Grenzlandtheater eröffnet nach Umbau mit „Willkommen“

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Das Grenzlandtheater sagt „Willkommen“: In der Inszenierung werden aktuelle gesellschaftliche Probleme gespiegelt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Zwei Jahre nach dem Willkommenheißen von zahlreichen Fremden auf bundesdeutschen Bahnhöfen, nach Debatten um Obergrenze und Schießbefehl eröffnet das frisch umgebaute Grenzlandtheater am Donnerstag, 28. September, die aktuelle Spielzeit mit „Willkommen“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz.

Nach dem Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag auf der einen Seite und einer meist geräuschlos arbeitenden großen Gruppe von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe auf der anderen könnte die Wahl kaum aktueller sein. Denn Hübner und Nemitz stellen eine Frage, die uns alle betrifft: Wie weit dürfen fremde Kulturen in meine Welt eindringen? Und wie tolerant sind wir tatsächlich, wenn es um die eigene Komfortzone geht?

Diskutiert werden sie in einer Wohngemeinschaft von fünf Menschen: nicht mehr ganz jung, aber noch im Aufbruch, intellektuell, tolerant und Dank Sophies Vater mit einem 200 Quadratmeter großen Loft samt Dachterrasse (Bühne: Tom Grasshof) beschenkt. Beim monatlichen WG-Essen eröffnet Benny (Sebastian Schlemmer) – Dozent, schwul, ein bisschen alternativ – seinen Mitbewohnern, dass er für ein Jahr nach Amerika geht.

Sein WG-Zimmer – 30 Quadratmeter groß – will er an Flüchtlinge untervermieten. „Es ändert sich so viel. Jeder muss heute Position beziehen. Politik kann das nicht mehr steuern, das kann nur die Gesellschaft tun. Also wir!“, versucht er seine Mitbewohner zu überzeugen. Er habe sich beim Helfen im Flüchtlingsheim verändert. „Sie leben seit Monaten ohne Privatsphäre auf zwei Quadratmetern und sitzen nur rum. Hier hätten sie die Chance in der Gesellschaft anzukommen. Und es bringt auch euch neue Erfahrungen“, so sein Vortragsschwall, allerdings wohl wissend, dass er bei seinem Partner wohnen wird.

Sophie (Anna Scholten) – Fotografin, offen für Neues, aber auch darauf bedacht, dass die Mieteinnahmen stimmen – steigt sofort drauf ein und sieht nicht ganz uneigennützig schon eine Fotodokumentation vor ihrem geistigen Auge. Anna (Sarah Härtling) – die Jüngste, katholisch erzogen, mit einem Ausländer liiert – hält sich auffallend zurück. Sie ist schwanger und will mit dem Kindsvater Achmed (Omar El-Saeidi) zusammenziehen. Jonas (Ryan Wichert) – Krawattenträger, ein bisschen spießig vielleicht – steht in seinem neuen Job bei einer Bank mächtig unter Druck und sorgt sich um seinen Schlaf.

Und Doro (Aline Hochscheid) – Mutter einer 18-Jährigen und die Älteste im Fünfer-Gespann – hält absolut nichts von sozialen Experimenten in den eigenen vier Wänden. Zunächst abstrakt und eher theoretisch schlägt die Diskussion ins ganz Konkrete um, als plötzlich Achmed und damit ein „Fremder“ in der Küche steht. Er hat seine ganz eigene Meinung zu Arabern und Gutmenschen.

„Es kommt schon zu einigen skurrilen Momenten“, verspricht Haus-Dramaturgin Anja Junski, die in diesem Stück die Regie übernommen hat, einen durchaus unterhaltsamen Abend. Wahrscheinlich bleibt den Zuschauern aber auch ein ums andere Mal das Lachen im Hals stecken, denn „es werden Dinge gesagt, die zwar in einigen Köpfen stecken, aber die ausgesprochen nicht gerade politisch korrekt daher kommen“, meinte Theaterleiter Uwe Brandt. „Das bequeme Leben von früher wird es nicht mehr geben. Das wird hier sehr deutlich“, sagte Omar El-Saeidi.

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