Aachen - Grenzlandtheater zeigt Ibsens „Wildente” als Psychodrama

Grenzlandtheater zeigt Ibsens „Wildente” als Psychodrama

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Aachen. Schon in den Proben knistert es: Die roh gezimmerten Holzkästen auf der Probebühne des Grenzlandtheaters, das Tageslicht sind vergessen, wenn Volker K. Bauer als Konsul Werle und Thomas Pohn als dessen Filius Gregers gleich zu Beginn von Henrik Ibsens „Wildente” aneinander geraten.

Genau diese Intensität will Regisseurin Anja Junski erreichen: „Mein Schwerpunkt liegt auf dem Miteinander der Figuren und auf der Psyche des Einzelnen”, erklärt sie.

Zur Geschichte: Der scheinbar skrupellose Vater hat gleich zwei Familien auf dem Gewissen - die eigene und die seines früheren Freundes und Kompagnons Ekdal (Wolfgang Rommerskirchen). Der Sohn will jedoch die um Verrat und Ehebruch herum gebauten Lebenslügen aller zum Einsturz bringen.

„Jetzt habe ich eine Aufgabe”, sagt Gregers schon fast fanatisch. Er hatte nach dem Tod seiner Mutter seinem Elternhaus den Rücken gekehrt und kommt nun nach Jahren erstmals wieder ins Haus. Doch es wird keine freudige Rückkehr des verlorenen Sohnes. „Soll man offen miteinander reden oder es doch lieber lassen?”, stellt Intendant Uwe Brandt die dauerhaft aktuelle Kernfrage rund um Ibsens Klassiker.

Um den Fokus noch stärker auf das Zwischenmenschliche zu legen, hat Junski den kulturell-politischen Hintergrund der Originalfassung aus dem 19. Jahrhundert gestrichen. „So wird es heutig ohne große Modernisierung”, sieht auch Brandt darin den richtigen Weg. „Es steckt so viel Konfliktschwere darin.”

Dazu passend: Das Bühnenbild (Barbara Krott) lässt den acht Schauspielern viel Raum auch für kleine Gesten: Sparsam möblierte Podeste - für Werles Anwesen auseinandergezogen, für Familie Ekdals traurig bescheidenes Heim zu einer Insel zusammengeschoben - und die Seiten sind in einem schlammigen Grün gehalten.

Die Rückwand gibt Ausblick auf eine norwegische Fjordlandschaft. „Kühl, dunstig und mit einem Sogcharakter”, beschreibt Junski das Bild, dass den Eindruck des ganzen elenden Sumpfes der Ekdals und Werles verstärken soll. „Aber eben so, dass das kleine Spiel - zum Beispiel eine hochgezogene Augenbraue - reicht.”

Der von Ibsen in genauen Details beschriebene Dachboden findet auf der Bühne des Grenzlandtheaters hingegen keine Darstellung. Einzig eine Leiter deutet an, dass sich über der Wohnung Ekdal noch mehr befindet. „Da wollen wir die Fantasie der Zuschauer nicht eindämmen”, erläutert Brandt. Projektionsfläche für eigene Interpretation ist auch das Ende der „Wildente” auf der Bühne in der Elisengalerie: „Bei Ibsen ist Hedwigs Tod eindeutig Selbstmord, wir lassen ihr Schicksal ein bisschen offen”, macht Timo Klein, der die Rolle Hjalmar Ekdals übernommen hat, neugierig auf die Premiere.

„Die Wildente” von Henrik Ibsen hat am Donnerstag, 10. März, um 20 Uhr im Grenzlandtheater Premiere. Weitere Vorstellungen gibt es bis zum 10. April immer um 20 Uhr. Am 19. und 26. März gibt es zusätzlich Vorstellungen um 16 Uhr. Für alle Vorstellungen bis auf die Premiere gibt es noch Karten unter 4746111.
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