Aachen - Grenzlandtheater startet mit „Fräulein Julie“ in die neue Spielzeit

Grenzlandtheater startet mit „Fräulein Julie“ in die neue Spielzeit

Von: Julia Gröbbels
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Offenbaren die Aktualität des Stückes „Fräulein Julie“ auf den zweiten Blick: Nadine Nollau (Kristin) und Denis Schmidt (Jean). Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Mittsommernacht auf einem Landgut. Die junge Grafentochter Julie lässt sich mit dem Hausdiener Jean ein. Ungehemmt flirtet sie mit ihm, provoziert und beschimpft ihn, wird zudringlich – bis der zögernde Jean nachgibt. Und dann ist da auch noch Kristin, die Köchin, die vielleicht Jeans Verlobte ist. Ein raffiniertes Spiel um Liebe und Macht beginnt – und im Licht des neuen Morgens sind die Rollen vertauscht.

Jean ist Herr der Lage, Julie die Gefallene und Gedemütigte. Damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf…

Als der schwedische Schriftsteller August Strindberg im Jahre 1888 das Kammerspiel „Fräulein Julie“ verfasste, passte es so gar nicht zum damals herrschenden Zeitgeist. Offen sprach Strindberg „Skandalthemen“ wie Sexualität und Verhältnisse zwischen Angehörigen verschiedener gesellschaftlicher Klassen an. So auch im Stück „Fräulein Julie“, in dem die hochadelige Julie ein Verhältnis mit ihrem Hausdiener beginnt. Während das Stück also in Deutschland und Frankreich schon vor der Jahrhundertwende Premiere feierte, kam es in Strindbergs Heimatland Schweden nach einer vorangegangenen Zensur erst 1906 in einem Theater zur Aufführung.

Mehr als 100 Jahre später eröffnet das Grenzlandtheater nun mit dem Stück „Fräulein Julie“ die neue Spielzeit 2015/2016. „Diese Wahl liegt nicht zuletzt in der Aktualität begründet, die das Stück jedoch erst auf den zweiten Blick offenbart“, meint Regisseurin Catharina Fillers („Ein fliehendes Pferd“, „Nachtgeschichte“, „Absalom“). „Die Ständegesellschaft existiert heute zwar nicht mehr, aber dennoch ist an ihre Stelle etwas getreten, was man als ‚Statusgesellschaft’ bezeichnen könnte“, sagt sie. Auch heute noch gebe es laut Fillers verschiedene „Status-Indizien“ wie zum Beispiel Geld, Gesundheit oder Schönheit, an denen sich der soziale Status einer Person – wenn auch nur scheinbar – bemessen lässt. Und auch heute noch verweise ein Vokabular, das Begriffe kennt wie „hochschlafen“ oder „downdating“ darauf, dass ein gewisses „Klassendenken“ noch nicht aus unseren Köpfen verschwunden sei. „Das Stück weist über seine Zeit hinaus und ist gerade deshalb so erschreckend aktuell“, so die Regisseurin. Das zeige sich auch beim Text, der ohne Änderungen aus dem Original übernommen wurde.

Mit den drei Hauptdarstellern Nika Wanderer (Fräulein Julie), Denis Schmidt (Jean) und Nadine Nollau (Kristin) zeigt das Grenzlandtheater direkt zum Spielzeitbeginn ein völlig neues Ensemble. Und auch das grün-gekachelte Bühnenbild verspricht – abwechselnd Assoziationen von Großküche und Pathologie weckend – vieles. Man darf also gespannt sein, sowohl auf die neue Spielzeit als auch auf „Fräulein Julie“.

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