Grevenstein abgeholzt: Bäume weichen Wohnkomplex

Von: Robert Esser
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Rechnung ohne den Wirt gemacht: Statt Biergarten und Grünfläche soll an der Maria-Theresia-Allee laut Entwurf von „Hahn Helten + Assoziierte“ ein Wohnkomplex wachsen. Foto: Michael Jaspers
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Rechnung ohne den Wirt gemacht: Statt Biergarten und Grünfläche soll an der Maria-Theresia-Allee laut Entwurf von „Hahn Helten + Assoziierte“ ein Wohnkomplex wachsen.

Aachen. Ein stadtbekanntes idyllisches Kleinod soll bald der Abrissbirne zum Opfer fallen. Rund zwei Jahre nachdem der letzte Gastronom das Handtuch im Restaurant Grevenstein geschmissen hat, will die Unternehmensgruppe Quadflieg (Würselen) in exponierter Lage im Aachener Süden einen modernen Wohnkomplex mit exklusiven Eigentumswohnungen errichten.

 Weit über 1000 Quadratmeter Grünfläche – zuvor im Besitz der Stadt – wären damit Geschichte.

An der Ecke Maria-Theresia-Allee/Im Brockenfeld labten sich seit 1898 Generationen von Aachenern unter den großen Schatten spendenden Bäumen. Die Historie des Ausflugslokals im ehemaligen Haus der Familie Grevenstein nebst großzügiger Gartenanlage auf städtischem Boden endete nach ungezählten Pächtern im Jahr 2013. Seitdem steht die vierstöckige Immobilie inklusive Mansarde leer.

Hinter dem Gebäude gammeln das alte Gartenmobiliar, die Grillecke und ein Spielplatz vor sich hin. Tätig wurde man allerdings trotzdem – vor und hinter den Kulissen. Während die Bauvoranfrage lief, stutzte man schon einmal mehrere mächtige Bäume auf der Grünfläche. Laut Quadflieg liegt die Abrissgenehmigung vor. Die Stadt bestätigte auf AZ-Anfrage, man habe dem Investor das Grundstück mit Garten und Bäumen verkauft. Das Presseamt betont, dass der erteilte Bauvorentscheid noch keine Aussage zum Baumschutz getroffen habe.

Wie wahrscheinlich es ist, dass ein Investor ein städtisches Grundstück in bester Lage mit Baumbestand kauft, auf dem er dann wegen der Bäume nicht bauen darf, fragen sich nun nicht nur einige Politiker. Dies rief unter anderem die Aachener FDP auf den Plan. Deren Ratsfraktion teilte mit: „Gemäß Aussage der Stadt Aachen (Fachbereichsleiter Umwelt) wurde bereits eine positive Bauvoranfrage unter Prüfung des Umweltamtes in Bezug auf die aufstehenden beziehungsweise noch zu fällenden Bäume erteilt“, formulieren die Liberalen in einer neuen Ratsanfrage.

Darin werde festgestellt, dass bereits vier Bäume, welche der Baumschutzsatzung unterliegen, gestutzt und in einer Höhe von etwa drei Metern komplett gekappt worden seien. Zwei weitere Bäume mit einem Stammumfang von bis zu 2,40 Metern sollen angeblich gefällt werden – obwohl sie laut FDP „einen naturdenkmalwürdigen Charakter“ haben und „seit Jahren die Ecksituation und Gestaltung des Ortsbildes (Maria-Theresia-Allee) prägen“. Unter dem Titel „Urbaner Wohnungsbau im Grünen“ hat das Aachener Architekturbüro „Hahn Helten + Assoziierte“ Pläne zur Bebauung des Eckgrundstücks im Internet veröffentlicht.

Dazu heißt es auf der Homepage der Architekten: „...nahe der beliebten Grün- und Freizeitanlage Hangeweiher entwickelt Hahn Helten im Auftrag der Unternehmensgruppe Quadflieg hochwertige Wohnbebauung“. Knapp 1800 Quadratermeter Wohnfläche will man auf 13 Wohnungen aufteilen. Hinzu komme noch eine Tiefgarage, hieß es. Anfang 2016 soll Baubeginn sein, ein Jahr später will der Investor bereits fertig sein.

Zuvor müsste das Umweltamt allerdings noch einige Fragen der FDP zum bedrohten Baumbestand beantworten. Ansonsten dürfte es für das idyllische Kleinod an der (noch) grünen Straßenecke schon bald zu spät sein.

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