Grenzlandtheater zeigt „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde

Von: Marie Ludwig
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„Das Bildnis des Dorian Gray“: Das Grenzlandtheater zeigt den Klassiker von Oscar Wilde mit Jan Stapelfeldt (rechts) in der Hauptrolle. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Warum kann ich nicht für immer jung bleiben?“, ruft Dorian Gray seinem frisch gemalten Porträt zu. Verzweifelt blickt er auf sein Ebenbild: Samtener, purpurfarbener Anzug, auf Hochglanz polierte Lackschuhe, ein makelloses Gesicht. Maler Basil Hallward hat ihn gut getroffen.

Dorian, gespielt von Jan Stapelfeldt, der auch in der TV-Serie „Marienhof“ mitspielte, ist ein gut aussehender Mann. Doch dass diese Schönheit nicht von Dauer ist, macht ihm Sorgen – ohne Schönheit sei ein Leben doch nicht mehr lebenswert. Oder?

Das Grenzlandtheater bringt einen der bedeutendsten Romane von Oscar Wilde auf die Bühne: „Das Bildnis des Dorian Gray“. Wilde stellt mit seinem Stück die Frage nach Moral auf den Prüfstand und kramt die Abgründe der menschlichen Seele hervor. Dekadenz und Begehren treffen auf Verlust und vor allem auf eines: dem Streben nach Schönheit.

„Wenn du sie verloren hast, wirst du leiden!“, flüstert Lord Henry dem leichtgläubigen Dorian zu. Verzaubert von den Worten des reichen Lords, gespielt von Fabian Goedecke, erlebt Dorian eine Verwandlung und spricht einen verhängnisvoller Wunsch aus: „Mein gemaltes Bild soll für mich altern. Ich will ewige Jugend und Schönheit bewahren.“ Sogar seine Seele würde er dafür geben. Und sein Wunsch geht in Erfüllung – Dorian stützt sich in ein Leben voller Genuss und rücksichtsloser Sinnlichkeit.

Doch die Jahre, in denen er immer maßloser und grausamer wird, vergehen, bis ihn seine Vergangenheit einholt und er den Folgen seiner Taten ins Auge blicken muss... Denn obwohl Dorian äußerlich jung und makellos schön bleibt, hinterlässt sein lasterhaftes Leben Spuren auf seinem Porträt zuhause.

„Das Bild von Dorian wird bewusst nicht gezeigt“, erklärt Regisseur Udo Schürmer. Alle – sowohl Zuschauer wie auch Schauspieler – blicken durch einen leeren Rahmen. Auch das Bühnenbild greift Selbstbilder immer wieder auf. In Splittern mehrerer Spiegelflächen können sich Zuschauer selbst sehen, „vielleicht sogar selbst wiedererkennen“, so Schürmer.

Auch Intendant Uwe Brandt hält Wildes Stück für aktueller denn je: „Schönheitsoperationen, nachbearbeitete Bilder – unsere Gesellschaft hat Angst vorm Älterwerden.“ Das Stück sei einfach kein verstaubter Klassiker und behandele ein Thema, dass immer noch höchste Aktualität habe.

Vor allem der Gesellschaftszwang verändere die Menschen – im Stück wie auch im echten Leben. So wird Dorian nicht nur Täter, sondern auch zum Opfer der Gesellschaft. Und obwohl die Figuren die gleichen Probleme teilen, bleibt jeder letztlich doch allein. Auch im Stück zähle noch vielmehr das Nichtgesagte, findet Birthe Gerken, die die Rolle der Lady Wotton spielt.

Ob Dorian auf den guten Weg zurückfindet? In rund zwei Stunden erleben Zuschauer rund 20 Jahre aus seinem Leben. Ob er es letztendlich schafft, Schönheits- und Gesellschaftszwang zu entkommen, bleibt bis noch zum morgigen Freitag, 30. Oktober, ein Geheimnis.

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