeifall.

Andere Auffassung

Die anschließende Fragerunde machte deutlich, dass viele Anwesende die Situation durchaus anders bewerten als die Politiker, und dass auch vieles nicht so läuft, wie es laufen sollte. Ulrike Timmers, die die städtische Kita in der Franz-Wallraff-Straße leitet, hielt der Aussage, man habe bei der Besoldung keinen Einfluss, entgegen, dass die Stadt durchaus Möglichkeiten habe – beispielsweise, indem Erzieherinnen in eine höhere Besoldungsgruppe eingestuft würden. Hinsichtlich des Personalstamms einer Kita ist sie der Ansicht, dass der Schlüssel nur funktioniere, „wenn niemand krank, im Urlaub oder auf Fortbildung“ sei. Außerdem ärgert es sie, dass Erzieherinnen, die eigentlich für die Kinder da sein müssten, zum Teil auch noch in hauswirtschaftlichen Tätigkeiten gebunden sind. Hier könnte und sollte die Stadt die Erzieherinnen mehr entlasten.

Ein anders Beispiel ist das Kita-Portal der Stadt, über das sich Eltern um einen Kita-Platz bewerben können. Verbindliche Zu- oder Absagen sollten eigentlich vor März nicht gemacht werden, inoffiziell ist dies aber schon der Fall, wie die Nachfrage einer jungen Mutter zeigte, die bereits bei fünf Kitas Absagen erhalten hatte und nun erwägt, ihr Recht auf einen Kita-Platz zum 1. August einzuklagen.

Einige Fragen mussten an diesem Abend unbeantwortet bleiben. Gezeigt hat der Abend vor allem eines – es gibt noch viel zu tun. Und deswegen zeigten Politiker wie auch Betroffene den Willen, die Veranstaltung des Jugendamtselternbeirats als Startschuss für einen intensiven Dialog zu betrachten.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert